mz_logo

Stadtteile
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Kultur

Die Kunst wurde am Wochenende gepusht

Beim Popkultur-Festival präsentierte sich die Kreativszene vielseitig. Die 60 Veranstaltungen stießen auf großes Interesse.
Von Angelika Lukesch, MZ

Eine Lesung der etwas anderen Art: Jeder Autor konnte (anonym) seinen Text einreichen. Die Schauspieler Lars Smekal, Flora Pulina und Sabine Sachse interpretierten ihn dann im Café Couch.Foto: altrofoto.de

Regensburg.Das Popkultur-Festival am Wochenende in Regensburg zog unter dem Titel „Push2016“ viele Menschen an 20 verschiedene Veranstaltungsorte. Mehr als 60 Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Kleinkunst, Theater, Literatur, Tanz, Film und bildende Kunst gaben einen hervorragenden Überblick über das Schaffen der jungen Künstler und Kreativen. Das Festival bildete ein über die ganze Stadt verankertes Forum der „jungen Kunstszene“ Regensburg, auf dem sich die Kunstschaffenden ebenso wie die Kunstinteressierten und auch die Zufallsrezipienten tummelten.

Kunstwerk zerstört

Die „junge“ Kreativszene? „Die älteren künstlerisch Tätigen betrifft das doch genauso. Kunst ist unabhängig vom Alter. Kunst kann jeder machen“, sagt Künstler Sigurd Roscher, der zusammen mit Vincent Pollak am Viereimer Platz eine „Kleinstadt“ aus alten Pappkartons baute. Diese Installation fiel den Passanten ins Auge, regte zu Diskussionen und zu Fragen an. „Wir haben viel positive Resonanz, aber ich bin mir nicht sicher, ob alle Passanten verstehen, dass das Kunst ist, was wir hier machen.

Künstler bauten am Viereimer Platz eine „Kleinstadt“ aus Pappkartons. Foto: altrofoto.de

Wenn man so etwas öfter machen würde, dann wären die Menschen auch sicher aufgeschlossener. Ich finde das ziemlich spannend“, sagt der Künstler Roscher. Tatsächlich scheint es auch einige Menschen zu geben, denen Roschers und Pollaks Installation gar nicht gefallen hat. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde sie zerstört.

Nicht so leicht kaputt zu machen war das Upcycle-Projekt mit alten Autoreifen, aus denen Möbel „gebaut“ wurden. Spontan machten die Passanten mit und freuten sich darüber, teilhaben zu können. Laura, eine der Akteurinnen dieses Kunstprojektes, bestätigte: „Viele Leute, die vorbeikommen, bleiben stehen und nehmen es an. Sie sind froh darüber, dass man aus alten Sachen wieder etwas Neues macht. Die Stimmung ist positiv. Ich persönlich würde es gut finden, wenn man so etwas wie das Popkulturfestival öfter in Regensburg machen würde, schließlich ist Regensburg doch sehr künstlerisch geprägt. Mit solchen Veranstaltungen kann man Menschen inspirieren!“

24 Stunden Instagram-Regensburg

Während des Festivals konnten die Besucher drei Tage lang von Veranstaltung zu Veranstaltung pilgern, ohne an ein Ende zu kommen, zum Beispiel zur Instagram-Ausstellung in das Künstlerhaus Andreasstadel. Eva Karl (Schauspielerin, Autorin, Bloggerin) hatte zusammen mit dem Fotografen Florian Hammerich eine Ausstellung aus über 1300 eingesandten Instagram-Fotos zum Thema #regensburg 0-24 Uhr zusammengestellt. 130 Fotos wurden im Künstlerhaus aufgehängt. Diejenigen, deren Instagram-Foto ausgewählt worden war, freuten sich: „Ich bin sehr glücklich, dass mein Foto dabei ist“, sagte Dani Rosenhammer.

Bälle statt Worte: Jonglage als neuer Weg der Kommunikation Foto: altrofoto.de

Für Eva Karl ist das Popkulturfestival eine tolle Sache: „Ich finde es total spannend und komme aus dem Herumrennen von Veranstaltung zu Veranstaltung gar nicht raus. Es macht viel Spaß, weil man ganz niederschwellig mit vielen Leuten ins Gespräch kommt. Allerdings hätte ich mir mehr Studenten erwartet. Vielleicht muss man in Zukunft die Universität noch mehr mit einbeziehen.“

