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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Lärm

Auto-Angeber nerven in der Altstadt

Aufheulender Motor, dicker Auspuff: Poser und Raser nutzen die Regensburger Innenstadt als Bühne, beklagen Anwohner.
Von Micha Matthes, MZ

  • In einigen Großstädten ermittelt die Polizei mit verschiedenen Messgeräten die Verkehrstauglichkeit von auffälligen Autos – oft wird auch die Lautstärke untersucht. Spezielle Lärmmessungen werden von der Regensburger Polizei nicht durchgeführt. Sie geht von Einzelfällen aus.Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Beim „Saison Open“ der VW Scene Regensburg fuhren Anfang April rund 1200 Autos vor der Conti-Arena vor. Profis aus der Szene distanzieren sich deutlich von lärmenden Rasern in der Altstadt. Foto: VW Scene/M-G Photography

Regensburg.Rund um Ostern kommen üblicherweise die Sommerreifen aufs Auto. Nicht wenige Autobesitzer lassen ihre Fahrzeuge bei dieser Gelegenheit waschen oder bringen sie generell wieder auf Vordermann. Auch eine kleine Fahrt durch die Regensburger Innenstadt steht dann bei manchem stolzen Autobesitzer auf der Tagesordnung. An sich ist das unproblematisch. Störend wird es allerdings, wenn Autofans die Motoren ihrer Fahrzeuge dabei lautstark aufheulen lassen – und die Autos möglicherweise noch extra getunt sind. Bei der Polizei und auch bei unserem Medienhaus gehen immer wieder Hinweise zu Lärm-Sündern ein. „Die Altstadt wird seit Anfang März wieder als Bühne für Raser und Angeber genutzt“, schreibt etwa ein Mann, der in der Innenstadt wohnt. „Heuer schlimmer als in den letzten Jahren. Oft fahren mehr als zehn Autos hintereinander durch die engen Gassen und machen höllischen Lärm. Mit sehr hoher Geschwindigkeit wird ohne Rücksicht der Idiotenkreisel abgefahren.“

Video dokumentiert Lärm-Sünder

Zuletzt dokumentierte ein Anwohner eine dröhnende Angeberfahrt in der Altstadt sogar mit einem Video. Der kurze Handy-Film zeigt, wie mehrere Fahrzeuge vom Domplatz kommend in der Weiße-Hahnen-Gasse vorfahren. Mittendrin: Ein silberner und ein roter Mercedes sowie ein besonders auffälliger blauer Audi R8. Die drei Fahrzeuge lassen ihre Motoren jeweils noch einmal markerschütternd an der Ampel aufheulen, biegen nacheinander in die Goldene-Bärenstraße ab und geben dann lautstark in Richtung Fischmarkt Gas.

Nicht jedes lautere Kraftfahrzeug sei getunt, sagt Markus Reitmeier, Sprecher der PI Süd. „Es gibt auch Hersteller – gerade bei den Sportwagenmodellen – bei denen die Fahrzeuge schon ab Werk ein aggressiveres Auspuffgeräusch haben, sich aber doch in den entsprechend zugelassenen Normen bewegen.“ Foto: mt

Armin Bock, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, kennt dieses Problem. „Das gibt es natürlich immer, dass junge Leute getunte Autos fahren, die sie auch zeigen wollen.“ In der Regel handle es sich hier aber um Einzelfälle, sagt er. „Ein bis zwei Fälle werden pro Jahr von der Polizei verfolgt. Es gibt in diesem Bereich aber sicher auch eine Dunkelziffer.“ Wenn es in Richtung Lärmbelästigung gehe – das Gaspedal extra durchgetreten wird, damit das Auto laut röhrt –, gebe es die Möglichkeit, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Betroffenen einzuleiten.

Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion (PI) Süd vermutet, dass sich die engen Gassen der Altstadt negativ auf die wahrgenommene „Geräuschentwicklung“ der einzelnen Kraftfahrzeuge oder Krafträder auswirken. „Im Frühjahr wird der eine oder andere Verkehrsteilnehmer sein Auto mit Sicherheit wieder zur Schau stellen wollen und zum Beispiel rund um den Domplatz posen“. Aber auch Reitmeier bestätigt: „Als ein ständig auftretendes Problem sehen wir das Posen nicht. Hier handelt es sich eher um Einzelfälle.“ Nicht jedes lautere Kraftfahrzeug sei getunt. „Es gibt auch Hersteller – gerade bei den Sportwagenmodellen – bei denen die Fahrzeuge schon ab Werk ein aggressiveres Auspuffgeräusch haben, sich aber doch in den entsprechend zugelassenen Normen bewegen.“

Ab welcher Lautstärke wird der Autolärm also „illegal“? Der Grenzwert für Fahrzeuge, die seit 1995 in den Verkehr kommen, liegt laut Angaben des TÜV Süd bei 74 Dezibel im zweiten und dritten Gang. Bei sportlichen Wagen oder Dieseldirekteinspritzern und größeren Geländefahrzeugen seien bis zu 75 Dezibel erlaubt. Wenn Wagen diese Grenzen überschreiten, können auch nachträglich manipulierte Auspuffanlagen die Ursache dafür sein, bestätigt ein TÜV-Experte.

