Jan Zander zeigt im Training eine Würgetechnik.
Von Christoph Hollender, MZ
Regensburg. Es ist ein heißer Junitag. Die Schweißtropfen auf der Stirn von Jan Zander glitzern in der stechenden Sonne. Er ist aufgeregt. „Ein wenig“, sagt er. Sportliche Anstrengung soll ihn in einigen Stunden noch mehr zum Schwitzen bringen. Der Regensburger ist unterwegs nach Augsburg, dort wird es sich entscheiden. „Sieg oder Niederlage“, eine andere Option kennt der 21-jährige Regensburger nicht.
Jan Zander ist leidenschaftlicher Kampfsportler. Doch alles andere als ein Kampfsportler aus der Klischeekiste, der auf einen anonymen Gegner einfach nur „eindrischt“, bis dieser auf die Bretter sinkt. Jan Zanders sportliche Leidenschaft nennt sich Brazilian Jiu-Jitsu und „nur wild rumprügeln ist hier nicht“, sagt er.
Der Weg nach Augsburg ist lange, zumindest fühle es sich sehr lange an, meint er. Die Hitze ist unausstehlich, die Temperaturanzeige des kleinen Pkws misst 31 Grad. „Die Chancen stehen gut“, sagt er selbstbewusst. „Heute ist mein großer Tag.“ Noch 20 Kilometer. Wird er den Titel des Süddeutschen Meisters heute noch nach Regensburg bringen?
Die Meisterschaft lockte Hunderte Kämpfer nach Augsburg zu dieser, sagen wir „nicht alltäglichen Kampfsportart“. Doch was ist dieses Brazilian Jiu-Jitsu eigentlich? „Es ist eine Sportart, die sich vor allem auf Bodenkampf konzentriert“, sagt der Regensburger Jan Zander.
Technische Raffinesse ist gefragt
In Fachkreisen spricht man von einer Weiterentwicklung der japanischen Kampfkunst Judo. „Eine Sportart, die von sehr viel Koordination und technischer Raffinesse lebt“, beteuern die Teamkollegen von Jan Zander. Die Sporthalle in Augsburg ist groß und hell, die Gegner sind ausgezeichnet trainiert und „heiß“.
Bald wird es sich zeigen, ob das monatelange Training Sinn hatte. In den schwarzen Kampfdress, ähnlich einem Judoanzug, ist Jan bereits geschlüpft. Seinen blauen Gürtel bindet er sorgfältig und mit einer bestimmten Technik um den Bauch und zieht ihn fest. Das wirkt fast schon wie ein Ritual.
Jan Zander zeigt im Training eine Hebeltechnik.
Zwei zarte Hände, die Finger rot lackiert, massieren ihm die Nackenregion. Freundin Hannah versucht den sichtlich nervösen Jan, dessen Stirn von Schweißtröpfchen nur so glänzt, zu entspannen. Sie betreibt selbst diese „ominöse“ Sportart, die in Deutschland noch nicht so lange ausgeübt wird.
Mit 22 souveräne Siegerin
Die Aufregung ihres Freundes kann Hannah Rauch (22) sehr gut nachvollziehen, denn das Ausnahmetalent hat schon zahlreiche Wettkämpfe absolviert und das mit großem Erfolg. Im Januar kämpfte die 22-jährige Regensburgerin auf der Europameisterschaft in Lissabon und belegte den dritten Platz. „Unfassbar“, meinte sie damals. Die Freude über diesen Erfolg, das Adrenalin und die Aufregung wird sie wohl niemals vergessen. Doch das ist nicht der einzige Spitzenplatz der jungen Frau. Vor zwei Jahren gewann sie die Deutsche Meisterschaft sehr souverän.
Auch für Jan ist es keine Premiere, „doch aufgeregt ist man immer“, sagen beide. Ein Gefühl, so versuchen sie es zu beschreiben, das aus Angst, Mut und Euphorie bestehe und den Hormonhaushalt ganz schön aus dem Konzept bringe. Beim Kampf selbst gewinnen dann beide ihre innere Ruhe wieder. Das muss auch sein, denn Brazilian Jiu-Jitsu verlangt hohe Konzentration.
Vor drei Jahren begann der sportliche Werdegang der jungen Leute. „Noch gar nicht so lange“, räumt Jan ein. Doch der Wille und die Begeisterung packten beide. „Ich war so begeistert von dieser Sportart“, erinnert sich Jan, „dass ich mit 18 Jahren davon träumte, diese selbst einmal zu unterrichten.“ In diesem Jahr wurde der Traum dann Realität. Er eröffnete sein eigenes Kampfstudio, Fight-Fusion, in dem er gemeinsam mit weiteren Trainern und mit Freundin Hannah Kinder und Erwachsene in die „seltene Kampfkunst“ einführt.
Wieso genau diese Sportart?, wird er häufig gefragt. „Dieser Sport baut viel mehr auf Technik als auf Kraft auf. Das ermöglicht es auch einem körperlich Unterlegenen, den Stärkeren zu bezwingen“, sagt Jan Zander zur Mittelbayerischen Zeitung.
Technik statt Kraft: Hannah Rauch zeigt, worauf es ankommt.
Können im Bodenkampf zählt
„Andere Kampfsportarten sind nur im Stand stark. Doch beim Brazilian Jiu-Jitsu kommt es auf das Können im Bodenkampf an, das reizte mich.“
Ob mit oder ohne Kampfanzug, die Technik spielt eine herausragende Rolle. Bestimmte Haltegriffe, Würger und Hebel bedürfen einer langen und harten Vorbereitung, „um national und international erfolgreich zu sein“. Und das intensive Kampfsporttraining zahlte sich für den Sportler letztendlich auch in Augsburg aus. Am Ende hieß es Platz eins. Jan Zander hat sich den Titel des Süddeutschen Meisters gesichert. Souverän. Um seine Stärke zu zeigen, bedarf es nur einer Aufforderung: „Auf den Boden, bitte!“