Auch Künstler Florian Toperngpong, der an der Organisation des Festivals beteiligt war, zeigte sich zufrieden. „Die Leute kommen, die Veranstaltungen werden besucht, die Resonanz ist groß, auch bei solchen Leuten, die durch Zufall irgendwo hängen bleiben, wie bei der Installation am Viereimer Platz.“ Schauspieler und Autor Lars Smekal war mit mehreren Veranstaltungen beim Popkulturfestival vertreten. „Die Leute haben sehr positiv auf die Veranstaltungen reagiert, denn es ist für jeden etwas dabei.“ Er bezeichnet das Festival als eine Art „Werkschau, was Regensburg im Kreativbereich zu bieten hat. Durch das Zusammentreffen kann und soll auch Neues entstehen. Mit dem Festival geht Regensburg einen guten Schritt in die richtige Richtung. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Wertschätzung, die man als Kunstschaffender beim Popkulturfestival bekommt, auch an den anderen Tagen im Jahr besteht.“

Im Andreasstadel ließen sich Fabelwesen und Freaks zeichnen. Foto: altrofoto.de

Lars Smekal erzählte am Rande der „Lesung anonym“, die er im Café Couch durchgeführt hat und bei der anonyme Texte von Schauspielern vorgetragen werden, über eine andere Kunstaktion in Regensburg: „Wir haben Thesen über das Künstlerdasein in Regensburg formuliert. Doch anstatt sich auf den Diskurs einzulassen, den wir anregen wollten, wurde unsere Aktion von bestimmten Leuten, ohne überhaupt zu wissen, was die Inhalte unserer Aktion waren, als Quatsch ab getan. Ich glaube aber, dass dieser Dialog unglaublich wichtig wäre für eine Weiterentwicklung.“ Das Popkultur-Festival jedenfalls findet er „großartig. Man hat die Möglichkeit, als Besucher viel zu entdecken und kennen zu lernen. Von meiner Seite als Künstler aus ist das aber ähnlich. Man lernt neue Kollegen aus der Szene kennen, neue Besucher, denen ich vielleicht bisher noch kein Begriff war, werden auf meine Kunst aufmerksam.“

Impressionen vom Popkultur-Festival Regensburg

Diskussionen über die Förderung der Kunstszene

Ob die Stadt Regensburg noch mehr für die Förderung der Kunstszene tun könnte, darüber herrschten bei den jungen Kreativen in Regensburg während Festivals durchaus unterschiedliche Meinungen. Toperngpong sagt: „Beim Popkultur-Festival in Regensburg sind ziemlich alle kreativen Köpfe aus Regensburg mit dabei. Man kennt sich. In Regensburg hat sich auch viel Positives entwickelt, was die Kreativszene anbelangt. Das Deggingerhaus finde ich sehr positiv, auch das Popkultur-Festival. Wir sind auf einem sehr guten Weg. Es nützt meiner Meinung auch nach auch nichts, künstlich da jetzt Geld rein zu pumpen und zu erwarten, dass dann exponenziell mehr gute Kultur und Kunst dabei rauskommt. Es muss einfach der entsprechende Nährboden da sein und hier müsste man ansetzen. Dazu bräuchte es, wenn man wirklich Regensburg zu einer kulturell und künstlerisch interessanteren Stadt machen will, eine Kunsthochschule oder eine Gestaltungshochschule.“

Der Auftritt der Bum Bum Band in der Heimat Foto: altrofoto.de

Künstlerkollege Sigurd Roscher sieht das Thema relativ entspannt: „Ich glaube nicht, dass die Regensburger Kunstszene noch mehr Förderung braucht. Ich bin eigentlich zufrieden. Man muss halt selber was machen! Netzwerken, fragen: Wo kann ich?, Wie läuft das? Und dann geht sich immer was aus! Eine gewisse Grundherausforderung muss sein, es darf auch nicht zu leicht sein! Sonst ist irgendwann alles voll mit Zeug!“

Auch im Transition-Laden hat Fränze Weber ihre eigene Meinung: „Ich finde es super, wenn so etwas wie das Popkultur-Festival in Regensburg passiert. Man sieht, was alles so möglich ist und was alles in der Stadt kreativ ist und wie sich das vernetzt. Ich würde es allerdings schon gut finden, wenn in Regensburg noch mehr für die kreative junge Szene gemacht würde, vor allem im Bereich der Ressourcenschonung. Da kann man noch ganz viel machen und ich würde mir wünschen, dass da die Stadt noch rühriger wird und die Leute mehr in Kontakt treten können. Das Popkultur-Festival hilft schon sehr viel, aber es könnten noch mehr solche Aktionen stattfinden. Für mich kann es da gar nicht genug geben.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht