Regensburg-Stadt 03.04.2013, 20:00 Uhr

Römischer Abwasserkanal entdeckt

In der Baugrube des ehemaligen Karmelitenhotels haben Archäologen die „Cloaca Maxima“ des Römerlagers gefunden. Auch Münzen und Gefäße legten sie frei.

180 Zentimeter tief soll der Graben laut Silvia Codreanu-Windauer gewesen sein. Foto: Haala

180 Zentimeter tief soll der Graben laut Silvia Codreanu-Windauer gewesen sein. Foto: Haala

Regensburg. Dass Erdschichten und Geschichten mehr gemeinsam haben als die letzten beiden Wortsilben, bewies Silvia Codreanu-Windauer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege am Mittwochnachmittag in der Baugrube des ehemaligen Karmeliten-Hotels. Nichts Geringeres als die Entdeckung der „Cloaca maxima“ verkündete sie während des Pressetermins vor der nördlichen Wand der Baugrube.

An dieser Stelle befand sich einst der östliche Rand des Römerlagers Castra Regina. Der größte Abwasserkanal des Kastells ist als Querschnitt am Rand der Baugrube zu sehen. Auf 180 Zentimeter Tiefe und 80 Zentimeter Breite beziffert ihn Codreanu-Windauer. Scharf zeichnet sich die Kante der Holzverschalung im Erdreich ab. Die Archäologin vermutet, dass der Graben in seiner Fortsetzung auf einen römischen Abwasserkanal trifft, der 1892 Unter den Schwibbögen entdeckt wurde. Er hätte ähnliche Ausmaße gehabt. Der Graben könnte das Abwasser der Römer entlang der Lager-Mauer und schließlich unter ihr hindurch direkt in die Donau geleitet haben. Da er sich im Lagerinneren befand, handelt es sich nicht um einen Wehrgraben, sondern wohl um einen großen Abwassergraben, erklärt Codreanu-Windauer.

Münzen, Geschirr und Muscheln

Doch der Kanal war nicht das Einzige, was die Archäologen seit Anfang November in Verzückung versetzte. Auch Münzen haben sie in der Erde gefunden: „Bei 45 habe ich aufgehört zu zählen“, sagt Grabungsleiter Friedrich Lorè. Diese können wertvolle Datierungshinweise liefern. Lorè hat sie entlang jeder Erdschicht gefunden, die ein ehemaliges Fußbodenniveau markiert.

Außerdem fanden die Archäologen Scherben, Teile von Gefäßwänden und Geschirrstücke der ehemaligen Bewohner. Einige von ihnen konnten Codreanu-Windauers Angaben zufolge auf das 7. oder 8. Jahrhundert datiert werden. Daher geht sie davon aus, dass der Graben auch im Mittelalter noch als Mulde zu sehen war, bevor er sich langsam verfüllte.

 

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