Highnoon am Hauptbahnhof
Es vergeht kein Wochenende ohne eine Schlägerei am Regensburger Bahnhof, sagt die Polizei. Ein Alkoholverbot wie in Nürnberg sei aber zwecklos.
Alkohol ist ein Dauerproblem am Regensburger Hauptbahnhof. Foto: Stefan Gruber
Regensburg. Die erste Arbeit, die die Mitarbeiterin von Christine Sitzberger am Sonntag um 8 Uhr im Blumengeschäft Sitzberger am Hauptbahnhof zu verrichten hatte, war nicht zumutbar. „An beiden Seiten, am Vordereingang und am Haupteingang, musste ich erst einmal aufwischen, bevor ich die Blumen rausstellen konnte. Nein, heute war es besonders schlimm.“
Der Regensburger Hauptbahnhof mit seinen Taxiständen und den nahezu 24 Stunden geöffneten Schnellrestaurants ist in den frühen Morgenstunden des Wochenendes ein Magnet für alle Betrunkenen der Stadt. „Es vergeht mittlerweile kein Wochenende ohne eine Schlägerei“, sagt der Hauptkommissar der Bundespolizei, Wolfgang Strahberger.
Der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft schob am Kirchweihwochenende mit einem Kollegen Streife am Regensburger Hauptbahnhof. In der Nacht auf Sonntag gerieten US-Boys und Männer, die auf dem Territorium des ehemaligen globalen Gegenspielers im Osten geboren wurden, aneinander. „Da reicht schon eine kleine Rempelei beim Burger King oder am Dönerstand“, dass die Fäuste fliegen, so Strahberger. Drei von zehn Gewalttdelikten, so die Erkenntnisse der Kriminologen, werden unter Alkoholeinfluss verübt.
Ein Alkoholverbot an Bahnhöfen findet Hauptkommissar Strahberger dennoch sinnlos. „Die Leute sind ja schon betrunken, wenn sie kommen.“ Den Nürnberger Hauptbahnhof kennt er auch von Einsätzen. Da sei die Situation eine völlig andere. „In der Halle Ost haben sich ja jedes Wochenende und vor jedem Feiertag 300 bis 500 Leute getroffen, um vorzuglühen.“ Dieses Wochenende schob die Deutsche Bahn AG erstmals einen Riegel vor. Freitags, samstags sowie direkt vor Feiertagen darf am Nürnberger Hauptbahnhof von 20 Uhr bis zum Folgetag um 6 Uhr kein Alkohol getrunken werden.
Am Regensburger Hauptbahnhof gebe es solche Entwicklungen nicht. Außerdem: „Um 1 Uhr ist der Bahnhof zu.“ Das Problem, so der Vertreter der Bundespolizei, seien die beiden im Bahnhof integrierten Restaurants mit ihren Ausnahmegenehmigungen. Am Wochenende hat der Dönerstand außer einer Putzpause um 5 Uhr 24 Stunden geöffnet, der Burgerking schließt um 3 Uhr. Wenn die dann vollbetrunken ankommen und sich am Bahnhof den Rest geben, reiche der kleinste Funken zur Explosion.
„Enthemmt und schmerzfrei“ charakterisiert Strahberger den Zustand der Klientel. Der Respekt gegenüber Polizeibeamten nehme in einem geradezu rasanten Galopp ab. „Wir haben eine Zunahme von körperlicher Gewalt gegenüber Polizisten, die ist nicht zehn Prozent, sondern beträgt 30 und 40 Prozent.“ Anspucken sei da noch gar nicht dabei.

