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Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Debatte

Geteiltes Echo auf die Museumsfassade

Manche Regensburger tun sich mit den Keramikstelen schwer. Am Dienstag standen ihnen die Verantwortlichen Rede und Antwort.
Von Heike Haala, MZ

Noch ist das Museum für Bayerische Geschichte nicht fertig. Dennoch diskutieren die Regensburger schon jetzt heftig über die Fassadengestaltung. Foto: Haala

Regensburg.Es waren zwei aufeinanderfolgende Redebeiträge aus dem Publikum, die am Dienstagabend im Salzstadel die gesamte Bandbreite der Meinungen über die Außengestaltung des Museums für Bayerische Geschichte widerspiegelten. Die Verantwortlichen vom Staatlichen Bauamt Regensburg, vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg und vom ausführenden Planungsbüro „Wörner Traxler Richter“ in Frankfurt am Main hatten zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel „So wird’s!“ geladen. Die gut besuchte Debatte entspann sich vor allem an der Keramikstelen-Fassade des Bauprojekts.

Ein direkter Anwohner des Baus meldete sich nach dem Vortrag des Architekten Stefan Traxler zu Wort: „Wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich dieses Gebäude. Und ich bin nicht amüsiert. Warum diese Farbe? Das werde ich mein Leben lang nicht verstehen“, sagte er und erntete dafür Applaus.

Den bekam auch der darauf folgende Beitrag. Er kam vom frisch gebackenen Träger des Bundesverdienstkreuzes, Prof. Achim Hubel: „Wir sprechen nur noch über die Farbe“, sagte er und bat die Regensburger um ein wenig Geduld. Denn in der Stadt gebe es noch ganz andere Probleme mit aktueller Architektur als an dieser Stelle. Vor Kurzem wurde Kritik an der Fassadengestaltung laut.

Eckdaten zum Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg:

Video: Simone Grebler

Redner bitten um Geduld

Wie Hubel baten auch die drei Redner des Abends um Geduld. Das waren neben dem Architekten Traxler auch Peter Thumann, Leiter des Staatlichen Bauamts, und Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte. Das, was jetzt von der Fassade zu sehen sei, sei ein Zustand, sagte etwa Traxler. Thumann dagegen bezeichnete den aktuellen Anblick am Donaumarkt als ein „Zwischenstadium“, das wenig darüber aussage, wie die Fassade einmal aussehen wird. „Es ist schwierig, jetzt darüber zu urteilen“, sagte er weiter.

Allerdings räumte Traxler während seines Redebeitrags auch ein, dass ihm die momentane Optik des Projekts nicht gefällt. „Jetzt sieht es furchtbar aus“, sagte er. Der Architekt tat sich schwer, den Zuhörern die Farbe des Museums zu erklären. Auf die Kritik des Anwohners entgegnete er: „Wenn es Ihnen nicht gefällt, gefällt es Ihnen eben nicht.“ Zudem betonte er zwei Mal, dass das Grau der Fassade kein Grau im eigentlichen Sinne sei. Es komme auf das Sonnenlicht an, in welcher Farbe das Museum dem Betrachter einmal erscheinen werde.

Museum der bayerischen Geschichte

Während seines Vortrags setzte er vor allem auf viele Simulationen vom fertigen Bau. Das Gebäude feiere sich nicht selbst, sondern diene der Funktion eines Museums. Zudem füge es sich städtebaulich in das Umfeld des ehemaligen Donaumarktes ein und entwickle Motive aus dem Regensburger Stadtbild wie Fassadenreliefs, Gassenperspektiven oder die Dachlandschaft der Altstadt weiter.

Vergleich mit einem Anzug

Auch Bauamtsleiter Thumann versuchte, die Gäste von der Außengestaltung zu überzeugen. Dazu bediente er sich eines großangelegten und liebevollen geschilderten Vergleichs: Die Fassade des Museums sei wie ein Anzug, den man sich anziehe, wenn man adäquat gekleidet auf einem großen Fest erscheinen will. Genau das sei die Lage des Museums mit Uferblick und Altstadtkulisse nämlich. Wie ein Nadelstreifen-Anzug werde der Bau einmal Ruhe ausstrahlen. Die akkuraten Längsstreifen werden die Qualität des Baus sichtbar machen. „Beim Anzug treffen die Streifen der Stoffbahnen exakt aufeinander“, verdeutlichte er. Funktionsteile nähmen sich sowohl bei einem Anzug als auch beim Bayernmuseum zurück, um den Gesamteindruck nicht zu zerstören.

Die Baustelle

  • Plan:

    Eigentlich sollte das Museum der Bayerischen Geschichte zum Geburtstag des Freistaats Bayern fertig sein.

  • Verschiebung:

    Der Brand in der Bavariathek im Sommer habe diese Pläne aber zunichte gemacht, heißt es in einer Pressemitteilung des Staatlichen Bauamts Regensburg. Deswegen soll die Eröffnung des Museums nun erst im Frühjahr 2019 stattfinden.

Den angenehmsten Redebeitrag hatte am Dienstagabend Loibl vom Haus der Bayerischen Geschichte vor sich. Der Museumsmann musste sich nicht mit dem Thema „Fassadengestaltung“ herumschlagen, sondern gab den Gästen im Publikum einen humorvollen Ausblick auf die Highlights des Gebäudes und der Ausstellungen. So werden die Besucher im Foyer vom original Löwenbräu-Löwen von der Münchner Wies’n empfangen. Im Erdgeschoß werde es kein „Museumscafé“, sondern ein Wirtshaus geben und auch keinen „Museumsshop“, sondern schlicht und einfach einen „Laden“. Das Museum werde Geschichten über Geschichte präsentieren. Die Gäste könnten diese Ausstellung ebenso stundenlang genießen wie in 90 Minuten „durchpowern“.

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  • MD
    Margarete Durchholz
    29.11.2017 07:59

    Ich fahre jeden Tag am Gebäude vorbei und muss sagen es schmiegt sich in nichts eins. Wir müssen uns wohl damit abfinden das es das es einfach ein häßliches Gebäude ist welches nicht in die Stadt und zu Bayern passt.

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    • RR
      Rolf-Dieter Reichert 29.11.2017 13:09

      Da gebe ich Ihnen, liebe Frau Durchholz, vollkommen Recht. Ein Klotz von Bau, welcher der historischen Bedeutung des Umfeldes (Donaumarkt) auf keinen Fall gerecht wird, auch wenn der Architekt meint, der Bau würde sich "....harmonisch in die Dachlandschaft einpassen...". Aber man muss zugestehen: Er bietet innen genug Platz für eine Modelleisenbahn. Und dann hat wenigstens Herr Seehofer einen Spielplatz außerhalb von Ingolstadt.....

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