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Samstag, 29. April 2017 6

Soziales

Donaustrudl hält Verkäufer über Wasser

Die Händler der Regensburger Straßenzeitung arbeiten eigenständig. Sie sind für den Absatz selbst verantwortlich.
Von Daniel Geradtz, MZ

Beim Sommerfest zeigte sich die Donaustrudl-Gemeinschaft aus Helfern, Verkäufern und Mitgliedern des Herausgebervereins.Foto: Geradtz

Regensburg.Seit dem Winter ist der Donaustrudl volljährig: 18 Jahre gibt es die Straßenzeitung inzwischen, die am vergangenen Freitag zum Tag der offenen Tür eingeladen hat. Rainer Fürst ist einer von wenigen, die seit dem Beginn dabei sind. „Mit Hilfe des Straßenkreuzers in Nürnberg wurde die erste Ausgabe herausgegeben“, erinnert sich Fürst.

Damals erschien die Zeitung noch vierteljährlich in einer kleinen Auflage. Schon nach wenigen Ausgaben schwenkten die Macher um. Seitdem wird der Donaustrudl monatlich herausgegeben. Damals wie heute als „soziales Straßenmagazin, das auch einen Unterhaltungswert hat“, beschreibt Rainer Fürst.

Arbeit schafft eine Perspektive

Der Name Donaustrudl wurde in der ersten Redaktionssitzung gefunden. Er steht nicht nur für die Verwirbelungen, die unter der Steinernen Brücke entstehen, sondern auch für einen gesellschaftlichen Sog, in den Menschen geraten können. Für diese Menschen will der Donaustrudl da sein und ihnen eine Heimat bieten.

Im Stadtgebiet wird die Zeitung von etwa 40 Straßenverkäufern vertrieben, die sich immer wieder abwechseln. „Man ist selber dafür verantwortlich, wann und wie viel man arbeitet“, sagt Andreas Will, der die Zeitung seit vielen Jahren verkauft. Er findet, dass diese Arbeit eine gute Möglichkeit ist, um sich über Wasser zu halten, „ohne kriminell zu werden“. Denn es sei eine Aufgabe, die Menschen eine Perspektive bieten könne, die eigentlich keine hätten.

Auch wenn der Absatz in der Altstadt am größten sei, verkauft er den Donaustrudl in erster Linie in Königswiesen. „Mir ist das zu viel“, sagt er zum hektischen Treiben in den Altstadtgassen. In beiden Bereichen findet er, dass sich „ein gutes Verhältnis zur Kundschaft“ entwickelt hat.

Heute steckt hinter dem Donaustrudl mehr als die allseits bekannte Straßenzeitung: Mit dem Buchbasar und dem Buchverkauf im Büro in der Dr.-Theobald-Schrems-Straße hat sich der Donaustrudl zu „einem richtigen Antiquariat“ entwickelt, findet Alexander Willert. Er ist der 2. Vorsitzende des Herausgebervereins Sozialer Arbeitskreis (SAK). „Wir bieten viel Fachliteratur an. Fast alle Bereiche sind abgedeckt“, so Willert.

Die angebotenen Bücher sind Spenden, die in erster Linie aus Privathaushalten stammen. Etwa 25 000 sind es, die im Büro des Donaustrudl zum Verkauf stehen. Hinzu kommen noch zahlreiche Tonträger und DVDs. Ein Großteil davon ist in einer Datenbank gelistet. Viele warten aber auch noch in Kartons darauf, begutachtet und gelistet zu werden.

Der Verkaufserlös der Bücher übersteigt die Kosten der Zeitungsproduktion, sagt Willert. Aber einen Gewinn kann der Verein nicht erzielen: Der vermeintliche Gewinn muss in die Miete und den Unterhalt der Räume gesteckt werden. „Seit diesem Jahr erhalten wir einen Zuschuss der Stadt und konnten eine Sozialarbeiterstelle schaffen. Das war ein Grund zum Feiern“, ist Willert erleichtert.

Der Donaustrudl

  • Organisation:

    Die Straßenverkäufer arbeiten weitgehend eigenständig. Sie kaufen zunächst ein bestimmtes Kontingent der Hefte, ehe sie diese selbst verkaufen. Von dem Erlös jeder verkauften Zeitung dürfen sie 90 Cent als Provision behalten.

  • Ausgabe:

    Der Donaustrudl erscheint zu Beginn eines Monats und widmet sich in jeder Ausgabe einem bestimmten Motto. Im aktuellen Heft geht es auf 28 Seiten um das Thema Wutbürger.

  • Redaktion:

    Die Redaktionssitzung findet einmal in der Woche statt. Die Redaktion besteht aus einem offenen Team. Das heißt, dass sich jeder an der Entstehung der Ausgabe beteiligen kann.

  • Engagement:

    Auch bei sonstigen Tätigkeiten freut sich der Verein über die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern. Buchspenden können zu den Öffnungszeiten des Büros in der Dr.-Theobald-Schrems-Straße abgegeben werden. Die Bücher können vor Ort gekauft oder über das Internet weltweit bestellt werden.

Projekt wird wieder aufgegriffen

Die Sozialarbeiterin Melanie Pauli kümmert sich seitdem mit einer Vollzeitstelle um „die Nöte und Sorgen der Menschen“, wie sie es nennt. Pauli unterstützt sie bei Behördengängen oder der Suchtberatung.

Schon jetzt freut sich Alexander Willert darauf, dass im Sommer ein ehemaliges Strudl-Projekt wiederbelebt wird. „Die etwas andere Stadtführung“ hat es bereits in der Vergangenheit gegeben. Das rund 100 Seiten starke Heft wird nun überarbeitet und aktualisiert.

Das Besondere ist, dass viele Orte und Sehenswürdigkeiten aufgelistet sind, die in vielen anderen Stadtführern nicht zu finden sind. Es geht um „kleinere Orte und Sehenswürdigkeiten wie die Von-der-Tann-Straße“, sagt Willert.

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