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Benedikt XVI.
Sonntag, 21. Januar 2018 10

Menschen

Rupert Hofbauer: Mein Nachbar, der Papst

Der Brandmeister und der Professor haben 1970 gebaut. Zu Benedikts Geburtstag spricht sein Gärtner über 47 aufregende Jahre.
Von Helmut Wanner, MZ

Faszination Biene: Als Kardinal besuchte Prof. Joseph Ratzinger zweimal den Lehrgarten des Bienenvereins 1880 in der Wolfsteinerstraße am Ziegetsberg. Rechts: Rupert HofbauerFoto: Hofbauer

Pentling.Wenn Rupert Hofbauer (72) im Garten des Hauses Bergstraße 6, Pentling, Rasen mäht, kommt er in philosophisches Grübeln. „Rupert, was machst du da? Du bist im Garten vom Papst, Wahnsinn!“

„Gesundheit und ein ruhiges Leben hamma g’wünscht. Der Brief ist in Rom.“

Rupert und Therese Hofbauer

Und, Wahnsinn!, der spätere Papst war bei ihm im Garten des Bienenvereins 1880 in der Wolfsteinerstraße am Ziegetsberg. Wie man auf dem Foto sieht, das bei ihm daheim über der Küchentüre hängt, stand er im Garten neben den Goldruten und blickte verzaubert auf das Flugloch. Der Theologe interessierte sich sehr für das Leben der Biene, wird ihr Lob doch in jeder Osternacht im Exultet gesungen.

Als der weiße Rauch aufstieg

Der Garten war schon immer ein Traumort der Menschen. Für Rupert Hofbauer ist er sein Ereignisort. Er kam gerade aus Kardinal Ratzingers Garten vom Büsche-Schneiden und dem üblichen Frühjahrsputz, als in Rom der weiße Rauch aufstieg. „So“, hat er gesagt, „der Garten ist schon mal fertig, wenn die Reporter kommen.“ Er hatte schon so eine Ahnung.

Rupert Hofbauer blickt zurück auf 47 Jahre gute Nachbarschaft. Foto: Wanner

Noch heute will das Papsthaus den Hausmeister und seine Frau Therese (70) sehen. Darauf hat der Papst em. bestanden, als er sein Heim samt Garten der Stiftung vermachte – die drei Eiben, die Buche, die japanische Zierkirsche und den Nussbaum, um den der Hildegard-Verein ein rundes Sitzbankl hat schreinern lassen, das Therese Hofbauers Lieblingsplatz ist.

Die beiden haben den direkten Draht, seit sich der Professor und der Brandmeister 1970 als Nachbarn begrüßten. Der schön alternde Papst-Zerberus Gänswein mag Macht und Einfluss haben im Vatikan und seinen Gärten. Aber sein Nein gilt nicht für Hofbauer und die Pentlinger Gärten. Die Magnolie vorm Haus steht dort gerade in voller Blüte und die Felsenbirne auch. Aber Kater Chico ist tot, der war so frech und ist auf den berühmten Nussbaum-Schreibtisch gesprungen, an dem Prof. Joseph Ratzinger seine wichtigsten theologischen Schriften verfasst hat. Der Kater hatte eine magische Beziehung zum späteren Pontifex. Hofbauer: „Der hat ihn schon an der Türe erwartet“, erinnert sich Hofbauer.

Sehen Sie in unserer Bildergalerie das Leben von Papst Benedikt XVI.:

Das Leben von Papst Benedikt XVI.

Chico starb am 8. November 2012. Das Datum ist verbürgt. Eine Katzenskulptur blickt jetzt stellvertretend auf den Springbrunnen mit der Schutzmantelmadonna, beide Kunstwerke sind Kopien. Sie stammen aus der Werkstatt von Christine Stadler (1922 bis 2001). Am 13. September 2006 war der Besitzer des Hauses letztes Mal und sicher zum letzten Mal da. Für den Hausmeister war es der schönste Moment in der 46-jährigen Nachbarschaft in der Pentlinger Siedlung. „Wir standen am Gartenzaun, wir hatten ja als Hausmeister die einzigen Zugangskarten dafür. Meine Frau Therese war im Dirndl und ich in der Tracht. Und er geht auf mich zu, fasst meine Frau und mich unter und begrüßt mich. Vor all den Leuten.“ Hofbauer kann es immer noch nicht fassen: „Er sagte: Und auch noch in der schönen Lederhosen.“

Therese und Rupert Hofbauer 2005 bei der Amtseinführung

Rupert Hofbauers Augen glänzen. Er sitzt auf der Eckbank. Vom Küchenfenster aus kann er auf die Terrasse des Papsthauses schauen. Seine Therese sitzt ihm gegenüber und ist weniger euphorisch. Sie hebt die Mütze hoch, die sie auch in der Kuchl trägt. Nach der Chemo sind die Haare noch nicht nachgewachsen. 50 Jahre sind sie jetzt verheiratet.

Es ist ruhiger geworden am Mitterweg 1. Der Hausmeister des Papstes ist jetzt Hausmeister der Stiftung. Um den Geburtstag des „bayerischen Papstes“ flammt das Interesse kurzzeitig wieder auf. Therese Hofbauer würde gerne von Maria Ratzinger erzählen, dieser klugen, bescheidenen Frau, mit der sie sich so gut verstanden hat. „Aber das will niemand hören.“

Gute Ratschläge an den Professorenbruder: Maria Ratzinger am Gartentor

Haben sie zum 90. Geburtstag gratuliert? „Ja, schriftlich. Gesundheit und ein ruhiges Leben hamma gwünscht. Der Brief ist in Rom.“ Seine Heiligkeit wird wohl in seiner kleinen sparsamen Schrift für die lieben Glückwünsche danken und sein kleines Kreuz dahinter machen.

„Für die Schweizer Garde“, weiß Hofbauer, „ist Benedikt XVI. immer noch ihr Papst.“ Ob als Professor, ob als Kardinal, ob als Papst oder Papst em. – Benedikt XVI. ist für Hofbauer immer derselbe geblieben. Hofbauer weiß noch, wie er im Garten, Bergstraße 6, Pentling, selber den Elektro-Rasenmäher geschoben hat. Sie verbindet Stallgeruch, darf man das über einen ehemaligen Pontifex sagen? Leute aus einfachen Verhältnissen erkennen sich über den Talar hinweg.

Als Joseph Ratzinger 1969 nach Regensburg kam und 1970 sein Nachbar wurde, hat das zwar nicht sofort das Leben des Feuerwehrmanns grundlegend verändert. Aber wenn er jetzt die Zeit hätte, um ein Buch zu schreiben über sein Leben, würde er dem den Titel geben: „Hilfe, mein Nachbar ist Papst!“ Alarmbereitschaft war er zwar gewohnt. Aber seitdem hat er ein Handy, in das alle Polizeinummern gespeichert sind. Wenn er sie drückt, sind sofort alle da – auch der Staatsschutz. Polizei kommt besonders schnell in die Bergstraße. Beamte sind auch neugierige Menschen.

In Regensburg soll künftig ein Denkmal an den Papst-Besuch im Jahr 2006 erinnern. Hier lesen Sie mehr darüber.

2005 war die erste Flugreise

Dem Papst sei Dank hat Hofbauer seine Flugangst überwunden. „Ich wäre nie in ein Flugzeug gestiegen“, bekennt er. In diesem Jahr 2005 bestieg er es gleich zweimal. Im Frühjahr zur Amtseinführung und im Dezember zur ersten Privataudienz. Er stand an dem berühmten Fenster, das auf den Petersplatz runterschaut. Noch heute läuft ihm der Schauer über den Rücken, wenn er an die Frühmesse im Vatikan denkt. „Ich hatte furchtbares Herzklopfen: Die Kapellentür geht auf und der Papst steht in seinem weißen Gewand vor dir. Dann sagte er: Guten Morgen, Herr Hofbauer und ab da ging’s auch wieder.“

Seine Therese, die Frau mit dem grünen Daumen, ist von Talaren weniger zu beeindrucken. Sie begeisterte sich für den Bio-Bauernhof in Castel Gandolfo, der den Vatikan versorgt. „‘As Hennerhaus ist bunt verziert. Und d’Küah weiden zwischen de Olivenbäum’.“

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Maria Ratzinger

  • Maria Ratzingers

    Todestag am 2. November 1991 war ein fester Termin im Kalender von Therese und Rupert Hofbauer.

  • Solange

    Prof. Joseph Ratzinger noch Kardinal war, war Allerseelen Pflichttermin für ihn. Zusammen mit seinem Bruder Georg, dem Domkapellmeister, feierte er einen Gedenkgottesdienst und ging ans Grab der Schwester, in das auch die Eltern überführt wurden. Danach gab es immer ein Weißwurstessen in „Herrmanns Bürgerstuben“. Als Ratzinger Papst wurde, führte Georg Ratzinger diese Tradition weiter.

  • Das Verhältnis

    der Brüder zu ihrer älteren Schwester (geb. 1921) bezeichnen die Hofbauers als sehr gut. „Sie wurde geachtet und sehr geschätzt.“ Therese Hofbauer hat viel mit ihr beredet. Sie schildert Maria Ratzinger als nett und warmherzig, ordnungsliebend und pflichtbewusst. „Sie durfte zwar nicht studieren, war aber sehr gebildet.“

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