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Dienstag, 30. Mai 2017 30° 8

Abfall

Eine Flut an Bedenken zur Biotonne

Der Umweltausschuss hat die Einführung auf den Weg gebracht. Zur konkreten Ausgestaltung werden die Regensburger befragt.
Von Heike Haala, MZ

Ob einmal Biotonnen wie diese auch in der Regensburger Altstadt im Abstand von einhundert Metern stehen werden, ist momentan noch vollkommen offen. Foto: Wiedamann

Regensburg.Ratten, Gestank, Vandalismus – die Stadträte im Umweltausschuss fühlten dem Thema Biotonne am Mittwochabend ordentlich auf den Zahn. Auch wenn die Fragerunde vor der Entscheidung rund eineinhalb Stunden dauerte, Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne) bedankte sich zuletzt bei den Stadträten dafür, dass sie so viele Themen zur Sprache gebracht hatten. Eine sarkastische Bemerkung zum Verlauf der Debatte konnte er sich aber nicht verkneifen: „Jetzt sind Sie alle wahre Mülldiplomaten und können den Bürgern in der Stadt erklären, was es mit dem Thema auf sich hat.“

Dann beauftragten die Stadträte die Verwaltung damit, die Einführung einer Variante der Biotonne vorzubereiten, bei der die Regensburger ihren Bioabfall zu einem auf öffentlichem oder privatem Grund aufgestellten Behälter bringen müssen – gegen die Stimmen der CSU und der Stadträtin Irmgard Freihoffer (Linke).

Allerdings hatte Huber die Vorlage vor dem Beschluss noch einmal ändern lassen. Am Freitag veröffentlichte die Stadt ein Beschlusspapier auf ihrer Homepage, in der lediglich stand, dass an 2100 Stellplätzen im gesamten Stadtgebiet Biotonnen aufgestellt werden sollen – alle 100 Meter eine. Wie dies genau ablaufen soll, dazu gibt es in der beschlossenen Variante der Vorlage nun noch einige Konkretisierungen.

Bürger werden informiert

Die Stadträte gaben am Mittwoch nämlich auch ihre Zustimmung dafür, dass bei der Ausarbeitung des Bringsystems die Anforderungen in den Stadtteilen berücksichtigt werden. Für jeden Stadtteil soll es nun eine spezifische Lösung geben. Das bedeutet, dass die Verwaltung auch überprüfen muss, ob es in den ländlichen Bereichen, in denen Haushalte über eigene Komposthaufen verfügen, wirklich so viele Tonnen sein müssen. Ebenso sollen die Gegebenheiten in der Altstadt berücksichtigt werden: Ob das enge Raster mit einem Biotonnen-Standort alle 100 Meter auch hier verwirklicht werden kann, wird noch zu sehen sein.

Die Systeme im Vergleich

  • Bringsystem:

    An der beschlossenen Variante können 70 Prozent aller Haushalte teilhaben. Die Einführung des Bringsystems wird zu jährlichen Mehrkosten von knapp 783 000 Euro führen, was fünf Euro pro Einwohner und Jahr entspricht und einer Gebührensteigerung von etwa zehn bis elf Prozent. Dabei wird es zu einer geringen Verschiebung von Grüngut in die Küchenabfälle kommen. Die Aufstellung der Bioabfallsammelbehälter soll beispielsweise an dem zentralen Wertstoffhof, an Containerinseln, an Grüngutsammelstellen oder als Nachbarschafts-Biotonne erfolgen.

  • Holsystem:

    Die flächendeckende Einführung einer Biotonne hätte dagegen das ökologisch beste Ergebnis erreicht, wenn mindestens 70 Prozent aller Haushalte angeschlossen worden wären. Die Einführung dieser Biotonne für alle Haushalte hätte zu jährlichen Kosten von knapp 1,85 Millionen Euro geführt, was zwölf Euro pro Einwohner und Jahr oder einer Gebührensteigerung von etwa 25 Prozent entsprochen hätte. Weiterhin hätte diese Version zu einer Verschiebung des Grünguts von 4000 Tonnen im Jahr aus dem jetzigen Erfassungssystem für Grüngut in die Biotonne geführt.

Außerdem sollen sich die Bürger zu den einzelnen Lösungen äußern, ihre Anregungen könnten Teil des Regensburger Biotonnen-Konzepts werden. Dazu sind Anfang 2017 Informationsveranstaltungen geplant.

Während der Diskussionsrunde zuvor setzte vor allem der CSU-Stadtrat Markus Jobst zu einem Frontalangriff auf das Vorhaben von Bürgermeister Huber an. Bedenken in Sachen Biotonne hat er, weil es zu Geruchsbelästigung oder Schäden und Folgekosten durch Vandalismus kommen könnte. Zudem bezweifelte Jobst, dass es überhaupt genügend Plätze gibt, an denen die Tonnen aufgestellt werden können und ob sicher gestellt werden kann, dass in diesen Tonnen auch ausschließlich Bioabfall landet. Zuletzt äußerte er die Befürchtung, dass noch nicht einmal Einhausungen aus Beton für die Behälter Regensburg nach der Einführung der Biotonne vor einer Rattenplage bewahren könnten: „Die Ratten können sich durchbeißen“, sagte er. An dieser Stelle wies Huber Jobst zurecht: „Ich bitte Sie, die Kirche im Dorf zu lassen“, sagte Huber. Als Jobsts Fraktionskollegin Bernadette Dechant fragte, wie Senioren oder Menschen mit Behinderung die 100 Meter bis zur nächsten Biotonne zurücklegen sollen, platzte dem Bürgermeister der Kragen: „Was sollen das für Fragen sein“, sagte er zu ihr. SPD-Stadtrat Thomas Burger bat seine Ausschusskollegen darum, ihre Gedanken zu sortieren. „Der Beschluss heute ist lediglich eine erste Weichenstellung“, sagte er.

Altstadt ist der Knackpunkt

Technische Details würden ohnehin erst im nächsten Schritt überprüft werden. Wo die Tonnen im Endeffekt aufgestellt werden sollen, ob dies auch in der Altstadt der Fall sein muss oder ob die Behälter über ein Zahlenschloss verfügen werden – das werde sich noch herausstellen.

Eine Engelsgeduld bewiesen die beiden Gutachter des Augsburger Umweltinstituts Bifa während der Behandlung des Tagesordnungspunktes Biotonne. Sie waren es, die die Fragen der Stadträte beantworten mussten. Wie auch schon Bürgermeister Huber im Gespräch mit unserer Zeitung am Freitag, führten sie Landshut als Vergleichsbeispiel an. In dieser Stadt gibt es das für Regensburg vorgesehene System seit zehn Jahren. Der leitende Gutachter Markus Hertel sagte, dass es dort weder Probleme mit Geruchsbelästigung, noch mit Ratten oder mit Vandalismus gebe. Auch sei es in Landshut kein Thema, dass sich zu wenige Bürger an der Sammlung in Biotonnen beteiligen. Sie müssen Abfälle wie Salatreste, Kartoffelschalen oder Apfelbutzen zum nächstgelegenen Behälter bringen.

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