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Mittwoch, 7. Dezember 2016 12

Mangel

Gesucht: Tausendsassas am Bus-Lenkrad

Der Fachkräftemangel macht sich in Regensburg bei Busfahrern bemerkbar: Fernbusfirmen schnappen dem Nahverkehr Fahrer weg.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • Der ÖPNV sucht Busfahrer. Fernbusfirmen schnappen den Unternehmen im öffentlichen Personennahverkehr tätig sind, gerne Fahrer weg. Foto: Lukesch
  • RVV-Geschäftsführer Josef Weigl (links) und Josef Wimmer vom RVV-Beschwerdemanagement wissen um die hohen Anforderungen an die Fahrer. Foto: Lukesch

Regensburg.Busfahrer sind Menschen, die den öffentlichen Nahverkehr am Laufen halten, eine große Verantwortung tragen und über ein hohes Maß an Kompetenzen, nicht zuletzt Sozialkompetenz, verfügen müssen. Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich, wie Josefine Staill vom gleichnamigen Busunternehmen gegenüber unserer Zeitung berichtet, bei der GFN (Gesellschaft für Nahverkehr, die den Regionalbusverkehr regelt) ein Fachkräftemangel beim Fahrpersonal ab. Diese Tendenz beobachtet auch Alfons Hemauer, Chef der gleichnamigen Fahrschule, die auch Busfahrer ausbildet. „Wir bilden viel mehr Lkw-Fahrer aus und immer weniger Busfahrer“, sagt Hemauer unserer Zeitung.

Das Problem sei, dass ein Busfahrerschein heutzutage rund 10 000 Euro koste. Zwar würde die Agentur für Arbeit den Busführerschein bezahlen, aber nur, wenn derjenige bereits die Zusage einer Stelle bei einem Busunternehmen in der Tasche hat. Dies bestätigt auch Robert Brüderlein von der Agentur für Arbeit Regensburg. „Die Förderung eines Busführerscheins durch die Agentur für Arbeit ist möglich, wenn die allgemeinen Fördervoraussetzungen erfüllt sind und eine schriftliche Einstellungszusage des Arbeitgebers vorliegt. Nachdem die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, sank auch die Zahl der Förderungen“, sagt Brüderlein.

Stressresistent und kompetent

Hinzu kommt, dass die Fernbusunternehmen, die in den letzten Jahren stark prosperieren, den Busunternehmen, die im öffentlichen Personennahverkehr tätig sind, die Busfahrer „wegschnappen“. Zugrunde liegt oftmals ein falsches Image des Busfahrers im ÖPNV. „Die Leistung des ÖPNV-Busfahrers wird eher geringschätzig eingestuft. Er müsste mehr Anerkennung und Akzeptanz von Seiten der Fahrgäste erfahren“, sagt Josefine Staill. Dem pflichtet der Geschäftsführer des RVV, Josef Weigl, bei. Den meisten Menschen, die den ÖPNV benutzen, sei nicht klar, wie viele Funktionen ein Busfahrer ausüben müsse und wie hoch die Verantwortung sei, die er trage.

Immerhin 40 000 bis 60 000 Kilometer fährt ein Busfahrer des ÖPNV pro Jahr. Die Anforderungen durch den zunehmenden Verkehr steigen stetig. „Außerdem muss ein Busfahrer die Fahrzeiten im Kopf haben, viele unterschiedliche Fahrkarten kontrollieren und herausgeben, er muss die Linien und die Zeit im Kopf haben, muss sich strikt an den Fahrplan halten und vor allem muss er mit den Menschen umgehen können“, sagt Josef Wimmer, der beim RVV für Qualität und Beschwerdemanagement zuständig ist und selbst viele Jahre als Busfahrer tätig war.

„Ein Busfahrer übt das Hausrecht im Bus aus“, sagt Josef Weigl. Sicherheit ist das oberste Gesetz, dem er verpflichtet ist. Soziale Kompetenz ist für einen Busfahrer unerlässlich, denn er hat tagtäglich mit den verschiedensten Menschen und Anforderungen zu tun, wird nicht selten auch missverstanden oder als unhöflich empfunden, wenn er sich an seine Vorschriften hält.

