Regensburg 19.10.2012, 17:09 Uhr

Römermauer gibt Rätsel auf

Beim Parkhaus-Neubau am Petersweg in Regensburg wurden antike Steine ausgebaggert. Die Stadtwerke sprechen von „losen Stücken“. Ein Experte glaubt das nicht.

Diese großen Steine wurden am Peterwegs ausgebaggert. Foto: Scharf

Diese großen Steine wurden am Peterwegs ausgebaggert. Foto: Scharf

Von Jürgen Scharf, MZ

Regensburg. Unermüdlich schaufeln die Bagger am Petersweg derzeit Erdreich für den Neubau des Parkhauses aus dem Boden heraus. Und wie so oft, wenn in der Regensburger Altstadt gebuddelt wird, werden Überreste der Antike freigelegt. Am Petersweg sind dies große Steine, die zweifelsfrei von der einstigen Mauer des Römerlagers in Regensburg stammen. Darin sind sich auch alle Beteiligten einig. Inwiefern diese denkmalgeschützt sein müssten, da gehen die Meinungen indes weit auseinander.

Ein Experte, der sich die Baustelle angeschaut hat, meldete sich bei der MZ. Er sagt, dass nach allem, was er von außen sehen kann, in der Baugrube eindeutig das Fundament der Römermauer zu erkennen sei. Die aus der Erde grob herausgebaggerten Steine gehören deswegen seiner Meinung nach zu einem zusammenhängenden Verbund. Kurzum: Ein Stück Römermauer, das durch die derzeitigen Baggerarbeiten beschädigt wird.

Bauherr des Parkhaus-Neubaus sind die Stadtwerke Regensburg. Deren Sprecher Ludwig Bergbauer bestätigte am Freitag der MZ, dass in der Tat etliche Steine aus der Römerzeit gefunden wurden. Diese würden allerdings nicht aus einem zusammenhängenden Bauwerk stammen. Es seien Einzelteile, die in dem Schutt lose herumliegen: „Wie es scheint, wurden sie schon mehrfach umgegraben.“ Die Steine seien in der Tat zum Teil von beeindruckenden Ausmaßen: „Einer ist etwa 1,30 Meter hoch“, erzählt Bergbauer.

Vor Baubeginn habe es eine Probebohrung gegeben. Weil hier nichts auf verschütte Denkmäler hingedeutet habe, wurde mit den Erdarbeiten begonnen. Dies verwundert den Experten, der sich bei der MZ gemeldet hatte: „Bei derartigen Funden ist es schlichtweg gang und gäbe, dass diese vor dem Bau vorsichtig freigelegt und wissenschaftlich untersucht werden.“ Warum dies hier nicht geschehen sei, könne er nicht nachvollziehen: „Die Steine werden durch den Bagger teils zerstört. Und die Reste will man dann wohl wieder zusammensetzen, oder wie?“, fragt er sich.

In der Tat werden die Steine, die möglicherweise einst aus einem Kalksteinbruch in der Kelheimer Gegend geholt wurden, derzeit gesammelt und demnächst auf den städtischen Bauhof abtransportiert, erklärt Bergbauer. Dort werden sie eingelagert. Was danach mit ihnen passiert, ist noch offen,

Klarheit in die Angelegenheit könnten die Fachstellen bringen. Laut Stadtwerke-Sprecher Bergbauer ist das Prozedere mit dem städtischen Amt für Denkmalpflege abgestimmt. Der Amtsleiter war am Freitag aber ebenso wie der zuständige Bodendenkmalspfleger nicht erreichbar.

 

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