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Samstag, 20. Januar 2018 10

Wohnen

Eine Herbergssuche auf kreativen Wegen

„Glauben an den glücklichen Zufall“: Wie eine junge Regensburger Familie per mobilem Plakatständer zum Traumhaus kommen will.
Von Norbert Lösch

Das rollende Immobiliengesuch: Ein blinkendes Bäumchen sollte um Weihnachten für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen. Foto: Üstün

Regensburg.Solche Familien gibt es im attraktiven Regensburg zuhauf: Die Eltern gut ausgebildet und in gut bezahlten Jobs, der Nachwuchs gedeiht prächtig. Und Familien, die eine mitwachsende Bleibe suchen, sind auch nicht gerade selten. Was Semir und Lisa Üstün von anderen unterscheidet, ist die Art und Weise der Immobiliensuche: Sie versuchen, mit einer ausgefallenen Idee zu ihrem Traum-Domizil zu kommen – mit einem mobilen Plakatständer.

Blickfang mit Leucht-Bäumchen

Semir und Lisa Üstün mit Rafael (rechts) und Titus Foto: Lösch

Das Lastenfahrrad mit den großen Tafeln am vorderen Träger ist seit kurz vor Weihnachten ein Blickfang. Genau diese Wirkung ist beabsichtigt: Passend zu den Feiertagen auch noch mit einem beleuchteten Bäumchen ausgestattet, sollte es die Blicke von Passanten auf sich ziehen. Denn auf den Plakaten hat Familie Üstün ihren allergrößten Wunsch öffentlich gemacht: ein Haus, ein Grundstück für ein Haus oder zumindest eine große Wohnung für die Eltern, Rafael (2 Jahre), den kleinen Titus (2 Monate) und möglichen weiteren Nachwuchs. Für private Verkäufer oder Vermittler ist auch gleich ein Kontakt angegeben.

„Die Idee war, Geld lieber in das Fahrrad zu investieren anstatt in eines von vielen Gesuchen auf Immobilien-Portalen oder für Makler“, sagt Semir Üstün. Zusammen mit seinem Sohn Rafael hatte er im Sommer auch schon Stadtteile „abgeklappert“, die ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen, dort Handzettel verteilt und das Gespräch über den Gartenzaun gesucht. „Wir suchen jetzt seit drei Jahren intensiv nach einer zukunftsfähigen Bleibe. Und weil auch das außer verpassten Gelegenheiten nichts gebracht hat, kam das Fahrrad ins Spiel“, schildern die Eltern den mühsamen Weg. Semir Üstün ist mittlerweile überzeugt: „Wer etwas individuell Passendes sucht, muss sich selbst auf den Weg machen und aktiv werden.“

Diese Erfahrung hat der in der Gastronomie-Branche arbeitende Vertriebsfachmann schon einmal gemacht. „Als ich noch Student in Heidelberg war, ist mir einmal ein Sofa durch die Lappen gegangen“, erinnert sich der Sammler klassischer Möbel. „Das war ein Designklassiker, den ich unbedingt haben wollte.“ Deswegen suchte er per „Aushang“ an seinem Motorroller nach dem guten Stück beziehungsweise dem neuen Besitzer. Und so kam Üstün tatsächlich noch zu dem begehrten Möbel, das heute in der aktuellen 80-Quadratmeter-Wohnung in der Nähe der Arcaden steht.

Groß schon, aber kein Schloss

Aus der will die Familie ausziehen – ohne dass wirklich Not am Mann wäre. „Sie ist auf Dauer einfach zu klein, zumal mein Mann nach der Elternzeit auch wieder ein Home Office braucht“, sagt Lisa Üstün. Sie managt verantwortlich ein Regensburger Hotel und hofft darauf, endlich auch für ihre Familie das passende Dach über dem Kopf zu bekommen. Mindestens 140 Quadratmeter groß sollten die Räume darunter aber schon sein. „Wie suchen keine Sozialwohnung, aber auch kein Schloss“, sagt das Paar, das sich vieles vorstellen kann. Nur nichts, was sich – wie schon gehabt – als „totaler Reinfall“ entpuppt.

„Wir haben diesen Weg gewählt, um vielleicht auch derzeit inaktive Verkäufer zu erreichen.“

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