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Sonntag, 17. Dezember 2017 4

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Ein Experte peppt die Altstadtläden auf

Ein Fachmann hat zwölf Regensburger Geschäfte begutachtet. Die Inhaber feilen an der Präsentation. Wünsche haben sie auch.
Von Marion Koller, MZ

Die verkaufsoffenen Sonntage locken Massen ins Welterbe. Mit der Kundenzahl unterm Jahr sind die Einzelhändler unzufrieden. Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Bis auf wenige Flaniermeilen wie etwa die Gesandtenstraße sinkt in der Altstadt die Kundenfrequenz. Weil die Anziehungskraft einer City auch mit den Geschäften zusammenhängt, wollen die Kaufleute besser werden. Ingo Saar, Geschäftsführer von Faszination Altstadt, hat dafür den Einzelhandelsberater Michael Seidel von der Münchner CIMA Beratung und Management GmbH nach Regensburg geholt. An drei Tagen hat der 52-Jährige zwölf Geschäfte unter die Lupe genommen. Die Inhaber hatten sich für die Aktion beworben.

Ingo Saar von Faszination Altstadt und Einzelhandelsberater Michael Seidel Foto: Koller

Seidels Fazit: Alle Ladenbesitzer haben den richtigen Weg eingeschlagen. Er kritisierte lediglich Kleinigkeiten. Die Einzelhändler begrüßten das Feedback. Es bewahre vor Betriebsblindheit, hieß es unisono. Seidel riet zu übersichtlichen, aufgeräumten Geschäften. Die Schaufenster sollten nicht nur das Hauptsortiment zeigen, sondern auch einen Blick in den Innenraum ermöglichen. Die Geschäftsleute sollten intensiver mit Licht arbeiten. Das lässt die Ware leuchten. Der Kunde muss die Möglichkeit haben, alles in die Hand zu nehmen.

Das Welterbe und zahlreiche inhabergeführte Geschäfte machten Regensburg unverwechselbar, lobte Seidel. Das empfinde jeder, der hier aus dem Zug oder Taxi steige. Große Filialisten sehen überall gleich aus. Ihre Fachgeschäfte dagegen könnten die Regensburger individuell gestalten.

„Situation ist sehr unbefriedigend“

Wer mit offenen Augen durch das Zentrum marschiert, dem fallen Leerstände auf, zum Beispiel in der Maximilianstraße. 25 bis 30 sind es laut Altstadtkümmerer Alfred Helbrich. Etwa 500 Geschäfte gibt es im Welterbe. In anderen Städten erreichten die Leerstände eine Quote von durchschnittlich elf bis zwölf Prozent, sagt Einzelhandelsberater Michael Seidel. Die mehr als fünf Prozent in der Donaustadt findet er nicht beunruhigend.

Freilich gehen die Geschäfte nicht nur selbst in die Qualitätsoffensive, sie erwarten auch einiges von der Stadt. Fast alle leiden unter der sinkenden Kundenfrequenz.

Doris Biedermann vom Betty-Barclay-Shop in der Unteren Bachgasse klagt: „Die Situation ist sehr unbefriedigend. Zufrieden sind wir nur am Samstag.“ Den Vorschlag der SPD, die Baustellen endlich zu koordinieren, begrüßt sie. „Das war bisher die Hölle, die Straßen wurden zwei- bis dreimal aufgerissen. Baustellen sind tödlich für die Frequenz in der Innenstadt.“ Außerdem fordert die Selbstständige, den Lieferverkehr einzuschränken und streng zu kontrollieren. „Da machen sie beim Karavan-Denkmal eine schöne Bank und dahinter stehen die Lkw.“ Doris Biedermann hofft auf ein rücksichtsvolles Miteinander von Fußgängern und Radfahrern. Das sei machbar. Sie räumt ein, dass die Stadtspitze viel anpackt. „Ich finde es bewundernswert, was alles geschieht“, betont die 69-Jährige und zählt neue Bänke, Grün in der Altstadt und den leisen E-Bus auf. Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung beurteilt sie als offen und freundlich.

Das nehmen die Ladenbesitzer aus dem Check mit:

Der Laden-Check: Tipps für die Geschäftsleute

Christian Plotzki von der Papeterie La Casita erzählt, er schreibe von Januar bis März tiefrote Zahlen, weil die Touristen ausbleiben. Der 37-Jährige wünscht sich mehr Gäste und versteht nicht, warum manchen Regensburgern der Strom zu gewaltig wird. Wie Biedermann appelliert er an die Stadt, den Verkehr aus dem Zentrum zu verbannen und die Lieferanten an die Kandare zu nehmen. Plotzki besuchte kürzlich Palma de Mallorca und genoss die autofreie Altstadt. In Regensburg störten jeden Kunden die Fahrzeuge. „Man hat sie im Rücken.“ Mit den Radfahrern dagegen kann er sich anfreunden.

Dorothea Walling von Backstage in der Wahlenstraße ärgert sich, weil viele „nur zum Schauen“ in ihren Modeladen kommen. „Die lassen sich im Fachgeschäft beraten und bestellen im Internet, weil es fünf Cent billiger ist.“ Die 52-Jährige hofft auf ein weiteres Parkhaus. Leider seien die Pläne für das Jacobigelände gescheitert.

Geschäftsfrau hat „Jammerei“ satt

An all diesen Kritikpunkten arbeitet die Stadt, allerdings ziehen sich die Entscheidungsprozesse hin. Das Parkhaus wird wohl am alten Eisstadion entstehen. Die Altstadt soll mit versenkbaren Pollern vor dem Autoverkehr geschützt werden. In die Neuauflage des Koalitionsvertrags wird die bunte Stadtratsmehrheit diese Ziele in den nächsten Wochen aufnehmen.

Derweil kritisiert Marion Achhammer vom Babywäsche-Laden Traumland in der Fröhlichen-Türken-Straße die „Jammerei“. „Ich verstehe das nicht“, sagt die 45-Jährige. Sie hat vor sechs Jahren übernommen, ihre Umsätze steigen. Und in der Stadt passiere viel, etwa die Möblierung mit Bänken. „Ich finde, wir haben eine tolle Innenstadt. Regensburg steht doch nicht schlecht da.“

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