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Welterbe

In St. Kassian läuten wieder die Glocken

Nach acht Jahren Sanierung der erste Gottesdienst: Bischof Voderholzer konsekriert am Sonntag um 9.30 Uhr den Volksaltar.
Von Ralf Strasser, MZ

  • Hell und frisch: Der Blick in die Kassianskirche. Vorne steht der neue Volksaltar Fotos: Ralf Strasser
  • Die Schmerzensmutter Foto: Strasser
  • Maria mit dem Kinde Foto: Strasser
  • Stiftskanoniker Karl Raster (links) und Stiftspfarrer Helmut Huber bewundern die Deckengemälde.
  • Architekt Feil mit Baustellenfahrplan Foto: Strasser
  • Michael Feil, Christian Wanninger, Prälat Robert Thummerer, Stiftsdekan Norbert Glatzel, Stiftspfarrer Helmut Huber, Stiftskanoniker Karl Ruster, Georg Zinnbaue Foto: Strasser

Regensburg. 1130 Jahre ist die Kirche St. Kassian alt. In Ehren grau geworden, beschützt und geborgen. Man sagt, der Hl. Kassian habe sie behütet, beim Stadtbrand anno 891. Und doch wäre in den letzten sechs Jahrzehnten beinahe ihr Ende gekommen.

Ruß, Staub und Feuchtigkeit nagten an ihr, setzten der Kirche, die mit dem Kollegiatstift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle verbunden ist, lebensbedrohlich zu. „Es war buchstäblich ‚Fünf vor Zwölf‘, erinnert sich Geschäftsführer des Kollegiatstifts Christian Wanninger, an die dringliche Notwendigkeit einer Sanierung, die 2007 begann und schon vor Jahren hätte abgeschlossen sein sollen.

60 Firmen wirkten mit

„Wir hatten extreme statische Probleme und mussten feststellen, dass die Kirche in ihren Fundamenten vor dem Einsturz stand.“ Auch Stuck und Fresken wären wohl unrettbar verloren gewesen, wenn das Stiftskapital nicht beschlossen hätte, 2006 zuerst die Außenrenovierung in Angriff zu nehmen. Seitdem ist mit 6,6 Millionen Euro viel Geld geflossen, 60 Firmen wirkten mit, ein Expertenteam kümmerte sich unter der Leitung des jungen und engagierten Architekten Michael Feil um die verschiedenen Restaurierungsbereiche wie Stein, holzsichtige Ausstattung, Altar oder Elektroarbeiten. Restaurateure belebten Fresken und Malerei, Hoch- und Seitenaltare erstrahlen nun in neuem Glanz, der dem Original entspricht.

Die Arbeiten an der Raumschale waren umfangreich: Die Fassung der letzten Renovierung von 1954/55 wurde gereinigt und die beschädigten Bereiche ergänzt, schadhafte neue Putze in den Sockelzonen und Anstriche mit Dispersionsanteil gezielt abgenommen. „Man erreicht mit dieser Vorgehensweise eine Aufhellung und insgesamt eine gepflegte, einheitliche Gesamtwirkung im Zusammenspiel mit den Decken- und Wandgemälden“, sagt Feil.

Der Altarstein stammt aus Laas

Vor allem auf die Neugestaltung der liturgischen Orte wurde Wert gelegt. In den Mittelpunkt rückte ein 2,8 Tonnen schwerer Altarstein aus kristallinem weißen Marmor aus Laas im südtirolerischen Vinschgau, wo der Kirchenpatron St. Kassian im vierten Jahrhundert der erste Bischof von Säben/Brixen war.

Die immer wieder gestellte Frage „wann ist die Kirche fertig?“ kann nun mit dem 18. Oktober 2015 beantwortet werden, wenn am Sonntag um 9.30 Uhr die Festmesse und Konsekration des neuen Volksaltares durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zelebriert wird. Dass die Kirche aus einem vermeintlich hässlichen Entlein ein heller Schwan wurde, konnten die Regensburger schon Ende 2009 nach dem Abbau des Außengerüsts bemerken. Während die vielen Gotteshausbesucher vergeblich die verschlossenen Türklinken zum Innenraum drückten, gingen die Renovierungsarbeiten weiter und jetzt glänzt das Juwel in der Weltkulturerbestadt auch von innen heraus.

„Es war schwierig gute Lösungen etwa für den Altarbereich zu finden“, sagt Stiftsdekan Norbert Glatzel. So erwies sich der Altarraum vor dem Hochaltar nicht geeignet, die Liturgiefeier nach Anregungen des II. Vatikanums zu feiern. Deshalb nun die neue Altarinsel aus Altar, Ambo und Vorsitz gefertigt aus reinstem Marmor. „Ein bewusster Gegensatz und dennoch nimmt er die Thematik auf, stellt Verbindungen her“, erklärt Architekt Feil.

Die Arbeiten waren nicht immer einfach, viele Hindernisse und Hürden mussten überwunden werden. Und doch gab es unvergessene Tage. „Etwa die Aufdeckung der Grundmauern der Vorgängerkirchen im Rahmen der statischen Stabilisierung, durch die ganz neue Erkenntnisse über die Baugeschichte gewonnen wurden“, sagt Stiftsdekan Glatzel.

6,6 Millionen Euro für Juwel

  • Wiedereröffnung:

    Am Sonntag konsekriert Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den neuen Volksaltar. Beginn 9.30 Uhr

  • Festwoche:

    Anlässlich der Wiedereröffnung der Stiftspfarrkirche St. Kassian am Kassiansplatz, gestaltet das Stiftskapital eine Festwoche, die mit einem Vortrag von Architekt Michael Feil am Sonntag, 18.10. um 16 Uhr beginnt. Weitere Veranstaltungen: Dienstag 20.10.: Vortrag Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum marianischen Programm der Kirche, Beginn 19.30 Uhr. Am 21.10. Festkonzert um 19.30 Uhr. 22.10.: Vortrag Klemens Unger „Kleinod St. Kassian“, um 19.30 Uhr. 23.10.: Festlicher Gottesdienst in St. Kassian um 10 Uhr und um 19.30 Uhr zwei Vorträge von Dr. Eugen Trapp und Dr. Michael Schmidt zu Fresken und Baugeschichte. 24.10.: Öffentliche Kirchenführung um 11 Uhr. 25.10.: Vesper mit Kirchenführung ab 15 Uhr.

  • Festschrift:

    Mit der Eröffnung erscheint eine Informationsbroschüre mit dem Titel „Die Stiftskirche St. Kassian - Regensburgs älteste Pfarrkirche, das Buch über die Renovierung ist erhältlich in der Sakristei von St. Kassian zum Preis von 24,95 €.

  • Kosten:

    Für die Außenrenovierung wurden 2,6 Millionen Euro ausgegeben, die Innenrenovierung kostete 4 Millionen Euro.

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