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Regensburg-Stadt
Montag, 11. Dezember 2017 11

Jugendhilfe

Wohngruppe „Elisabeth“ bietet Heimat

In St. Leonhard finden Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen Geborgenheit. Dahinter steht ein bescheidener Sponsor – der Förderverein.
Von Angelika Lukesch, MZ

Er ist mit den Kindern des sozialpädagogischen Zentrums St. Leonhard befreundet: Peter Trepnau mit Mariam, Ryan und Svenja (von links). Fotos: Lukesch

Regensburg.Als Peter Trepnau den großen Wohnraum der heilpädagogischen Wohngruppe „Elisabeth“ im sozialpädagogischen Zentrum St. Leonhard betritt, wird er von den Kindern jubelnd begrüßt. Svenja fällt Trepnau um den Hals und schmiegt sich an ihn, Janine hüpft ihm auf die Arme. „Ich komme oft zu Besuch hierher und kenne daher alle Kinder“, sagt Trepnau zur MZ, während er die Umarmung von Svenja herzlich erwidert.

Er ist der Vorsitzende und Gründer des Kinder-und Jugendförderverein St. Leonhard, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das sozialpädagogische Zentrum St. Leonhard finanziell zu unterstützen und zwar genau da, wo die kommunalen Gelder nicht ausreichen. Das sozialpädagogische Zentrum St. Leonhard ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche leben, die in ihrer eigenen Familie in ihrer sozialen und/oder emotionalen Entwicklung stark beeinträchtigt sind.

Svenja und ihre Familie

Seit vierzehn Jahren leitet Josef Parstorfer die Einrichtung mit Engagement und Idealismus. Er berichtet der MZ, dass in den Wohngruppen Kinder und Jugendliche lebten, die sexuellem Missbrauch ausgesetzt gewesen seien oder andere schreckliche Dinge erleben mussten. „Die Kinder sind so traumatisiert, dass man sie auch nicht in einer Pflegefamilie unterbringen kann“, sagt Parstorfer. In den Tages- und Wohngruppen und später im betreuten Jugendwohnen werden diese jungen Menschen umsorgt.

Svenja lebt in der Wohngruppe „Elisabeth“, um die sich ein Team von sechs pädagogischen Fachkräften kümmert. Wenn Svenja von „meiner Familie“ spricht, dann meint sie ihre Wohngruppe. Hier erlebt sie, wie die anderen sieben Mädchen und zwei Buben der Gruppe, ein geregeltes Familienleben, Gemeinsamkeit und Fürsorge. Der große Wohnraum ist gemütlich ausgestattet. Es gibt einen Rückzugsort mit Sofa, der Fernseher wird nur am Abend eingeschaltet mit ausgesuchten Programmen.

In den Schlafzimmern, die jeweils zwei Kinder miteinander teilen, kommt die Individualität der jungen Bewohner zum Tragen. So gibt es im Kevins Schlafraum Fußballpokale und Sportaccessoires, im Schlafzimmer der Mädchen stehen zwei romantische Betten mit Eisenschnörkel am Kopf-und Fußteil, am Fenster hängen Vorhänge, auf denen lustige Herzen gedruckt sind.

Der Tag läuft ab wie in jeder normalen Familie mit Schule, gemeinsamem Essen, Hausaufgaben, Sport, Verein, eventuell Therapiestunden und einem gemütlichen Abend. „Die Kinder fühlen sich hier sehr wohl und entwickeln sich sehr positiv“, sagt Parstorfer. Der Aufenthalt in einer der Gruppen von St. Leonhard ist üblicherweise langfristig und dauert bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres. Danach ziehen die jungen Erwachsenen in das betreute Jugendwohnen St. Leonhard.

Der Tagessatz ist nicht ausreichend

Doch wie finanziert sich solch engagierte Jugendarbeit? Parstorfer erklärt: „Die Tages- und Wohngruppen werden über ein so genanntes Entgelt finanziert. Dies ist sein Tagessatz, den das Jugendamt pro Betreuungstag für ein Kind/Jugendlichen zahlt. Über dieses Entgelt werden alle Kosten unserer Einrichtung bestritten, also Personal, Instandhaltung, Strom, Wasser usw. In diesem Entgelt ebenfalls enthalten sind 770 Euro pro Kind, von dem Kleidung, Schulbedarf, zusätzlicher medizinischer Bedarf, Vereinsbeiträge, Schulausflüge und dergleichen bestritten werden sollen. Das sind nicht mal 65 Euro pro Monat und Kind. So viel kostet ein Paar Schuhe“, sagt Parstorfer und legt damit klar, dass mit dem Betrag von 770 Euro pro Kind im Jahr nicht einmal annähernd die Kosten bestritten werden können, die ein Schulkind im Wachstum, das außerdem traumatisiert ist, tatsächlich benötigt.

„Wissen Sie, wie schwer es ist, einem Kind abzuschlagen, dass es einen bestimmten Verein besuchen kann, oder einem traumatisierten Kind eine Therapie zu versagen, die ihm gut tun würde?“ fragte Parstorfer hypothetisch. Genau hier springt der Kinder-und Jugendförderverein St. Leonhard ein.

Allein im letzten Jahr hat der Verein das sozialpädagogische Zentrum St. Leonhard hat mit 44000 Euro unterstützt. Damit wurden Reittherapien finanziert, Vereinsmitgliedschaften, Spezialhörgeräte, Kleidung, Schulbedarf und -ausflüge, Nachhilfestunden, Möbeleinkäufe oder vielleicht auch mal ein Besuch auf der Dult – all das, was ohne die Hilfe des Vereins den Kindern verwehrt geblieben wäre. Für Josef Parstorfer ist der Förderverein ein großer Segen. Von der Stadt wünscht er sich dringend für „seine“ Kinder eine finanzielle Ausstattung, die der Realität angepasst ist.

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