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Bürgerfest 2017
Freitag, 22. September 2017 21° 2

Feiern

Doch eine Bühne für die DJ-Kunst

Für das Bürgerfest ist endgültig klar: Es dürfen DJs auflegen und elektronische Musik spielen. Und die wird es auch geben.
von Mario Geisenhanslüke, MZ

  • Wie hier „Einmusik“ 2015 dürfen auf dem Bürgerfest auch 2017 DJs auflegen, die „künstlerisch tätig“ sind. Foto: Juri Lotz/altrofoto.de/Stadtmaus/Knott
  • Auf dem Bürgerfest stehen nicht nur Bands auf der Bühne. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Was ist Livemusik? Was ist Kunst? Und wo in diesen beiden Themenkomplexen gehören DJs hin? Für das Bürgerfest 2017 hat die Stadt Regensburg darauf nun eine Antwort gefunden. Denn die Verbannung von DJs hatte für viele Irritationen und großen Wirbel gesorgt. Wenige Monate vor dem 22. Regensburger Bürgerfest ist aber nun endgültig klar: Auf dem Fest vom 22. bis zum 25. Juni dürfen DJs auflegen, und es darf elektronische Musik gespielt werden.

Dies bestätige Kulturreferent Klemens Unger. In einem Gespräch mit mehreren DJs sei die umstrittene Richtlinie geändert worden. In der Leistungsbeschreibung war als nicht zugelassen vermerkt: „Musik von DJs“ – verbunden mit dem Passus „also auf Tonträgern gespeicherte Musik, die in einer individuellen Auswahl vor Publikum ohne ,handgemachte‘ Instrumentalbegleitung abgespielt wird“.

In der neuen Fassung klingt das nun ganz anders. Dort schreibt die Stadt: „Nicht zugelassen ist das reine Abspielen von ,Musik vom Band‘ (CD, MC, MP3-Player, Laptop, etc.) bzw. Musik nach rein vorgefertigten Playlisten, die ohne künstlerische Inszenierung, individuelle bzw. interaktive und direkte Einwirkung vor Publikum oder instrumentale bzw. vokale Begleitung abgespielt wird.“ Konkret werden außerdem „Live-Performances und Live-DJ-Sets – auch mit modernen elektronischen Mitteln – sowie das Abspielen von Musikstücken, die live für das Publikum zusammengestellt werden“ genannt. Diese seien „bei Einhaltung der Vorgaben willkommen“.

Einen Kommentar zum Thema von MZ-Redakteur Mario Geisenhanslüke lesen Sie hier:

Dieser Teil sei mit den beteiligten DJs neu formuliert worden. Unter „absoluter Übereinstimmung“ betont Unger. Der Kulturreferent fühlt sich missverstanden. Klar sei: Auf dem Bürgerfest, das heuer erstmals vier Tage dauert, solle es grundsätzlich nur Livemusik geben. Er sagt: „Wir wollen nicht, dass Musik einfach nur abgespielt wird. Diese Regel gab es immer und wird es immer geben.“ Es habe so vor allem verboten werden sollen, dass Musik aus der Konserve gespielt wird. Unger meint damit, dass zum Beispiel Standbetreiber ihren Bereich nicht etwa mit Radiomusik beschallen dürfen. Er sagt außerdem: „Wir wollen nicht den DJ haben, der nur mechanisch ein Lied nach dem anderen abspielt.“ Für DJs, die künstlerisch tätig seien, sei auf dem Bürgerfest sehr wohl Platz.

Anlass für die Diskussion war das Bürgerfest 2015. Denn sowohl am Neupfarrplatz als auch am Kassiansplatz wurde elektronische Musik von DJs aufgelegt. Dies kritisierten Platzbetreiber in der Bürgerfest-Nachbesprechung. Vor allem Getränkehändler Uwe Kabas, der die Bühne am Weinmarkt bespielte, äußerte sich damals deutlich. Das Programm auf der Bühne am Neupfarrplatz sei für ihn keine Livemusik gewesen. Er sagte: „Ich weiß nicht, warum das erlaubt wurde. Ich habe angesprochen, was das soll.“

„Wir wollen nicht den DJ haben, der nur mechanisch ein Lied nach dem anderen abspielt.“

Kulturreferent Klemens Unger

Für das Fest 2017 hat sich Kabas nicht mehr beworben und will sich zu dem Thema nicht mehr äußern. Die Entscheidung, nicht als Platzbetreiber zu agieren, habe aber nichts mit der Musik-Diskussion zu tun, sondern sei eine persönliche Entscheidung wegen des Arbeitsaufwands.

Das „Nein zur Elektromusik“ schlug hohe Wellen. Der Regensburger Produzent Markus Guenther schrieb sogar einen offenen Brief. Heute sagt Kulturreferent Unger, die Richtlinie sei falsch interpretiert worden. Auf die Frage, ob nun auch de facto auf einer Bürgerfest-Bühne nur ein einzelner DJ mit seinem Equipment stehen könne, antwortete Unger, dies sei möglich. Im Sommer klang das allerdings noch anders. Die Pressesprecherin der Stadt, Juliane von Roenne-Styra, sagte damals: „Auf dem Bürgerfest soll Livemusik ganz groß geschrieben werden. Die Stadt will also Menschen mit ihren Instrumenten auf der Bühne.“

Den Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Stadtmaus, Thomas Ruhfaß, freut die Richtungsänderung sehr. Er sagt: „Es wäre schön, wenn das so ist.“ Von der Änderung in der Richtlinie wusste er am Dienstag aber noch nichts. Er sagt: „DJ ist nicht gleich DJ. Wenn die Stadt einen Weg gefunden hat, dass zwei Plattenteller als Instrument zählen, wäre das gut.“ Und auch Karin Griesbeck von der Filmbühne, die damals leise Kritik geäußert hatte, zeigt sich zufrieden: „Ich war nie ein Gegner der DJs. Ich bin aber ein Gegner davon, dass irgendwelche Leute einfach Musik laufen lassen.“

Dass es auch in diesem Jahr wieder abends elektronische Musik am Neupfarrplatz geben wird, steht aber so oder so schon fest. „Wir planen etwas in die Richtung“, sagt Ruhfaß. Zusammen mit Discobetreiber Sascha Al Mahmoud entstehe gerade das Programm.

Und was unterscheidet nun einen „DJ, der künstlerisch tätig ist“ von einem DJ, der ein Lied nach dem anderen abspielt? Eine allgemeingültige Antwort darauf wird es wohl nie geben. Wenn sich jedoch jemand damit auskennt, ist das Andi Teichmann, die eine Hälfte der aus Regensburg stammenden DJ-Legenden „Gebrüder Teichmann“. Er vermutet, die Stadt habe die Komplexität des ganzen Themas möglicherweise unterschätzt. „Ich bin aber optimistisch, dass meine Ex-Heimatstadt da jetzt einen guten Weg findet“, sagt er. Und was macht für ihn einen echten DJ aus? „Es ist natürlich immer eine individuelle Herangehensweise. Mein persönlicher Antrieb ist, einen musikalischen Bogen zu spannen und so eine Geschichte zu erzählen.“

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Kommentar

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