mz_logo

Stadtteile
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Immobilien

Baukosten bremsen Investor aus

Schon zwei Jahrzehnte liegt das Filetstück brach. Ein neues Projekt sollte die Wende bringen – doch es stockt.
Von Julia Ried, MZ

Seit 1993 wollten diverse Investoren Projekte am Stobäusplatz verwirklichen – alle scheiterten. Das aktuelle Vorhaben ist ins Stocken geraten. Foto: Lex

Regensburg.Im Herbst stand wenigstens noch ein einsamer gelber Bagger auf der eingezäunten Baustelle am Stobäusplatz. Jetzt wirkt sie wie leer gefegt – und wann dort die nächsten Baumaschinen anrollen, ist fraglich. Der Investor, der auf dem Grundstück 87 Wohnungen bauen will, hat immer noch keine Baufirmen gefunden, wie uns Tobias Piper, Sprecher der Projektgesellschaft Stobäusplatz, bestätigte. Damit lässt die von der Stadt schon seit knapp 25 Jahren geplante Belebung der Brache am Rande der Innenstadt weiter auf sich warten – dabei liegt der Spatenstich schon neun Monate zurück.

So soll das Ensemble aus Wohnungen und Hotels am Stobäusplatz einmal aussehen. 2018 sollte es eigentlich fertig sein – doch der Termin ist geplatzt. Animation: Projektgesellschaft Stobäusplatz

Ende Juni 2016 hatten die Bauherren verkündet, in etwa zwei Jahren werde das rund 7800 Quadratmeter große Areal komplett bebaut sein. Der Münchner Investor Franz Aigner will dort drei Gebäude mit Wohnungen sowie Gastronomie und Dienstleistern in den Erdgeschossen errichten. Yvon Houbé, der französische Franchise-Partner der Hotelgruppe Accor, möchte daneben ein Ibis-Hotel mit Drei-Sterne-Standard und ein Vier-Sterne-Haus der Marke Novotel hochziehen.

Diverse Projekte scheiterten

In der Vergangenheit waren diverse Projekte auf dem Stobäusplatz, wo von 1968 bis 1992 das Bayerische Rote Kreuz ansässig war, gescheitert. Die 2006 präsentierten Pläne eines Lebensmittel-Discounters zerschlugen sich und auch Franz und Andreas Aigner nahmen Abstand von ihrem ersten Vorhaben, das sie seit 2010 geplant hatten – sie hatten keine Ankermieter für ihr Konzept gefunden.

Was das aktuelle Projekt betrifft, wäre die Hotelgruppe Accor seit 13. Dezember baubereit, wie Laurent de Warren, der Deutschland-Manager des französischen Franchise-Nehmers, sagte. „Wir haben den Vertrag mit dem Generalunternehmer unterschrieben. Wir warten nur auf die andere Seite.“ Es sei gelungen, das Budget von rund 31 Millionen Euro einzuhalten.

Die Projektgesellschaft Stobäusplatz mit Geschäftsführer Franz Aigner an der Spitze dagegen hat offenbar Schwierigkeiten, Unternehmen zu finden, die zu ihren Preisvorstellungen Wohnungen bauen. So teilte Piper mit: „Der Eigentümer steht in langen und intensiven Verhandlungen mit diversen Baufirmen, damit ein akzeptabler Marktpreis angeboten werden kann.“ Piper wollte keine Auskunft geben, wie viel investiert werden soll und wie teuer die Wohnungen werden sollen.

Allerdings äußerte sich der mit dem Vertrieb beauftragte Makler Gerald Loers zum angestrebten Verkaufspreis. „Man möchte unter 6000 Euro pro Quadratmeter bleiben“, sagte der Inhaber der Regensburger Geschäftsstelle von Von Poll Immobilien. Diese Marke gelte in der Stadt derzeit als „magische Grenze“.

Das Bauen dagegen wird stetig teurer, wie Martin Schneider, Leiter der Geschäftsstelle Ostbayern des Bauindustrieverbandes, erklärte: In den vergangenen Jahren erhöhten sich die Kosten um knapp drei Prozent jährlich, vor allem wegen zunehmender Anforderungen des Gesetzgebers. Entsprechend zäh gestalten sich oft die Verhandlungen mit Bauträgern. „Im Wohnungsbau ist es häufig so, dass wir Probleme haben, unsere Baukosten unterzubringen“, sagte Schneider. Denn noch stärker als die Herstellungskosten hätten sich in Städten mit viel Zuzug die Grundstückspreise erhöht. Die Wohnungspreise hätten dagegen in diesen Regionen „einen stärkeren Deckel drauf als vermutet“.

Das ist auch in Regensburg so. Die Sparkasse stellte in ihren Immobilienreports eine jährliche durchschnittliche Preissteigerung bei Neubauwohnungen von 7,6 Prozent zwischen 2010 und 2014 und von 5,3 Prozent im Jahr 2015 fest. Im Herbst 2016 hieß es, das Preiswachstum werde sich bis 2020 verlangsamen, auf im Schnitt gut drei Prozent jährlich. Bereits 2015 diagnostizierte auch Steffen Sebastian, Professor am Institut für Immobilienwirtschaft an der Universität, der Regensburger Markt sei „ausgereizt“.

Gute Position für Baufirmen

Investoren müssen also bei Projekten in guten Lagen stärker auf den Baupreis achten, wenn sie ihre Gewinne nicht schrumpfen sehen wollen. Doch die Baufirmen sind wegen ihrer hohen Auslastung in einer guten Verhandlungsposition. „Wir sind schon in einer Marktsituation, in der man nicht alles von den Dienstleistern verlangen kann“, sagte Schneider.

Der Sprecher der Projektgesellschaft gibt sich indes optimistisch. „Wir rechnen mit einem baldigen Vertragsabschuss und dem damit verbundenen Baubeginn“, schrieb er.

Der Standort

  • Geschichte:

    Auf dem Stobäusplatz war bis in die 60er-Jahre eine städtische Klinik in Betrieb. Als diese schloss, gab es einen Grundstückstausch zwischen dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) und der Stadt Regensburg, wie uns BRK-Geschäftsführer Sepp Zenger sagte. Die Stadt bekam das ehemalige BRK-Gebäude am Minoritenweg, das BRK zog am Stobäusplatz ein.

  • Verkauf:

    Das BRK verkaufte das Grundstück 1991 für mehr als zehn Millionen DM an einen Investor. Der Platz war knapp geworden, eine Sanierung des Gebäudes wäre zu teuer geworden.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht