Eine aufwändig geschnitzte Holztür in der Dreieinigkeitskirche Foto: Stadt Regensburg
Von Marianne Sperb, MZ
Regensburg. Menschen bauen seit Urzeiten mit Holz. Aus Holz entstehen Häuer und Schiffe, Holz schmückt Räume, es gibt Bildern das Trägermaterial und in seiner lebendigen Form, als Bäume, bildet es unsere Parks. Der Tag des offenen Denkmals widmet sich heuer zum ersten Mal einem Baumaterial: Historische Zeugnisse aus Holz stehen am Sonntag (10 bis 17 Uhr) einen Tag lang im Mittelpunkt.
Bundesweit sind mehr als 7500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks für alle Kulturbegeisterten geöffnet, zentral koordiniert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn. Mehr als die Hälfte aller Veranstaltungen widmet sich dem diesjährigen Motto Holz. Zum ersten Mal steht ein Baumaterial im Mittelpunkt des Denkmaltags. Bei allen Veranstaltungen haben die Besucher die seltene Gelegenheit, aus erster Hand vor Ort Informationen zur Geschichte der Denkmale, zu ihrem Erhalt und zu ihren Besonderheiten zu erfahren.
Fachwerk ist in Regensburg rar, Ausnahme: die Keplerstraße 2
Regensburg bietet, fast schon traditionell, wieder eines der üppigsten Programme in Bayern. Zehntausende Menschen werden am Sonntag in der Welterbestadt imposante Dachstühle in Kirchen und Stadeln erkunden, denkmalgeschützte Baumveteranen bestaunen, mit Holz ausgekleidete Bohlenstuben und prachtvoll geschnitzte Türstöcke entdecken. Denkmalpfleger Dr. Eugen Trapp informiert im Vorfeld über Hintergründe und pickt ein paar Highlights heraus.
Regensburg ist eine steinerne Stadt – die erste nördlich der Alpen, die ein durchgängiges städtebauliches Profil aus Stein besitzt und in der nicht nur die Kirchen und das Rathaus aus Stein gebaut sind. Fachwerk hat sich hier seltener als anderswo erhalten. Eine Ausnahme ist das Haus Keplerstraße 2, das allerdings als einer der ältesten Fachwerkbauten Deutschlands gilt.
Eine neuartige Konstruktion erlaubte, Säle stützenfrei zu bauen
Vom Bauen mit Holz zeugen hier vor allem imposante Dachstühle. Das Alte Rathaus ist ein herausragendes Beispiel: Der Dachstuhl ist gleichzeitig der Deckenträger für den Reichssaal. Die Weite des rund 360 Quadratmeter großen Festsaals, 1320/1330 errichtet, unterbrach eine Reihe von Stützen – ein Mangel, den man beim Umbau 1446/1448 mit einem sensationellen Kniff tilgte: Die Decke wurde am Dach aufgehängt, ein Prinzip, das sich die Baumeister vom Dom abschauten.
Der imponierende Dachstuhl des Salzstadels an der Steinernen Brücke Foto: Stadt Regensburg
Vergleichbar ist der Dachstuhl der Dreieinigkeitskirche: Das Gotteshaus, in bitterster Not im 30-jährigen Krieg erbaut, sollte einer wachsenden Zahl von Protestanten das Wort Raum geben, um – sitzend – das Wort Gottes zu hören. Ein geräumiger, stützenfreier Saal musste her. Der Nürnberger Baumeister Johann Karl und sein Subunternehmer Lorenz Friedrich setzten, analog zum Reichssaal, eine Hängekonstruktion um. Auch das originale, außergewöhnlich schön geschnitzte Gestühl von 1630/1631 zählt zu den sehenswerten Beispielen für Denkmalgeschütztes aus Holz.
Der Dachstuhl des Salzstadels ragt über fünf Geschosse. Mächtige Eichenträger halten die frei sichtbare Konstruktion. Riesige Mengen des kostbaren Handelsgutes Salz lagerten hier. Nach den Salzspuren im Holz zu schließen, war das Depot wesentlich intensiver genutzt als der kurbairische Salzstadel vis-á-vis. Das könnte, sagt Eugen Trapp, ein Indiz dafür sein, dass der Andreasstadel etwas größer als nötig dimensioniert war – Imponiergehabe gegenüber der Freien Reichsstadt.
Der Gipfel der Behaglichkeit:
eine gute Stube ganz aus Holz
Bohlenstuben waren im Mittelalter der Gipfel der Behaglichkeit: beheizbar, anheimelnd, mit Schnitzereien, Intarsien und Malereien als „gute Stube“ geschmückt. Jedes anständige Haus besaß so eine Bohlenstube, einige sind am Denkmal-Sonntag zu besichtigen, etwa im Runtingerhaus, im Gravenreuther, im Keplerhaus und in der Kramgasse 8, einem Privathaus, das am Sonntag ausnahmsweise für Besucher öffnet.
Holz war nicht nur der Werkstoff der Baumeister, Ingenieure und Schreiner; Maler und Bildhauer nutzten es als Trägermaterial für ihre Kunst. Die Kirche St. Leonhard besitzt mit ihren gotischen Flügelaltären zwei bemerkenswerte Beispiele, ähnlich St. Anna in Prüfening mit seinen mittelalterlichen Altären und Skulpturen.
Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie klinkt sich heuer in den Denkmaltag ein und bietet einen Rundgang durch die Schausammlung. Zu entdecken sind unter anderem die bemalte Holzrelieftafel von Erich Buchholz und besonders schöne Holzrahmen, sinniger Titel: Titel „Von Hölzel bis Buchholz“.
Reichsstädtische Pracht: eine Kassettendecke im Alten Rathaus Foto: Stadt Regensburg
Das laufend aktualisierte Programm zum 9. September ist im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de einsehbar. Dort lassen sich alle geöffneten Denkmäler einer Region anzeigen, Denkmalkategorien suchen und über einen Merkzettel kann man sogar persönliche Denkmaltouren zusammenstellen.