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Karwoche

Heilige Pforte: Keine Schwellenangst

In der Regensburger Karmelitenkirche vollzieht sich ein kleines Wunder. Die neuen Beichtstühle werden nahezu überrannt.
Von Helmut Wanner, MZ

„Barmherzigkeit ist ein Mega-Thema“: Der Regens des Regensburger Priesterseminar, Martin Priller, an der Schwelle zur Heiligen Pforte zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit Foto: altrofoto.de

Regensburg.Pater Robert ist immer auf dem Sprung. Entweder kommt er gerade aus der Klosterpforte oder aus der Sakristei oder er ist auf dem Weg zum Beichtstuhl. Das Kloster der Karmeliten war ja bekannt als die Beicht- und Anbetungskirche der Diözese. Aber jetzt steht am Alten Kornmarkt zusätzlich die Heilige Pforte offen. Papst Franziskus hat das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen.

Alles ist in diesen Tagen vor Ostern eine Nummer größer. Zum 10-Uhr-Werktagsgottesdienst ist die Kirche besetzt wie am Sonntag. Pater Robert zelebriert. Ihm zur Seite steht ein Hüne von Ministrant: Opernsänger Wolfgang Nöth, 41, 1,98 cm groß. Der Mann, der Domkapellmeister Georg Ratzinger zum 90. Geburtstag im Vatikan ein Konzert gesungen hatte, hilft bei den Karmeliten als Ministrant aus.

Den Osterbeichtzettel abholen

Parallel zum Gottesdienst ist ein Kommen und Gehen aus der Beichtkapelle. Zwar sind die älteren Semester in der Mehrzahl, aber man sieht in diesem steten grauen Rinnsal der Beichtenden auch blonde, brünette und schwarze Köpfe: junge Familien, Mädchen, junge Frauen und junge Männer kommen mit dem Beichtzettel heraus.

Um 10.30 Uhr ist der Gottesdienst zu Ende. Pater Robert legt in der Sakristei das liturgische Gewand ab. „Wenn die Beichtstühle besetzt sind, dann kommen die Menschen auch zum Beichten“, spricht Wolfgang Nöth seine Wahrheit aus als meißle er sie in Marmor. Schon als Zehnjähriger hat er in St. Josef ministriert.

Beichtende in der neugestalteten Beichtkapelle der Karmelitenkirche St. Josef Foto: altrofoto.de

Pater Robert nimmt sich Zeit für ein Gespräch im Zimmer St. Theresia. „Die Heilige Pforte wirkt sich sehr positiv aus“, sagt der Pater aus der Steinpfalz, „aber das ist mehr Arbeit für uns“. Jede Woche muss er die Liste der Anfragen von Pfarreien und Verbänden erneuern. Am Valentinstag haben die Piusbrüder aus Zaitzkofen eine Andacht im Haus gehalten. Der Pfarreienverband Pettendorf, Pielenhofen, Wolfsegg plant am 4. Juni eine Fußwallfahrt in die Stadt. Hagen Horoba von Domplatz 5, Chef des katholischen Informations- und Besucherzentrums am Dom, fragte nach. Denn im April und im September soll ein Weg der Barmherzigkeit angeboten werden, an dessen Ende die Teilnehmer durch die Heilige Pforte eingehen.

Moderne Beichtkabinen

Ein Metallschild weist das Portal der Karmelitenkirche als Heilige Pforte aus. Zwei begrünte Säulen eskortieren sie. Auch sonst hat sich einiges verändert. Der alte hölzerne Windfang ist nicht mehr. Hinter der schmiedeeisernen Wand wurde eine Glasfront errichtet. Noch vor Ostern wird ein neues Weihwasserbecken aufgestellt.

Die Beichtkapelle ist der modernste Raum des Konvents. Der Bischöfliche Stuhl hat hier Geld in die Hand genommen und im November fünf ansprechende, dunkelgebeizte Beichtkabinen in den Raum gestellt. Auf den Bänken, die mit roten Kissen ausgelegt sind, warten die Beichtenden.

Neben Pater Robert und den beiden leiblichen Beierle-Brüdern Pater Theophan (Prior) und Pater Thomas spenden zwei weitere Karmeliter das Bußsakrament. Unterstützt werden sie von Prälat Georg Zinnbauer von der Alten Kapelle, der hier täglich von 9 bis 10 Uhr Dienst macht und wechselnden Vertretern der Dekanate von Stadt und Land.

„Es kommt auf die innere Einstellung an.“

Martin Priller

Der Regens des Regensburger Priesterseminars, Martin Priller, beobachtet das Geschehen mit Interesse. „Die offene Tür ist ein starkes Zeichen. Jesus sagt in der Bibel: Ich bin die Tür zu den Schafen. Wer durch mich eingeht wird gerettet werden“, meint der 48-jährige Priester. „Der Papst wollte sagen, es gibt immer einen Weg, so tief der Mensch auch gefallen ist. Das bricht Papst Franziskus ganz tief runter. Die Tür zur Gefängniszelle kann auch zur Heiligen Pforte werden. Es kommt auf die innere Einstellung an.“

Ewige Anbetung: Gläubige warten auf den 10-Uhr-Gottesdienst in St. Josef. Foto: altrofoto.de

Bei einem Kaffee aus dem Ansitz im ersten Stock des Orlando di Lasso sieht man Beichtende die Schwelle der Heiligen Pforte überschreiten. Es ist ein Paradoxon: Während es in der Fläche einen dramatischen Rückgang des Bußsakraments gibt und es mancherorts faktisch schon zum Erliegen gekommen ist, stehen Gläubige in der Karmelitenkirche Schlange. Auch bei Events wie dem Nightfever in St.Johann oder bei Wallfahrten wird das Sakrament der Versöhnung in Anspruch genommen. Mit leiser Stimme sagt Regens Priller, er lege bei der Priesterausbildung Wert darauf, dass die Beichtstühle in den Gemeinden verlässlich besetzt sind. Er bedauert, dass sich im inneren Zirkel der Gemeinden das Bewusstsein der Beliebigkeit durchgesetzt habe. Man denke dort, man könne alles selber mit dem Herrgott ausmachen. Der Verzicht auf den Beichtstuhl und die Alternative eines Bußgottesdienstes habe aber nun auch dazu geführt, dass die Bußgottesdienste auch nicht mehr wahrgenommen werden.

Dass Barmherzigkeit ein Mega-Thema ist, bekommt Martin Priller eher von den Rändern und von außerhalb der Kirche mit. Er schildert eine Erfahrung: Die Konferenz der Leiter der Priesterseminare hatten dieser Tage eine Zeitgeistforscherin zu Gast, eine Art Zukunftsforscher Matthias Horx im Rock. Sie sprach von der gnadenlosen Überforderung des modernen Menschen, der sich ständig selbst optimieren müsse, durch Yoga, veganes Leben und andere Zeitgeist-Trends. Wenn man die eigene Selbstoptimierung nicht erreiche, habe man versagt. Mit dem Sakrament der Versöhnung, einem Akt bedingungsloser Liebe und der Barmherzigkeit, bringe die Kirche ein Angebot, das völlig quer zum Zeitgeist liegt. „Das Pendel schlägt zurück“, meint Martin Priller. Leute, die von der Kirche weiter entfernt sind, merkten dies eher. „Sie haben eine starke Resonanz zum Thema.“

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Kommentare (1) Regeln Unsere Community Regeln

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  • AO
    Angelika Oetken
    25.03.2016 14:10

    Was zum Teufel ist ein "Beichtzettel"?

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