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Wohnen

Immobilienmarkt: Neue Lösungen gesucht

Die Regensburger Immobilientage locken Besucher aus nah und fern an die Universität. Auch die Mietpreisbremse ist Thema.
Von Kerstin Hafner, MZ

Markus Windschiegl kam mit Frau und Töchterlein aus Weiden, um mit der Firma Baumhaus seine Holzhausplanung zu besprechen. Hier ist er im Gespräch mit Michael Guggenberger. Fotos: Hafner

Regensburg.Ab der ersten Stunde mit gutem Zuspruch sind am Samstagvormittag die Regensburger Immobilientage gestartet. Die inzwischen etablierte Messe lockt seit Jahren Besucher aus dem weiten Umkreis in die Domstadt, heuer zum dritten Mal ins Vielberth-Gebäude an der Uni. Die Häuslebauer und Investoren schätzen an der Plattform vor allem die Möglichkeit, verschiedene Anbieter direkt vergleichen zu können. Auch die Palette der Aussteller ist heuer wieder breitgefächert, es stehen nicht nur Experten zum Thema Mieten, Kaufen und Wohnen für Fragen zur Verfügung, sondern auch Fachleute für denkmalgeschützte Immobilien, Anlage & Investment, Sanieren, Architektur, Rechtsberatung oder alternative Energiekonzepte.

Stellvertretend für die vielen Besucher hat sich die MZ zwei herausgepickt: Während Familie Windschiegl extra aus Weiden angereist ist, um sich gezielt mit einem oberbayerischen Anbieter von Massivholzhäusern, der Firma Baumhaus, zu treffen und ihre bereits begonnenen Holzhausplanungen weiter voran zu treiben, schlenderte Stefan Gahr, der dringend eine Immobilie zu kaufen sucht, entspannt von einem Anbieter zum nächsten und profitierte vom direkten Vergleich. Die Aussteller selbst schätzen an der Messe nicht nur den direkten Draht zum potenziellen Kunden und das Knüpfen von Kontakten, sondern in Ruhepausen mit weniger Besucherandrang, wie um die Mittagszeit, auch den kollegialen Austausch. Jörg Gärtner von Hecker Holzhausbau: „Gerade vorhin habe ich mit einem Architekten ein interessantes Gespräch geführt über gute Zusammenarbeit zwischen Planern und ausführenden Firmen. Aber natürlich waren auch schon etliche Häuslebauer hier. Die Messe ist gut gestartet.“

Stefan Gahr, der eine Kauf-Immobilie sucht, kam zur Messe, um Angebote zu vergleichen. Hier ist er im Gespräch mit Daniel Kollmann von Schönberger & Wiener Immo Service.

Mehr Kaufwillige als Mietwillige

Derselben Meinung waren ebenfalls – und auch hier seien nur zwei Stellvertreter genannt – Alexander Daser von Rennplatz Immobilien Regensburg und Andreas Werner von Ring Immobilien Lappersdorf. „Bei uns kamen die meisten Anfragen bisher zum Kauf von Einfamilienhäusern“, sagt Daser, Werner dagegen verzeichnete an seinem Stand zwar auch wesentlich mehr Kaufwillige als Mietwillige, aber eben verstärkt für Wohnungen im Stadtgebiet oder Stadtrandbereich, weniger für Häuser. Die Messe dauert aber noch bis Sonntagnachmittag an.

Heute fand auch schon eine Podiumsdiskussion zum Thema „Mietpreisbremse 2.0 – stimmt der Regensburger Mietspiegel?“ statt. Teilnehmer vor einem vollen Hörsaal interessierter Besucher waren Prof. Dr. Steffen Sebastian von der International Real Estate Business School (IREBS) der Uni Regensburg – der an beiden Punkten harsche Kritik übte – ebenso der von MZ-Moderator Gerd Otto als „Mietspiegelpapst Deutschlands“ angekündigte Prof. em. Walter Oberhofer, der die Praxis der Mietspiegelerstellung gegen einige Angriffe verteidigte, aber auch Probleme einräumte; dazu

Regensburgs Ex-Oberbürgermeister Hans Schaidinger, der sein einstiges Eintreten samt Stadtrat für eine Mietpreisbremse damit rechtfertigte, er wisse selber, dass die Bremse keine Lösung sei, aber sie dämme in dieser schwierigen Phase von extrem hoher Nachfrage und geringem Angebot die massivsten Auswüchse ein. Als „Teufelswerk“, das sich sicher noch als Klotz am Bein für die Schaffung von neuem Wohnraum und Investitionswillige herausstellen werde, bezeichnete Ullrich Volk, 1. Vorstand des Vereins Haus & Grund Regensburg, die Mietpreisbremse. Und auch Willibald Bauer, Geschäftsführender Vorstand des Mietervereins Regensburg, zeichnete ein düsteres Bild: „Neuere Mieten wurden ganz brutal nach unten gedrängt, während die Bestandsmieten (von Vermietern, die jahrelang keine Erhöhung gefordert hatten) zum Teil sprunghaft nach oben geschnellt sind“. Bauer sprach von 28 Prozent bis zu unglaublichen 65 Prozent.

Prof. Dr. Steffen Sebastian von der Uni Regensburg zeigte den eklatanten Unterschied zwischen realen Angebotsmieten und dem Mietspiegel 2012 auf: Mit bis zu 36 Prozent ist Regensburg Spitzenreiter.

Neue Lösungen müssen her

Fazit: Gerecht geht es auf dem Regensburger Immobilienmarkt offenbar schon lange nicht mehr zu, aber weder im Mietspiegel noch in der neuen Mietpreisbremse sehen die Experten eine Stabilität garantierende Einrichtung. Neue, andere Lösungen müssen her. Da sei die Politik gefordert. Aber die verspreche halt dem Wähler gern, was er hören wolle. Und die meisten Wähler seien halt nun mal Mieter, für die die Mietpreisbremse wie eine Subvention wirke, glaubt Prof. Sebastian. De facto sei sie ungerecht, ungenau und ineffizient.

Junge Familien und Investoren

  • Vortrag:

    Hausherr Prof. Dr. Steffen Sebastian von der Uni Regensburg zeigte in einem Vortrag vor der Podiumsdiskussion den eklatanten Unterschied zwischen realen Angebotsmieten und dem Mietspiegel 2012 auf: Mit bis zu 36 Prozent ist Regensburg Spitzenreiter.

  • „Das Dörnberg“ dabei:

    „Das Dörnberg“ hat sich 2014 erstmals mit einem Stand an den Immobilientagen beteiligt. Martin Bucher, Geschäftsführer der Dörnberg-Viertel Projekt GmbH, zog „ein absolut positives Fazit“. Das Publikum sei mit vielen jungen Familien, aber auch Kapitalanlegern sehr interessant gewesen.

  • Befragungsergebnis:

    Bei einer Besucherbefragung 2014 gaben 85 Prozent an, die Messe wieder besuchen zu wollen. Rund zwei Drittel der Gäste stammte aus Regensburg und dem näheren Umkreis.

  • Konkrete Vorhaben:

    Über 90 Prozent der Besucher äußerten ein konkretes Investitionsvorhaben. Dabei liegen der Kauf und der Bau von Immobilien ganz vorne.

  • Zufriedener Geschäftsführer:

    „Das Dörnberg“-Geschäftsführer Martin Bucher stellte denn auch fest: „Wir konnten wertvolle Kontakte knüpfen und so den Vermarktungsstart im Jahr 2015 für das größte Bauprojekt in Regensburg vorbereiten.“

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