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Sonntag, 19. November 2017 3

Soziales

Junge Flüchtlinge kommen ins Michlstift

100 Kinder und Jugendliche sollen im Regensburger Pflegeheim untergebracht werden. Darunter 75 minderjährige Flüchtlinge.
Von Micha Matthes, MZ

Regensburg.Junge Flüchtlinge sollen im Michlstift ab Herbst eine Zuflucht finden. Das erfuhr die MZ am Montag aus Koalitionskreisen. Seit die Stadt im März bekanntgegeben hatte, dass die Senioren ausziehen müssen, wurde viel über die weitere Nutzung des Pflegeheims am Singrün 2a gerätselt. Hotel, Frauenhaus oder Reptilienzoo, so lauteten die ersten Ideen seitens der Stadt. Nun ist die Entscheidung gefallen: Das Gebäudeensemble, das seit 2006 zum Weltkulturerbe gehört, wird für die Unterbringung von rund 100 Kindern und Jugendlichen verwendet. Teilweise stammen diese aus Problemfamilien, den Hauptteil machen jedoch 75 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus. Anfang Herbst sollen die ersten Jugendlichen in das neue Kinderschutzhaus einziehen.

Eine Entlastung für Jugendheime

Insgesamt werden sich wohl sieben Verbände die Räume aufteilen. Genutzt werden soll das Gebäudeensemble unter anderem von der Jugendschutzstelle, als Kinderschutzhaus, für betreutes Jugendwohnen der Stadt, für einzelbetreutes Wohnen für minderjährige Flüchtlinge, für Nachfolgegruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, als Übergangsraum für zugewanderte Familien aus Südosteuropa und als Haus für alleinerziehende Frauen aus den Gemeinschaftsunterkünften.

Das Konzept für die Belegung stammt von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und von Günter Tischler, Leiter des Amts für Jugend und Familie. „Natürlich freue ich mich, dass das realisierbar ist“, sagt Tischler. „Dann haben wir einen Ort speziell für junge Menschen, die Schutz und Ruhe brauchen.“

Das Gebäudeensemble wurde 1882 zur Unterbringung des vom Fürstenhaus 1860 gegründeten Mathildenspitals für Kinder genutzt. Bis 1926 war es in dieser Funktion. Im Grunde genommen kehre man mit dem Kinderschutzhaus also wieder zur ursprünglichen Funktion zurück. „Es ist ein Konzept, mit dem sich die Mitbürgerinnen und Mitbürger sicher gut anfreunden können und ein angemessenes Projekt für die weitere Nutzung“, sagt Tischler. „Erst wohnten dort ältere Menschen, die ohne Unterstützung nicht leben konnten, und ab Herbst werden dort Kinder und Jugendliche wohnen, die ebenfalls auf Unterstützung angewiesen sind. Der soziale Gedanke wird also fortgeführt.“

75 minderjährige Flüchtlinge werden in dem Heim am Singrün wohnen. Foto: Matthes

Derzeit sind im Kinderzentrum St. Vincent und im Don Bosco Zentrum rund 200 minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Die neuen Pläne für das Michlstift verschaffen den beiden Einrichtungen etwas Luft. „Es ist ganz schwer kalkulierbar, aber wir werden mit dieser Entscheidung wohl die Planungszahlen, die für 2015 zugrundeliegen, einlösen“, sagt Tischler. Danach müssen in diesem Jahr 120 zusätzliche Plätze eingerichtet werden. Rund vierzig davon gibt es bereits. 75 sollen nun im Michlstift entstehen. „Wenn die Prognosezahlen für heuer zutreffen, kommen wir also hin.“

Auch im Landkreis werden ab nächster Woche Zugänge bei den minderjährigen Flüchtlingen erwartet. Bis Ende des Jahres sollen es rund 140 im Landkreis sein, heißt es aus dem Landratsamt. Derzeit sind im Landkreis 25 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in verschiedenen Gruppen untergebracht. Das Kreisjugendamt sei derzeit mit verschiedenen Trägern im Gespräch, damit zusätzliche Plätze geschaffen werden. Zudem werde das ehemalige Dienstgebäude III, das ehemalige Autohaus Wagner, in dem bis zum September 2014 die Regionalentwicklung des Landratsamts untergebracht war, als Notaufnahmelager vorbereitet.

OB informiert über Flüchtlinge

  • Am Dienstag

    präsentiert Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gemeinsam mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer bei einer Pressekonferenz im alten Rathaus das Konzept zur Nachnutzung des Bürgerstifts St. Michael.

  • In der Turnhalle des Sportclubs

    Regensburg, Alfons-Auer-Straße 26, findet am Dienstag um 20 Uhr eine Informationsveranstaltung für Bürger zur geplanten Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände der ehemaligen Bajuwarenkaserne statt.

Brandschutz wird nicht erneuert

Laut den Angaben der Stadt „entspricht das Bürgerstift St. Michael nicht mehr den baulichen Anforderungen an ein modernes Pflegeheim“. Vor allem der Brandschutz sei für pflegebedürftige Menschen nicht mehr zeitgemäß. Daher sollen die derzeit noch 54 Bewohner bis August in das Bürgerheim Kumpfmühl umziehen. Wenn in dem Gebäude künftig nur junge, mobile Menschen lebten, müsse der Brandschutz nicht extra erneuert werden, heißt es aus Koalitionskreisen.

Seit Monaten spaltet die Debatte um das Bürgerstift die Geister. Einige Bewohner und Angehörige fühlten sich von der Schließung überrumpelt und kritisierten die Gründe, die die Stadt für die Schließung anführte. Mit einer Petition holten sie zum Gegenschlag aus. Unterstützt wird die Petition derzeit von 1248 Unterzeichnern und damit 47 Prozent der von openpetition vorgegebenen Stimmen. Den Oberbürgermeister brachte die Stimmensammlung im Stadtrat schon zur Weißglut. Der Streit gipfelte in einer Anzeige des Schließungs-Gegners Kurt Raster gegen OB Joachim Wolbergs.

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