Der Geschäftsführer der Heimat, Andreas Zorn: „Wenn eine Institution wie die Filmbühne so einfach dicht gemacht wird, geht natürlich die Existenzangst rum.“ Foto: Schleidgen
Von Dominik Schleidgen, MZ
Regensburg. Nach dem möglichen Aus der Alten Filmbühne ist eine weitere Szene-Kneipe in Regensburg von der Schließung bedroht: Macht die Filmbühne im Februar dicht, wird die Heimat aus ihrem Lokal im Taubengässchen ausziehen müssen. Die Räume an der Donau sind von den Betreibern der Filmbühne an die Heimat unterverpachtet worden. Muss die Filmbühne aus dem Keller unter dem „Haus der Begegnung“ ausziehen, wird sie voraussichtlich in das Lokal im Taubengässchen ausweichen.
Seit Februar 2008 betreibt Andreas Zorn gemeinsam mit drei Partnern die Heimat. Ihr Ziel sei gewesen, einen Laden zu eröffnen, in dem Musik abseits des Mainstreams gespielt werde – von Indie-Rock bis Electronic. Ihre Zielgruppe sei „studentisch und alternativ“. Der Geschäftsführer der Heimat macht seinen Verpächtern keinen Vorwurf: „Die Chefs der Filmbühne stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagt Zorn. Trotzdem will er das Aus seiner Kneipe nicht einfach hinnehmen. Seit knapp zwei Wochen beteiligt sich die Heimat an einer Petition zum Erhalt der Alten Filmbühne. Um die 2000 Unterschriften sind schon zusammengekommen. Inzwischen beteiligen sich auch fünf weitere unabhängige Gastronomien an der Aktion: das „Mood“, das „Mono“, „Franky’s Sportsbar“, das „Büro“ und das „Hab und Gut“.
„Die Existenzangst geht um“
„Wenn eine Institution wie die Filmbühne so einfach dicht gemacht wird, geht natürlich die Existenzangst rum“, sagt Zorn. Als „Institution“ bezeichnen auch die Vertreter der Studenten die Filmbühne. Der Studentische Konvent hat in einer Sitzung am Dienstagabend beschlossen, sich für den Erhalt der Kneipe einzusetzen. Die Alte Filmbühne sei eine der ältesten Institutionen des studentischen Lebens in Regensburg, heißt es in dem entsprechenden Antrag. Eine Schließung bedeute einen unwiederbringlichen Verlust für Regensburgs Charakter als Studentenstadt. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Universitätsleitung das studentische Gemeingefühl fördern wolle und gleichzeitig etablierte Orte studentischen Lebens schließe.
Die Chefin der Alten Filmbühne, Karin Griesbeck, sammelt Unterschriften gegen das Aus ihrer Kneipe. Foto: Schleidgen
Die Vertreter der Studenten kritisieren außerdem, dass die Universität jährlich auf fünfstellige Einnahmen verzichten würde. In den Gremien, in denen Vertreter der Studenten sitzen, sei das Auslaufen des Pachtvertrages nie thematisiert worden. „Wir fühlen uns übergangen“, sagt Daniel Gaittet, Referent für Hochschulpolitik. Diesen Vorwurf will die Universität nicht stehen lassen. Bei dem Pachtvertrag handele es sich um eine Liegenschaftsangelegenheit – und die würden nicht in Gremien diskutiert, in denen Vertreter der Studierenden anwesend sein. „Aber wir nehmen die Meinung unserer Studenten natürlich sehr ernst“, sagt der Sprecher der Universität, Alexander Schlaak. Sobald sich die Studierendenvertretung an die Uni-Leitung wende, werde das Thema diskutiert.
Unmut gibt es auch aus den Reihen früherer Studenten. In einer E-Mail an die MZ schreibt Veronika Bracks, Alumna der Universität Regensburg, die Uni habe eine soziale Verantwortung. Dazu gehöre auch die Bereitstellung sozialer Treffpunkte. „Die Filmbühne ist die Begegnungsstätte im ,Haus der Begegnung’“, sagt Bracks.
Wichtig für Erstsemester
Das Lokal sei ein Ort zum Knüpfen von Kontakten – und vor allem für Erstsemester wertvoll. Sie könne nicht verstehen, wieso der Pachtvertrag einer Kneipe, deren Gäste zum Großteil Studenten seien, nicht verlängert werde, sagt Bracks.
Die Unterstützer der Filmbühne fürchten mit dem Aus der Kneipe auch einen Verlust für die Regensburger Popkultur: Verschwindet die Filmbühne – und damit auch die Heimat – würde Regensburg auch eine Konzertbühne in der Stadt verlieren. In der Heimat treten auswärtige und lokale Bands auf. „Wir leisten damit einen Beitrag zur Außenwahrnehmung von Regensburg“, sagt Heimat-Chef Andreas Zorn. Die Konzerte in der Heimat würden regelmäßig in Fachmagazinen besprochen.
In der Reihe „Homegrown“ treten lokale Bands auf, die woanders keine Bühne finden. Für die Auftritte müssen die Gruppen nichts bezahlen: „Wir übernehmen Ton und Licht“, sagt Zorn. Wenn die Bands auf Eintrittsgelder verzichten, zahlt Heimat sogar die Gema-Gebühren. Für die Arbeitsstunden berechnen sich Zorn und seine Partner an diesen Abenden kein Gehalt. „Wir haben ja auch Spaß daran und helfen gerne, regionale Bands aufzubauen“, sagt Zorn.
Wechselwirkung belebt Kultur
Wenn in der Heimat für eine Gruppe mal kein Platz sei – sei es aus programmatischen oder zeitlichen Gründen – vermittele Zorn die Band an andere Veranstalter weiter. Solche Wechselwirkungen belebten die Pop-Kultur.
Der Chef der Heimat macht keinen Hehl daraus, dass es ihm auch um geschäftliche Interessen geht. Ein Umzug ist teuer – und es sei nicht garantiert, dass das Lokal an einem neuen Standort wieder genauso läuft. „Ein Laden entwickelt über die Jahre eine eigene Seele“, sagt Zorn. Im schlimmsten Fall seien irgendwann die Filmbühne und die Heimat verschwunden.