Der Mehlspeisen-König aus Karlsbad
Auf der Welt gibt es gibt nur den einen Dampfnudel-Uli. Die weißblaue Institution feiert am Donnerstag 70. Geburtstag – natürlich in der Backstube.
regensburg. Sie hieß Pim. Uli Deutzer kennt noch heute den Namen der thailändischen Bedienung, die er damals im alten Patrizierturm nach dem Besitzer fragte. „8 bis 8 Toastgrill“ hieß der modern totsanierte Schuppen. Ein mannshohes Weißbierglasmotiv schrie aus der grünen Ladentüre: „Trink mich!“
Aber er hat gespürt, endlich daheim und bei sich angekommen zu sein. Nach langen Reisen und harten Lehrjahren hatte Uli Deutzer den archimedischen Punkt gefunden, von dem aus er die Welt der Mehlspeisen aus den Angeln heben sollte. Privat war der 32-Jährige nach langer Odyssee im Hafen. Er war Schiffskonditor auf der MS Europa, machte Torten im Café Europa in Jesolo, verdingte sich bei den Besten der Welt: Confiserie Rottenhöfer, Confiserie Paul Reber, Feinkost Käfer. Nun wollte er nicht mehr nach fremden Pfeifen tanzen.
Zum Glück kam Werner A. Widmann
Der 5. Mai 1975 war ein Montag. An diesem profansten aller Tage weihte Uli Deutzer die Kapelle im Baumburger Turm der Dampfnudel. Der Dampfnudel-Uli war geboren. Er hatte sich selber geschaffen – als Gesamtkunstwerk. Eine Bank hatte ihm einen Kleinkredit über 10.000 Mark gegeben. Uli Deutzer musste dafür die sprichwörtlichen Hosen herunterlassen. Er bewies schon damals Sinn für skurrile Sprüche und Rituale: Die erste Dampfnudel beerdigte er sogleich und stellt sie seitdem in einem kleinen gläsernen Sarg aus.
Er hatte Glück, dass in diesem Sommer 1975 das zweite Regensburger Bürgerfest war. Den Kredit zahlte er danach auf einen Schlag zurück. Das zweite große Glück war, dass Fernsehmann Werner A. Widmann, Gott hab ihn selig, einen Narren an ihm und seinen Nudeln gefressen hatte. 1979 kam der Dampfnudel-Uli in „Zwischen Spessart und Karwendel“. Das war damals noch was, wenn ein Regensburger im Fernsehen war. Die Fernsehteams gaben sich fortan die Klinken in die Hand. Sein Gästebuch wuchs und wuchs im Dampf der Berühmtheit. Man könnte hier Spalten füllen. Geschäftlich hatte er Glück, „aber glücklich“, sagt der Dampfnudel-Uli, „war ich nie“. Die bittersüße Melancholie der Kreativen spricht hier aus ihm.





