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Finanznot

Der Reptilienzoo steht auf der Kippe

Alexander Stromski funkt SOS: Der Chef des Burgweintinger Zoos weiß nicht, wie er mit den Tieren über den Winter kommen soll.
Von Heinz Klein, MZ

  • Der Grüne Leguan Otto watschelt frei durch den Zoo und ist eine der Attraktionen. Muss er demnächst frieren?Foto: Klein
  • Knapp 8000 Besucher kamen 2013 in den Reptilienzoo. Foto: MZ-Archiv

Burgweinting.Der Winter ist für den Geschäftsführer des Burgweintinger Zoos jedes Mal zum Haareraufen, aber diesmal ist es besonders brenzlig. Schlangen mögen es 27 bis 30 Grad warm und deshalb muss Alexander Stromski für seinen Zoo Unsummen an Energiekosten berappen. Im vergangenen Jahr wurden für Strom und Öl stolze 23 704 Euro fällig.

„Ob die den Strom abdrehen?“

Derzeit schwappen im Tank des Zoos noch geschätzte bis erhoffte 4500 Liter Öl, doch das reicht höchstens bis Februar, sagt Stromski und erzählt weiter: Die Rewag bekommt für den gelieferten Strom eine monatliche Abschlagszahlung von 1700 Euro, doch die längst überfällige zusätzliche Stromnachzahlung in Höhe von 4500 Euro könne der Reptilienzoo derzeit nicht begleichen. Bis Ende Dezember habe die Rewag den Betrag noch gestundet, sagt Alexander Stromski und fragt sich bang: „Ob die mir nun den Strom abdrehen?“

Der Reptilienzoo und der von ihm getragene Verein für Herpetologie e.V. bekommen von der Stadt jährlich 1500 Euro aus dem Topf der freiwilligen Leistungen. Das war nicht immer so. Unter dem ehemaligen Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher hatte die Stadt 80 Prozent der jährlichen Stromrechnung von 50 000 Mark bezahlt. Die Nachfolgerin Christa Meier rückte für den Zoo keinen Pfennig heraus, danach flossen wieder Zuschüsse. Doch als dann der damalige Kulturreferent Dr. Egon Greipl dem entsetzten Zoodirektor erklärte, sein Zoo habe nichts mit Kultur zu tun und deshalb werde jeglicher Zuschuss komplett gestrichen, da war Alexander Stromski für Momente wohl genauso giftig wie seine Giftschlangen.

Die Stadt hilft, aber nicht unendlich

Mit der Bitte um verstärkte finanzielle Unterstützung von seiten der Stadt wurden Stromski und seine rechte Hand, der Tierfilmer Markus Schmidbauer, nun bei Dr. Hermann Hage vorstellig. Der Referent für Bildung, Sport und Freizeit signalisierte Unterstützung und so wurde im neuen Haushalt dem notleidenden Reptilienzoo für das Jahr 2015 eine Erhöhung der freiwilligen Leistungen von 1500 auf 4500 Euro eingeräumt. „Der Haushalt ist vom Stadtrat verabschiedet. Wenn er auch von der Regierung der Oberpfalz genehmigt worden ist, kann das Geld ausbezahlt werden“, sagte Dr. Hage auf Anfrage der MZ.

Doch damit, so meint der Zoo-Chef, komme man nicht über den Berg. Um fällige Rechnungen zu begleichen, überfällige Reperaturen zu erledigen und die gesamte Einrichtung wieder attraktiver zu gestalten, soll die Stadt den Reptilienfreunden mit 10 000 Euro unter die Arme greifen. Um in dieser Angelegenheit Relationen herzustellen, nennt Dr. Hage eine andere Zahl. Die beiden großen konfessionellen Bildungseinrichtungen, das Evangelische Bildungswerk und die Katholische Erwachsenenbildung, erhalten zusammen im Jahr 15 000 Euro aus dem Topf der freiwilligen kommunalen Leistungen.

Auch Stromskis Argument, Einrichtungen wie der private Reptilienzoo könnten ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand nicht überleben, greift nicht so ganz. Auf Nachfrage der MZ erklärt Erika Klemisch, die seit 1995 den privaten Vogelpark Abensberg betreibt: „Ich habe in all den Jahren noch nie einen roten Heller an Unterstützung gesehen.“ Der Vogelpark mit etwa 150 bis 200 Tieren trage sich ohne Zuschüsse, ohne Sponsoren und ohne Patenschaften alleine durch die Eintrittspreise. Ähnliches berichtet die Betreiberin des Reptilienzoos in Königswinter bei Bonn. Keinen Cent habe der Familienbetrieb all die Jahre von der Kommune an Zuschüssen erhalten, sagt Zoochefin Marlies Blumenthal. Allerdings sei der Zoobesuch kombiniert mit dem Eintritt in die Nibelungenhalle und den Drachenfelsen von nebenan. Das bringe dem „Zoo mit den echten Drachen“ (zwölf Krokodile) jährlich 50 000 Besucher. Davon könne die Einrichtung leben.

Rewag verhandelt über Stundung

Von 50 000 Besuchern kann Alexander Stromski mit seinem Reptilienzoo nur träumen. In guten Zeiten waren es mal 15 000 Zoobesucher, im vergangenen Jahr knapp 8000, aber immerhin wieder 1000 mehr als noch 2012. Das Team der Herpetologen, das den Zoo 1978 aus der Taufe hob, gehörte zu den ersten, denen es gelang, so ziemlich alle gehaltenen Arten zur Nachzucht zu bringen. Inzwischen können das viele und weil in Bayern die private Haltung von Giftschlangen weitgehend verboten ist, brach die Nachfrage zusammen. Dafür stieg der Ölpreis und nun fragt sich Alexander Stromski, ob seine Schlangen in diesem Winter erfrieren müssen? Müssen sie nicht. Die Rewag werde sich mit Stromski in Verbindung setzen, um im Rahmen der ganz normalen und üblichen Möglichkeiten einer Stundung eine Vereinbarung zu treffen, sagte Pressesprecher Nikolaus Sackersdorff. Den Öltank bekommt Stromski damit freilich nicht voll. Und so muss der Zoodirektor vorerst weiter zittern.

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