mz_logo

Stadtteile
Dienstag, 26. September 2017 19° 5

Theater

Die „Sache Luther“ steht vor Gericht

Die Neutraublingerin Sabine Hrach hat ein Stück zum Reformationsjahr geschrieben. Weggefährten verteidigen den Theologen.
Von Michael Jaumann, MZ

Vor Gericht zerrt Johannes Eck die Causa Luther. Vor allem Frauen bieten dem aufbrausenden Ankläger im Gerichtssaal Paroli. Plakat: EigenArt

Neutraubling.Auf eine schwindelerregende Zeitreise über 500 Jahre hinweg wollen Sabine Hrach und das Theaterensemble EigenArt ihre Zuschauer entführen. In einer Weltpremiere wird unter dem Dauerfeuer des cholerischen Anklägers Johannes Eck, der 500 Jahre auf seine Chance gewartet hat, vor Gericht die Sache Martin Luther verhandelt. Ketzerei, Anzetteln eines Volksaufstands, Entführung, Kuppelei, Betrug und Sachbeschädigung wirft Eck dem Glaubensreformator unter anderem vor.

Luther selbst wird in dem Theaterstück nicht vorkommen. Es sind vor allem die Frauen, die in der Reformationszeit plötzlich in der Theologie eine Rolle spielten, die Luther vor den Angriffen in Schutz nehmen – die selbstbewusste Argula von Grumbach aus Beratzhausen, die lebenserfahrene Malergattin Barbara Cranach, die sanfte Adlige Ave von Schönfeld und die ruhige Katharina von Bora, wie Schönfeld eine entflohene Ordensschwester, die mit 26 Jahren Martin Luther heiratete.

Die Pfarrerin gab den Anstoß

Geschrieben hat das Stück ein alter Theaterhase: die Neutraublingerin Sabine Hrach, die in den Gruppen Theatraubling und Art dente spielte und Regie führte, die die Schultheatergruppe an der Realschule Obertraubling gründete und vor zwei Jahren das Ensemble EigenArt ins Leben rief, in dem unter anderem ehemalige Schüler von ihr mitspielen.

Für Proben und Aufführungen darf EigenArt Räume in der Burgweintinger Kirche Maria Magdalena nutzen. Und deren Pfarrerin gab vor zwei Jahren den Anstoß zur Produktion von der „Gerichtssache Luther“. Schon seit langem erarbeiten die evangelischen Gemeinden Beiträge zum Reformationsjahr 2017, in dem sich heuer die Veröffentlichung der Wittenberger Thesen Martin Luthers zum 500. Mal jährt. Dieser theologische Paukenschlag löste die Glaubensreformation der christlichen Kirche aus.

Statt Vorträge oder Lesungen zu organisieren, schwebte Pfarrerin Dr. Barbara Mayer-Schärtel ein Theaterstück mit EigenArt in den Gemeinderäumen vor. Und sie hatte auch einen ganz eigenen Akzent, der im Stück zum Tragen kommen sollte. Die Frauen der Reformation wollte sie zusammen mit Vikarin Nadine Schneider herausgestellt haben. Dass sich eine Frau wie Argula von Grumbach im 16. Jahrhundert mit Schriften in die Theologie einbringt, das sei schon etwas ganz Besonderes. Und es sei bei den Männern auch nicht unbedingt auf Gefallen gestoßen, erklärt Mayer-Schärtel.

Sabine Hrach reizten Stoff und Schwerpunkt und sie sagte zu. Stückeschreiben ist sie gewohnt. Für die Theatergruppe an der Realschule entwarf sie zweimal im Jahr ein neues Stück. Ein Bühnenwerk wie die „Gerichtssache Luther“, das mit 90 bis 100 Minuten Länge aber ein abendfüllender Stoff ist, hatte sie jedoch zuvor nie geschrieben.

Und noch eins war anders. Während sie beim Schülertheater das Stück schon auf bestimmte Schauspieler hin anlegte, sollten es diesmal die zehn Figuren im Stück selbst sein, die ein Eigenleben entwickeln und für die es im Ensemble galt, Schauspieler zu überzeugen.

„Die Leute werden sich auf die Zeitreise einlassen“.

Autorin Sabine Hrach

Die Autorin hat historisch sauber gearbeitet. Dafür steht auch die Pfarrerin als Garant, die die Texte während des Entstehens auf historische und theologische Stimmigkeit prüfte. Sabine Hrach wollte aber kein dröges Historienstück. Da sollte Humor, Skurrilität, Ernst und Pep hinein, damit auch junge Leute sich als Schauspieler und Zuschauer dafür interessieren. Und es sollte in einem Kirchenraum spielbar sein, also mit wenig Requisiten oder Kulissen auskommen.

Ein Ende mit Paukenschlag

So spielt das Stück nun in einem Gerichtssaal, in dem drei Ebenen zusammenkommen: die historischen Figuren sowie die Gerichtsszenerie, in der der Ankläger ständig das Feuer schürt und als dritte Ebene ein Pärchen, das sich unter die Zuschauer mischt und das Geschehen kommentiert. Das Pärchen, laut Hrach „Er eher ein Dödel, während Sie die Hosen anhat“, darf in flapsigen Kommentaren das sagen, was beim Zuhören auch dem Zuschauer durch den Kopf gehen mag.

Die Proben haben in dieser Woche begonnen. Veronika Isele (links) führt zusammen mit Sabine Hrach Regie. Foto: Hrach

Moderne, Abstraktion und Historie sollen zusammen stufenweise in Luthers Leben führen, ohne dass es sich hier um ein Historienspiel handelt. „Die Leute werden sich auf die Zeitreise einlassen“, ist die Autorin überzeugt. Und sie verspricht ein Ende „mit einem Paukenschlag, der zum Lachen und Nachdenken animieren soll“. Am Montag hat sie zusammen mit Co-Regisseurin Veronika Isele mit den Proben begonnen. Premiere wird am 1. April um 19.30 Uhr in der Kirche Maria Magdalena sein. Drei öffentliche Vorstellungen soll es dort geben.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht