Regensburg 30.04.2010, 19:33 Uhr

Demo für Eisenberg

Ein Jahr nach den Todesschüssen von Steinweg demonstrierten am Freitag in Regensburg 300 vorwiegend junge Menschen.

Die Demonstranten forderten eine unabhängige Kontrollinstanz im Fall Eisenberg. Foto: Lösch

Die Demonstranten forderten eine unabhängige Kontrollinstanz im Fall Eisenberg. Foto: Lösch

Von Norbert Lösch, mz

Regensburg. Die Bilanz fiel knapp und sachlich aus: Es habe „keine besonderen Vorkommnisse“ bei der Demonstration anlässlich des ersten Todestags von Tennessee Eisenberg gegeben, sagte Polizeisprecher Michael Rebele. Am Freitagabend waren etwa 300 Menschen in einem Gedenkmarsch vom Dom zum Justizgebäude gezogen. Dort forderte der Veranstalter der Demonstration, Dr. Roland Weisser, eine „unabhängige Kontrollinstanz“ zur Aufklärung der Umstände, die vor genau einem Jahr zum gewaltsamen Tod des 24 Jahre alten Studenten geführt hatten.

Tennessee Eisenberg war am 30. April 2009 in einem Treppenhaus in Steinweg erschossen worden, nachdem er zunächst einen Mitbewohner und dann Polizisten mit einem Messer bedroht hatte. Zwölf Kugeln aus Dienstwaffen Regensburger Polizeibeamter hatten ihn tödlich getroffen. Der Fall erregt bis heute bundesweit Aufsehen und sorgte für Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit der Mittel bei diesem Polizeieinsatz. Nach der Einstellung der Ermittlungen wegen Totschlags gegen zwei Polizeibeamte haben die Hinterbliebenen von Eisenberg mittlerweile ein Klageerzwingungsverfahren beim Oberlandesgericht Nürnberg angestrengt.

Zentrale Forderung der Demonstranten am Freitag: Die Schaffung einer externen Kontrollinstanz, um Antworten auf die ihrer Ansicht nach immer noch bestehenden offenen Fragen rund um den Tod des Regensburger Studenten zu bekommen. Dr. Roland Weisser vom Arbeitskreis Zivilcourage an der Universität Regensburg sagte an die Adresse der bayerischen Justizministerin Beate Merk: „Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis Sie uns ernst nehmen“. Und auch bei Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der mittlerweile ein Offener Brief zugegangen sei, vermisst er Konsequenz: Während sie der katholischen Kirche das Recht zur internen Aufklärung (von Missbrauchsfällen) abspreche, tue sie das gegenüber Polizei und Justizapparat nicht.

 

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