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Mittwoch, 21. Februar 2018 5

Religionen

Die Mauern der Synagoge wachsen

Der Förderverein Neue Synagoge in Regensburg kümmert sich um Spenden – und um ein Klima, das den Bau trägt.
Von Helmut Wanner, MZ

Es geht voran: Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, an der Baustelle des neuen Gemeindezentrums Foto: Wanner

Regensburg. Am Freitag wurden an der Synagogen-Baustelle am Brixner Hof die ersten Wandschalungen errichtet. Das Gotteshaus beginnt langsam nach oben zu wachsen. Bald wird man mehr sehen als die Bodenplatte und die Verschalung der Nordmauer und des Aufzugsschachts. Mitte Oktober wird Richtfest gefeiert. Anfang 2019 wird das von Star-Architekt Volker Staab geplante Gemeindezentrum eröffnet.

„64 Spenden-Bausteine zu 500 Euro wurden bislang verkauft.“

Dieter Weber

Bis die Bodenplatte ganz verlegt ist, kämpft die Baufirma mit der Enge des Platzes. Gelagertes Baumaterial muss immer wieder von einem Eck zum andern gehievt werden. „Deswegen gibt Rabbiner Joseph Bloch auch keine Führungen mehr im alten Gebetssaal“, teilte Vorsitzende Ilse Danziger mit. Bei Bedarf kommt er in die Schulen.

Auch die Unterstützung der nichtjüdischen Bevölkerung wächst. Am Mittwoch gab Dieter Weber, der Vorsitzende des 65 Mitglieder zählenden Fördervereins Neue Regensburger Synagoge, seinen Bericht. Ziel ist es, der jüdischen Gemeinde, die in den letzten 20 Jahren erfreulicherweise von ca. 100 auf ca. 1000 Mitglieder gewachsen ist, die in der Reichspogromnacht zerstörte und nicht entschädigte Synagoge „zurückzugeben“. Stein um Stein.

Die Verschalungen für Aufzugsschacht und Nordmauer stehen. Foto: Wanner

„Das neue jüdische Zentrum wird einen markanten, in der Stadt neben Dom und Neupfarrkirche deutlich sichtbaren Ort ergeben mit einer Synagoge, die der jüdischen Gemeinde als einer der drei historisch bedeutsamen Religionsgemeinschaften in der Regensburger Geschichte entspricht“, sagte Weber. Immer wieder überweist der Förderverein Beträge auf das Baukonto. Zweimal 20 000 Mark wurden schon übergeben. Auf dem Spendenkonto waren am Ende des Monats bereits wieder 130 000 Euro, die schnell weitergereicht werden. Davon stammen 65 000 Euro aus Bußgeldern der Justiz. 64 Spenden-Bausteine zu 500 Euro wurden bislang verkauft.

Es klafft noch eine Finanzierungslücke

„Das ist eigentlich nicht wenig,“ betont Dieter Weber. Der Förderverein hat eine Zahl von 100 plus angepeilt. Oft schließen sich mehrere Menschen zusammen. Es gibt auch Bausteine, die aus dem Erlös von Schulfesten finanziert werden. Trotz hoher Beteiligung von Bund, Land und Stadt klafft beim 8-Millionen-Euro-Bau eine Finanzierungslücke von gut einer Million Euro. Das Bistum hat die Finanzierung eines ganz bestimmten symbolkräftigen Gebäudeteils zugesagt, es gibt auch bereits die Zusage einer Großspende von 200 000 Euro. Der Spender will anonym bleiben. Dem Förderverein geht es nicht nur um die Beschaffung von Mitteln. Er will das Bau-Projekt zu einem Thema der Stadtöffentlichkeit machen. „Wir erachten es für wichtig, dass in der Stadt Regensburg ein geistiges Klima geschaffen wird, das den Neubau auch ideell trägt. Regensburger Bürger, Firmen, Kirchen, Vereine sollen angesprochen werden.“

Das Jahr 2019 im Blick

  • Symbol:

    Mit großen Hemmungen warf der Vorsitzende des Förderervereins, Dieter Weber, vor fünf Jahren die Zielmarke 2019 bis zur Fertigstellung in die Runde.

  • Einschnitt:

    1519 wurde die Synagoge am Regensburger Neupfarrplatz zerstört, ebenso das jüdische Viertel um die Synagoge und die Juden wurden aus Regensburg vertrieben.

  • Vision:

    Dieter Weber schien das Datum zwar unrealistisch. „Aber die Zahl 500 Jahre (1519 – 2019) ist sehr plakativ und für eine Vision braucht es eine plakative Marke.“ Nun scheint es, dass diese Vision Wirklichkeit werden kann.

Das erreicht der Förderverein durch Infostände, u.a. sind welche geplant auf dem Bunten Wochenende am Grieser Spitz und beim Städtebaufördertag, der dieses Jahr ganz im Zeichen der Synagoge stehen wird. Das Thema Synagoge eigne sich auch gut für P-Seminare an Schulen, meint Weber. „Und zwar in den Fächern Geschichte, Religion und Kunsterziehung.“ Entsprechende Impulse will der Verein beim kommenden Gespräch mit den Schulbeauftragten der Schulen in der Oberpfalz geben.

Die jüdische Gemeinde freut sich derweilen auf folgende Räumlichkeiten: Eine Synagoge für 100 Männer und etwa 60 Frauen auf der Empore, darunter einen Veranstaltungssaal für ca. 200 Personen und Bühne, mit Abstellraum und einer großen oder zwei kleinen Küchen mit Lagerraum, Garderobe und Sanitäranlagen. Dies ermöglicht der Gemeinde endlich den Sederabend an Pessach gemeinsam in der Synagoge feiern zu können und nicht auf mehrere Termine verteilt. Auch an den Nachwuchs ist gedacht. Es gibt zwei Kindergartenräume für je 15 Kinder und Unterrichtsräume für den Religionsunterricht. Schmuckstück ist eine Bibliothek mit Café.

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