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Montag, 25. September 2017 19° 5

Mobilität

Hightech-Tram soll die Zukunft gehören

Im Stadtrat zeichnet sich eine Präferenz für ein ÖPNV-System auf Schienen ab. Ein Gutachter präsentierte Zwischenergebnisse.
Von Norbert Lösch, MZ

Schnell, leise und mit hohen Kapazitäten: So ähnlich könnte dereinst eine hochmoderne Trambahn auch für Regensburg aussehen. Foto: Komobile.at

Regensburg.Manchmal kommt eben auch der öffentliche Verkehr an seine Grenzen: Ausgerechnet am eisigsten Tag dieses Winters reiste Gutachter Helmut Koch von Oberösterreich nach Regensburg. Mit zweistündiger Verspätung präsentierte er dem Verkehrsausschuss des Stadtrats am Dienstagabend das Zwischenergebnis einer Studie für ein höherwertiges ÖPNV-System in Regensburg.

Koch ist Entwicklungsingenieur bei der Verkehrsplanungsgesellschaft Komobile, das federführende Unternehmen bei dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten. Das Zwischenergebnis der auf Regensburg zugeschnittenen Studie erläuterte Koch wie vereinbart am Jahresanfang. Dafür sowie für die vielen Fakten und Planungsansätze bedankten sich Sprecher nahezu aller im Verkehrsausschuss vertretenen Fraktionen.

Es gibt noch viele Unwägbarkeiten

In einer fast zweistündigen Diskussion kristallisierte sich eine Präferenz für ein schienengebundenes städtisches Nahverkehrssystem heraus. Das muss freilich noch in vielen Details weiterentwickelt und mit heutigen Unwägbarkeiten wie einer neuen ÖPNV-Drehscheibe im Bereich des Hauptbahnhofs in Einklang gebracht werden.

Sollte dereinst tatsächlich eine hochmoderne Trambahn beschlossen werden, würden sich die Stadtväter für die teuerste Variante entscheiden. Für ein „Maximalnetz“ mit drei Linien, 25 anzuschaffenden Fahrzeugen, den Umbau von Straßenzügen und einen Betriebshof haben die Gutachter Gesamtkosten von bis zu 456 Millionen Euro errechnet. In welchem Umfang das Projekt von Land und Bund gefördert werden könnte, steht noch völlig in den Sternen.

Die Hightech-Straßenbahn, möglicherweise mit einem Hybridantrieb ausgestattet, wäre laut Koch in jedem Fall ein „exklusives“ Verkehrsmittel. Das heißt, dass auf längeren Abschnitten keine Busse parallel zur Tram fahren würden. „Dieser Umstand hat Auswirkungen auf die Anzahl der Umsteigevorgänge im ÖPNV-Netz“, so Koch. Der Planer gab die Fahrgastkapazität mit bis zu 300 Personen an. Nur etwa die Hälfte könnten dagegen Doppelgelenkbusse aufnehmen, die zweite untersuchte Variante. Eigene Trassen wären auch für dieses Schnellbussystem vonnöten.

„Eine städtebauliche Chance“

Abgesehen von der doppelten Kapazität erkannten die Ausschussmitglieder bei der Tram noch weitere Vorteile. Deren Fahrzeuge wären „skalierbar“, das heißt die Länge des Triebwagens könnte dem jeweiligen Bedarf und den Gegebenheiten des Gleisnetzes, etwa an Stellen mit engen Radien, angepasst werden. Und nicht zuletzt könnte der Bau von Gleisanlagen städtebaulich Chancen eröffnen.

„Der Straßenraum kann durchaus attraktiver gestaltet werden. Dafür gibt es Beispiele in vielen europäischen Städten“

Gutachter Helmut Koch

, sagte der Gutachter.

Seine Aufforderung, den angedachten neuen Stadt-Express nicht isoliert zu sehen, deckte sich ziemlich genau mit Fragen und Anregungen der Ausschussmitglieder. Ziel müsse es sein, die Tram der Zukunft optimal mit anderen Verkehrsträgern wie der Bahn oder Regionalbussen zu verknüpfen – und mittels neuer Park-and-ride-Anlagen auch die Auto-Pendler zum Umsteigen zu bewegen. Auch neue Formen der Mobilität wie der organisierte Fahrradverleih oder Carsharing sollten eingebunden werden.

„Das Kostenthema darf am Schluss nicht der K.o.-Punkt sein“, sagte CSU-Sprecher Christian Schlegl, der den bisherigen Planungsstand als „Lichtblick und Meilenstein“ bezeichnete. Hinsichtlich seiner Anregung, mittelfristig auch die großen Arbeitgeber im Osten einschließlich BMW und Krones anzubinden, dämpfte der Gutachter allzu große Erwartungen. Bei anderen Projekten habe sich gezeigt, dass der stark schwankende Bedarf nur schwer in den Griff zu bekommen sei: Während vor und nach der Schicht eine durchaus starke Frequenz zu erwarten sei, sehe es dazwischen erfahrungsgemäß mau aus. Darauf eine verlängerte Linie auszurichten, sei schwierig.

Klaus Rappert (SPD) lobte die „konkrete Netzvorstellung“ und plädierte dafür, noch heuer die verkehrspolitischen Ziele klar zu definieren. Margit Kunc (Grüne) sah nach erfolglosen Anläufen jetzt „zum ersten Mal die Machbarkeit einer Stadtbahn dargestellt“. Sie fand besonders die prognostizierten Fahrgastzuwächse von bis zu 30 Prozent „beachtlich“.

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