In einigen Großstädten ermittelt die Polizei mit verschiedenen Messgeräten die Verkehrstauglichkeit von auffälligen Autos – oft wird auch die Lautstärke untersucht. Spezielle Lärmmessungen werden von der Regensburger Polizei nicht durchgeführt. Sie geht von Einzelfällen aus.Foto: Uwe Anspach/dpa

Spezielle Lärmmessungen, wie sie etwa die Verkehrspolizei in Mannheim vornimmt, werden von der Regensburger Polizei nicht durchgeführt. Negativ auffallende Autofahrer werden aber einer allgemeinen Verkehrskontrolle unterzogen. Verstöße nach der StVO oder der Fahrzeugzulassungsverordnung würden entsprechend verfolgt. Außerdem würden Fahrer auffälliger Fahrzeuge beispielsweise auch mit einer Mängelanzeige aufgefordert, bei einer technischen Prüfstelle vorzufahren, erläutert Reitmeier. „Kommt der Fahrzeuglenker dieser Aufforderung nicht nach, ergeht eine entsprechende Meldung an die jeweils zuständige Kfz-Zulassungsstelle, die dann weitere Maßnahmen einleiten kann.“

Altstadtraser sind in Szene verpönt

Selbst bei Profis aus der Tuning-Szene sind die lautstarken Innenstadt-Poser verpönt. „So etwas ist eigentlich gar nicht gern gesehen“, sagt Robby Butter, Vorsitzender des Vereins VW Scene Regensburg und Organisator von regionalen Tuning-Treffen. „Das hat auch mit Tuning nichts zu tun. Dabei handelt es sich nur um das allgemeine Gehabe von verwöhnten Jugendlichen, die von Papa das Auto ausgeliehen haben und auf dicke Hose machen. Mit dem Auto versuchen sie, etwas darzustellen, was sie nicht sind.“

Beim sogenannten „Saison Open“ der VW Scene Regensburg fuhren Anfang April rund 1200 Autos vor der Conti-Arena vor. Ein YouTube-Video zu dem Tuning-Treffen finden Sie hier:

Natürlich gebe es auch in der Regensburger Fahrzeug-Szene Autoliebhaber, die durch die Altstadt fahren. „Das ist dann aber eher ein gemütliches Cruisen und sicher kein Rasen. Wenn ein Auto langsamer fährt, kann man es doch viel besser herzeigen oder im Detail anschauen“, sagt Butter. Überhaupt liege in der Tuning-Szene das Hauptaugenmerk eher auf den Fahrzeug-Treffen. „Ich kann nur für mich sprechen, aber ich denke, das sehen viele so“, sagt Butter. „Mir bringt es einfach nichts, mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt zu ballern. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern absolut hohl.“

In Bezug auf Raser in der Innenstadt kann Polizeisprecher Markus Reitmeier insofern Entwarnung geben, dass Verkehrsunfälle mit überhöhter beziehungsweise nichtangepasster Geschwindigkeit im innerstädtischen Bereich „eine absolut untergeordnete Rolle“ spielen. „Einzelne Ausreißer wird es aber immer und überall geben“, sagt Reitmeier.

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Behörden gehen gegen Poser vor

  • Beschwerden über laute Poser

    gibt es vor allem immer wieder in Städten. Mit dem Begriff bezeichnen die örtlichen Behörden Autobesitzer, die mit aufheulenden Motoren an belebten Plätzen vorbeifahren, um mit ihren aufgemotzten (getunten) Wagen zu posieren.

  • Mit Verboten

    und Verkehrskontrollen gingen die Behörden besonders im Südwesten von Deutschland an Ostern gegen die Autotuner- und Poser-Szene vor.

  • Die Stadtverwaltung

    von Singen etwa untersagte für die Tage bis Ostersonntag etwa Ansammlungen von mehr als fünf Fahrzeugen. Das Verbot richtet sich gegen Treffen von Autobesitzern, die mit dem Motorenlärm ihrer umgebauten Fahrzeuge die Umwelt belästigen.

  • In Mannheim kündigte

    die Polizei ein konsequentes Vorgehen gegen Autobesitzer an, die mit ihrem Gefährt protzen und lärmend durch die Straßen brausen.

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