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Bluttat

Das Opfer starb an Kopfverletzungen

Im Fall der Toten im Regensburger Osten liefert die Obduktion Hinweise. Gegen einen Bekannten wurde Haftbefehl erlassen.
Von Norbert Lösch, MZ

Die Bluttat vom Sonntag soll sich in diesem Bungalow-Viertel in der Schöneberger Straße zugetragen haben. Der 41 Jahre alte Bekannte des Opfers sitzt seit Montagabend in Haft.Foto: mds

Regensburg.Die am Sonntagmorgen tot in einem Wohnhaus im Stadtosten aufgefundene Frau ist offenbar an schweren Schädelverletzungen gestorben. Das ist das Ergebnis einer Obduktion, wie das Polizeipräsidium am Montagnachmittag mitteilte. Hintergründe der mittlerweile als Tötungsdelikt eingestuften Bluttat bleiben allerdings weitgehend unklar.

Wie berichtet, war kurz nach dem Auffinden der Leiche noch am Tatort der 41 Jahre alte Bekannte der Frau festgenommen worden. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich das Geschehen in einem Bungalow-Viertel in der Schöneberger Straße, unweit der Autobahn A3, abgespielt.

Schweigt der Tatverdächtige?

Ob der Tatverdächtige schweigt oder sich zum Hergang geäußert hat, dazu machte Albert Brück von der Pressestelle des Polizeipräsidiums am Montagnachmittag keine Angaben. Auch die Frage, aus welchem Grund sowohl der Festgenommene als auch das Opfer „polizeibekannt“ gewesen sein sollen und in welcher Beziehung die beiden standen, ließ Brück mit Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen unbeantwortet.

Fest steht laut dem Polizeisprecher, dass die 43-jährige Frau in der Nacht zum Sonntag gestorben ist. Gegen 5.30 Uhr war bei der Polizeieinsatzzentrale ein Hinweis auf eine leblose Frau in einem Wohnhaus im Stadtosten eingegangen. Ein Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen.

Fest steht wohl auch, dass Ermittler und Staatsanwaltschaft am Tatort kein eindeutiges Spurenbild vorgefunden haben. Auch deswegen war eine Rechtsmedizinerin aus Erlangen vor Ort, anstatt – wie meist üblich – die Leiche zur Obduktion in das Institut in Mittelfranken überführen zu lassen.

Unterstützt wurden die Ermittler der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg auch von Kollegen des Landeskriminalamts. Diese setzten am Tatort einen sogenannten 3-D-Scanner ein. „Das ist eine Kamera, die dreidimensionale, hochauflösende Komplettbilder des Raums liefert, in dem die Leiche aufgefunden wurde“, sagte Albert Brück am Montag unserer Zeitung. Damit könne man die Auffindesituation dokumentieren und für weitere Ermittlungen oder ein mögliches späteres Gerichtsverfahren konservieren.

Ermittelt wurde von Anfang an wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt. „Das Opfer wies Verletzungen auf, die von einer Gewalttat stammen können“, hatte Polizeisprecher Brück bereits am Sonntag mitgeteilt. Bis am Montagnachmittag das Obduktionsergebnis vorlag, wollte sich die Polizei allerdings nicht festlegen und schloss auch einen Unfall als mögliche Todesursache nicht aus. „Ein Sturz etwa liegt nach wie vor im Bereich des Möglichen“, sagte Brück unmittelbar vor dem klärenden Befund. „Die Untersuchung des Leichnams am rechtsmedizinischen Institut in Erlangen ergab in einem vorläufigen Ergebnis, dass die 43-jährige Frau aufgrund von Kopfverletzungen zu Tode kam“, teilte das Polizeipräsidium dann am Montagabend mit.

Haftbefehl wegen Totschlags

Dieses Ergebnis und weitere Erkenntnisse führten noch am Montagnachmittag dazu, dass die Staatsanwaltschaft in Abstimmung mit der Kriminalpolizeiinspektion Haftantrag gegen den 41-jährigen Bekannten der Getöteten stellte. Der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Regensburg folgte dem Haftantrag und erließ Haftbefehl wegen Totschlags gegen den Festgenommenen. Der 41-Jährige Mann wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Anwohner berichteten, dass die getötete Frau eine Tochter hinterlässt. Zwischen dem Paar habe es schon häufiger handfesten Streit gegeben, sagte eine Frau, und ihr Nachbar bestätigte, dass es offenbar schon länger Probleme gab. Eine weitere Nachbarin sagte am Montagabend, sie habe sich angesichts des mehrfach beobachteten Einsatzes von Polizei und Rettungsdienst „gewundert, dass das Kind unter solchen Umständen im Haus bleiben darf“.

Dass durch die Bluttat ein Kind seine Mutter verloren hat, darauf wiesen am Montag auch ein Teddy, Grablichter und Blumen vor einer Haustür in der Schöneberger Straße hin.

Die Serie von Gewalttaten gegen Frauen in Regensburg reißt nicht ab. Lesen Sie hier mehr:

Die in der Nacht zum vergangenen Sonntag ums Leben gekommene 43-Jährige ist heuer bereits das dritte weibliche Todesopfer. Ende Mai dieses Jahres waren innerhalb einer Woche gleich zwei Frauen einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Im ersten Fall handelt es sich offenbar um das tragische Ende einer komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung in der Konradsiedlung. Einer 50-Jährigen wird vorgeworfen, am 24. Mai in der Schlettstädter Straße ihre 73-jährige Mutter umgebracht zu haben. Die mutmaßliche Täterin hatte die Tötung selbst angezeigt und wurde zunächst per Unterbringungsbefehl ins Bezirksklinikum eingewiesen. Die Seniorin wurde offenbar erschlagen; die Polizei spricht von „stumpfer Gewalteinwirkung“.

Eine ähnliche Todesursache liegt im zweiten Fall vor, der sich nur wenige Tage später, am 28. Mai, ereignete.

In einem Reihenhaus zwischen Konradsiedlung und Sallerner Berg hatte ein 45-Jähriger seine acht Jahre jüngere Ehefrau getötet. Zumindest machte er dieses Geständnis gegenüber dem Ermittlungsrichter. Auch in diesem Fall hatte der mutmaßliche Täter das Personal einer Regensburger Klinik über das Tötungsdelikt informiert.

Weitere Bluttaten liegen schon etwas länger zurück, waren aber nicht weniger spektakulär. Für Aufsehen sorgte ein Verbrechen im Villenviertel um die Seidenplantage. Ein 35-Jähriger hatte im November 2015 seine Lebensgefährtin auf den Winzerer Höhen mit einem schweren Eisenriegel erschlagen. Im April wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Im Mai 2014 schlitzte ein schizophrener 21-Jähriger seiner Mutter (56) den Hals auf. Er glaubte, sie sei vom Teufel besessen. Der junge Mann beging den Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit und bleibt in der Psychiatrie.

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