Regensburg 17.05.2012, 11:35 Uhr

Hans Schaidinger wurde zum Phantom der Nacht

Ein intriganter Hartl und die drei Punkte des Joachim Wolbergs. Beim Derblecken bekamen Politiker ihr Fett weg.

Von Jürgen Scharf, MZ

Regensburg. Die Nebelmaschine spuckt Dampf, und dann tritt es auf, das Phantom der Nacht: Hans Schaidinger als Maskenmann. In einem ergreifenden Monolog beklagt sich das Stadtoberhaupt über die Ignoranten, Intriganten und Banausen, die alle seine Klasse und Größe nicht erkennen. Er, der einzig wahre Hans, opfere sich für sein Regensburg auf und erhalte keinen Lohn dafür. Doch er gibt nicht auf: „Das Joch der Pflicht, ich werd’ es tragen bis zuletzt.“

Bis zuletzt harrten auch die 300 Besucher in der Hubertushöhe am Dienstagabend aus: Minuten lang spendeten sie den Akteuren des Singspiels „Die Stuhlprobe“ und auch Wolfgang Krebs alias Dr. Edmund Stoiber, der zuvor die Leviten gelesen hatte, am Ende Applaus. Die Zuschauer waren begeistert vom Engagement der Darsteller und der feinen Beobachtungsgabe, mit welcher der Verfasser der Texte, Peter Kittel, die Stadtpolitik aufs Korn genommen hatte. Am Ende konnten auch die Derbleckten unterm Strich zufrieden sein. Kittel tastete sich bei seinen Gags durchaus an die Gürtellinie ran, radikal-satirische Tiefschläge gab es aber nur vereinzelt.

Wer darf nach Hans Schaidinger auf dem Sessel des Oberbürgermeisters Platz nehmen? Um diese Kernfrage hatte Kittel sein Singspiel aufgebaut. Natürlich waren alle potenziellen Kandidaten versammelt – und präsentierten sich mit all ihren Ticks.

Das „Unter uns g’sagt“ des Rieger Franzä (gespielt von Robert Paul) und die Drei-Punkte-Ansprachen von Joachim Wolbergs (Jason Dillig) dienten als doppelter roter Faden durch den Regensburger Politbetrieb. Unterhaltsam wurde Wolbergs’ Angewohnheit, seine Reden in Punkte zu untergliedern und dabei gerne auch in seine Kindheit zurückzublicken, aufs Korn genommen. Einflüsterter Norbert Hartl (Marcus Klare) hatte seine liebe Müh, seinem Ziehsohn diese Marotte wieder auszutreiben. Ein bisserl Intrigieren, das dürfe aber schon sein, das brauche es sogar, wenn man nach oben will, meinte der Norbert. Und noch wichtiger wäre diesem gewesen, dass sich der Wolli endlich mal auf den OB-Stuhl setzt, um zu sehen, ob er passt. Doch davor hatte Wolbergs genauso viel Skrupel wie Rieger. Ja, soll ich jetzt oder soll ich nicht...

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo