Regensburg 18.08.2009, 10:47 Uhr

Prälat Heinrich Wachter empört Gläubige mit seiner Sonntagspredigt

Eklat beim Familiengottesdienst in der Pfarrkirche Niedermünster: Der Präses der Marianischen Frauencongregation, Prälat Heinrich Wachter, empörte am Sonntagvormittag mit seiner Predigt einen Teil der Gottesdienstbesucher. 20 Gläubige – etwa ein Drittel der anwesenden Gemeinde – hätten noch während der Messe die Kirche verlassen, mindestens eine Frau sei in Tränen ausgebrochen, berichtet ein Regensburger Lehrer, der sich an die Mittelbayerische Zeitung gewandt hatte.

Der 40-Jährige (Name der Redaktion bekannt) spricht von einer „Kreuzzug-Predigt“ mit scharfer Kritik an der evangelischen Kirche, dem ehemaligen Landtagspräsidenten Alfons Glück samt Zentralkomitee der Katholiken, den deutschen Bischöfen und der Stadt Regensburg.

Prälat Wachter hatte am Sonntag die Urlaubsvertretung für Dompfarrer Harald Scharf übernommen. Gegenüber der MZ bestätigte er, in der etwa zehnminütigen Predigt „klar und deutlich“ Missstände angesprochen zu haben. Es seien nach seiner Beobachtung nur zwei Menschen gegangen.

„Das wirklich Außergewöhnliche an der Messe waren die aufsässigen Besucher“, sagte Wachter. „Sogenannte Besserwisser“ hätten ihm später vor der Kirche Vorwürfe gemacht. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich die Meinung des Papstes vertrete.“ Dieselbe Predigt habe er Ende vergangenen Jahres bereits im Nato-Hauptquartier in Brüssel gehalten. Dort habe niemand Anstoß genommen.

Wachter bestätigt folgende Predigtinhalte: „Die Ökumene wie sie heute betrieben wird, ist Augenwischerei.“ Die evangelische Kirche würde das gemeinsame Abendmahl thematisieren, obwohl sie selbst ständig neue Hürden aufbaue. „Wie können wir zusammenkommen, wenn sie geschiedene und wiederverheiratete Bischöfinnen haben?“ Der Prälat kritisierte zudem, dass Alois Glück im Zentralkomitee der deutschen Katholiken vertreten ist, obwohl er Mitglied bei Donum Vitae sei. Den Kardinälen Karl Lehmann und Walter Kasper attestierte er, Papst Benedikt in den Rücken gefallen zu sein, als dieser die evangelische Kirche als kirchliche Gemeinschaft und nicht als „Kirche im eigentlichen Sinn“ definiert habe.

Auch die Stadt Regensburg bekam ihr Fett weg, weil es hier bis heute weder ein Standbild für Benedikt XVI. gebe, noch ein Platz nach ihm benannt sei. Wachter sieht darin ein Zeichen mangelnder Wertschätzung. „Das einfache bayerische Volk hat echte Sympathien für den Papst, aber je weiter es in die Führung hinaufgeht – politisch und kirchlich – desto mehr nimmt die Zuneigung ab.“

 

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