Teurer Schein und viele Prüfungen

„Der Busfahrer ist der Imageträger des Unternehmens“, sagt auch Fahrlehrer Hemauer. In seiner Busfahrerschule lernen die angehenden Busfahrern alles, was nötig ist: das korrekte äußere Auftreten, die Sprachkompetenz (mit den Fahrgästen muss deutsch gesprochen werden), die Umgangsweise (freundlich und offen). Außerdem muss der Busfahrer ökonomisch fahren können, sich mit Zollvorschriften auskennen und dem grenzüberschreitenden Verkehr. Auch in Sachen Kriminalität wird der Busfahrer aufgeklärt.

Ein Führerschein für Busse dauert 30 Tage (ganztags) dazu kommen noch 20 Tage Grundqualifikation, schließlich folgen Führerscheinprüfung und eine Prüfung bei der IHK über die Grundqualifikation.

Dabei jedoch bleibt es nicht, denn der Busfahrerschein muss alle fünf Jahre verlängert werden (das verlangt das Berufsfahrerqualifikationsgesetz) und dazu gehören fünf Schulungstage à 80 bis 120 Euro. Hinzu kommt die MTU Prüfung beim TÜV (unter 50 Jahren 120 Euro, ab 50 Jahre 210 Euro) und außerdem noch 100 Euro für den Antrag auf Verlängerung bei der Stadt Regensburg sowie ein polizeiliches Führungszeugnis. „Das bedeutet, die Verlängerung des Führerscheins kostet alle fünf Jahre zwischen 500 und 1000 Euro.

Beim RVB (Regensburger Verkehrsbetriebe) sieht die Lage hinsichtlich der Busfahrer besser aus. „Aktuell besteht aus unserer Hinsicht kein Mangel an Busfahrern“, sagt Martin Gottschalk von den Stadtwerken Regensburg. Dennoch beobachte man den Markt aufmerksam und versuche „einem möglichen Mangel mit intelligenten Personalentwicklungskonzepten entgegenzuwirken.“

Was die Busunternehmen leisten

  • Zahlen zum Regionalbusverkehr

    Die GFN betreibt 49 Regionalbuslinien, arbeitet mit 24 Verkehrsunternehmen, fährt 7 Millionen Buskilometer jährlich. Täglich werden mit den Regionalbussen 10 000 Schüler in Stadt und Landkreis befördert. Pro Schultag sind 280 Busse unterwegs. 780 Busfahrer sind bei den Unternehmen angestellt.

  • Zahlen zum Stadtbusverkehr (RVB)

  • 106 Busse fahren, 270 Busfahrer sind beschäftigt. Bis zu 90 000 Fahrgäste werden pro Tag befördert.

  • Die Organisation

    Der Regensburger Verkehrsverband (RVV) umfasst die GFN (Gesellschaft für Nahverkehr) und die RVB (Regensburger Verkehrsbetriebe).

„Kapitän auf einem kleinen Schiff“

Auch Gottschalk betont, wie vielschichtig und anspruchsvoll der Beruf des Busfahrers sei: „Es geht um weit mehr, als einen Fahrgast von A nach B zu befördern.“ Ein Busfahrer müsse freundlich, zuverlässig, stressresistent und kundenorientiert sein. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Kein Tag ist gleich, jeden Tag erlebt man neue Situationen und lernt dementsprechend auch jeden Tag etwas dazu. Das höchste Maß an Attraktivität garantiert aber natürlich die Tatsache, dass man immer mit Menschen zu tun hat“, stellt Gottschalk fest.

„Es geht um weit mehr, als einen Fahrgast von A nach B zu befördern.“ Ein Busfahrer müsse freundlich, zuverlässig, stressresistent und kundenorientiert sein.

Martin Gottschalk

RVV-Geschäftsführer Josef Weigl bestätigt, dass ein Busfahrer stets ein Aushängeschild des RVB und der GFN sei. In Konfliktfällen müssen Busfahrer auch als Streitschlichter fungieren und sich um Behinderte und ältere Leute kümmern. „Es ist ein sehr verantwortungsvoller Beruf mit hoher sozialer Kompetenz. Dem Busfahrer wird ein Bus in die Hand gegeben, der einen Wert von 200 000 Euro hat.“ Für Weigl ist jedoch eines klar: „Es ist etwas Besonderes Busfahrer zu sein. Er kann von sich sagen: Ich bin der Kapitän auf meinem kleinen Schiff.“

Einen Überblick über die Abfahrtszeiten im öffentlichen Nahverkehr gibt es bei Mittelbayerische Maps:

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