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Montag, 11. Dezember 2017 4

Kirche

Die öde Einhausung wird bunt

Seit 2015 verbirgt ein Bretterverschlag den Südturm. Nun wollen Bauamt und Domkapitel die Fläche für ein Erklärstück nutzen.
Von Helmut Wanner

Seit zwei Jahren schützt diese öde Einhausung Passanten vor herabstürzenden Teilen des Südturms. 2018 wird sie mit Bannern verkleidet. Foto: Wanner

Regensburg.Zum Papstbesuch war sie kurzzeitig ohne Gerüst. Seit zwei Jahren ist die Westseite des Doms wieder eingerüstet und sie wird es auch noch Jahre bleiben. Grund ist die Angst vor herabstürzenden Gebäudeteilen. „Da die Haarrisse an den vier etwa 18 Meter hohen Hauptfialen um den Südturm großflächig auftreten, muss von einer größeren Schädigung im Steininnern mit der Gefahr von Absprengungen ausgegangen werden“, hieß es 2015 in einer Presseerklärung des Staatlichen Bauamts.

Deshalb gibt es jetzt also die Einhausung. Deren Deckel soll Passanten vor Steinschlag schützen. Das Gerüst wird nach Auskunft von Ulrike Paulik vom Staatlichen Hochbauamt noch einige Jahre bleiben. Aber kann man die Fläche in der Zwischenzeit nicht nutzen? Leser regten zum Beispiel Botschaften an, passend zum Kirchenjahr. Ähnliches gab es ja schon. Zum Beispiel bei der Sanierung der Steinernen Brücke. Das Gerüst am nördlichen Brückenfuß war damals mit einem großen Banner verkleidet worden, das eine historische Aufnahme der Steinernen Brücke zeigte. 2012 hatten auch drei überdimensionale „fliegende Domspatzen“ die Fassade der Ulrichskirche verschönt.

Menschen neugierig machen

Der damalige Diözesanadministrator Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner zeigte sich damals begeistert von der Idee, auf diese besondere Weise das zeitlich begrenzt aufgestellte Gerüst zu nutzen: „Hier wurde eine wunderbare Möglichkeit geschaffen, die Aufmerksamkeit der Leute auf die Domspatzen zu lenken und die Menschen zur Neugierde anzuregen.“

Die ewige Baustelle Dom

  • Optik:

    Jahrzehnte hat Regensburg darauf gewartet, dass das wunderschöne Westportal endlich offen ist. Jetzt steht wieder ein Zaun davor. Die Gefahr besteht darin, dass die Steine aus großer Höhe fallen.

  • Finanzierung:

    Die „ewige Baustelle“ wird auf Kosten des Freistaats Bayern, der Inhaber des Doms ist saniert. Das Bayerische Kultusministerium hat seine Unterstützung für die nötigen Sanierungsarbeiten zugesichert.

  • Die Kosten:

    Diese kann man auch heute noch nicht abschätzen. Für die Finanzierung wird eine entsprechende Lösung gefunden. Es ist ein Kernanliegen Bayerns, den Dom in seiner Besonderheit zu erhalten.

In der Tat wird Ähnliches wieder so geplant. Ulrike Paulik vom Staatlichen Bauamt bestätigte auf Anfrage: „Da wird‘s was geben.“ Die Rede ist von einem bebilderten Erklärstück. Darauf sollen Hüttenmeister Helmut Stuhlfelder und seine Männer Passanten aus nah und fern sagen, warum diese Baustelle eigentlich eingerichtet wurde. Auf Bannern wird auch der Grund benannt, warum sich Steinteile lösen können. Bei der letzten Sanierung der Fialen im Jahr 1902 wurden Eisendübel und -klammern verwendet. Weil Sandstein wasserdurchlässig ist, rosten diese Metallteile. Der Rost vergrößert das Volumen der Eisenverbindungen auf das bis zu Neunfache – mit fatalen Folgen: Die Dübel sprengen den Stein regelrecht, die Haarrisse sind erste Anzeichen dafür. Bei den Klammern ist es umgekehrt: Sie „quetschen“ den Stein und zerbröseln ihn mit der Zeit. Der obere Teil einer Steinverbindung verliert so den Halt und kann kippen.

„Da reicht es vielleicht schon, wenn sich eine Taube draufsetzt.“

Helmut Stuhlfelder.

Im sogenannten Fußgängertunnel will das Bistum eine „Timeline“ über den Bau der Kathedrale darstellen, bestätigte Hagen Horoba, Leiter „Domplatz 5“. Mit der Verwirklichung dieser Ideen kann aber nicht vor Frühjahr 2018 gerechnet werden. Gremien mussten gehört werden. Das Projekt ist seit Monaten im Gespräch.

Die Westfassade 2015 vor der Einhausung des Südturms. Foto: Lösch

Auf nächstes Jahr vertagt

„Das Ergebnis muss noch abgestimmt werden“, sagte Baurätin Paulik auf Nachfrage. Ein Termin sei erst im kommenden Jahr möglich, meint sie. Danach müssten die entsprechenden Entwürfe gedruckt werden.

Bis dies soweit ist, nutzt das Ordinariat einen Teil der fast 50 Meter langen Bretterwand, um auf einem farbenfrohen Banner die Advents-Gottesdienste im Dom und in der Altstadt anzukündigen. Das Motto lautet: „Mit Engels- und Menschenzungen.“

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