Ein Stück Römermauer beim Theater
Bei Arbeiten der REWAG am Bismarckplatz sind Fundamente und Tafelkeramik ans Licht gekommen – ein Steinchen im Regensburger Geschichts-Puzzle.
Dr. Ralph Hempelmann von der Grabungsfirma ArcTron GmbH passt auf, dass keine archäologischen Funde zerstört werden. Fotos: ArcTron GmbH
Regensburg. Zwischen der Neuhausstraße und dem Bismarckplatz legt die REWAG für ihre Leitungen einen Versorgungsgraben an. Wie stets, wenn im geschichtsträchtigen Regensburg der Untergrund geöffnet wird, überwacht ein Archäologe die Maßnahme, da immer Überraschungen möglich sind.
Tatsächlich kam auch dieses Mal ein interessanter Fund zum Vorschein: 1,20 Meter unter der Teerdecke lagen Scherben römischer Tafelkeramik, die typische feuerrote Terra sigillata (versiegelte Irdenware). Darunter kam ein Mauerstück zum Vorschein.
Stadtarchäologe Dr. Lutz Dallmeier datiert das steinerne Eck auf das zweite bis vierte Jahrhundert. „Wir sind sicher, dass es sich um eine römische Mauer handelt, weil darüber römische Keramik lag“, sagte er zur MZ. Die Archäologen der Grabungsfirma ArcTron aus Altenthann tasteten sich chronologisch voran. Die Tafelkeramik datiere die Funde genauer.
Ein Fachmann wie Dr. Dallmeier kann aus dem kleinen Mauereck wichtige Erkenntnisse herauslesen. „Wir befinden uns innerhalb der Zivilsiedlung, die zum Legionslager Castra Regina gehört“, stellt er fest. Der Stadtarchäologe weiß, dass im Bereich des heutigen Bismarckplatzes eine mit Steinhäusern bebaute Siedlung lag. „Von so einem Haus haben wir einen winzigen Rest gefunden.“
Obwohl die Entdeckung nur zwei Meter lang ist, hält Dallmeier sie für wichtig, denn sie gehöre zum archäologischen Puzzle der Stadt, das nach und nach vervollständigt wird. „Die Archäologen wachen mit Argusaugen darüber, dass nichts zerstört wird“, erklärt der Archäologe.
Auch bei der Sanierung des nahen Velodroms und bei Arbeiten im Theater waren die Archäologen Ende der 90er-Jahre fündig geworden: Sie gruben eine römische Fußbodenheizung aus, die heute im Souterrain des Velodroms zu sehen ist, und im Theaterfoyer größere Abschnitte einer römischen Zivilsiedlung.
Dr. Dallmeier, der im Amt für Archiv- und Denkmalpflege tätig ist, will diese Ergebnisse nun mit dem neuen Fund vergleichen und Zusammenhänge herstellen.
In der römischen Zivilsiedlung lebten die Familien der im Castra Regina stationierten Soldaten und alle Dienstleister rund um die Legionäre: vom Waffenschmied bis zum Bordellwirt. 5500 römische Soldaten waren im 2. und 3. Jahrhundert an der Donau stationiert. Die Zahl der Angehörigen und Handwerker dürfte bei mehreren tausend Menschen gelegen haben, glauben die Archäologen.

