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Bewegung

Karate fördert die Kinder ganzheitlich

Respekt vor dem anderen ist im Kampfsport die höchste Tugend. Das Nachwuchstraining kann ab dem Grundschulalter beginnen.
Von Angelika Lukesch, MZ

Karate eignet sich sehr gut für Kinder, allerdings erst ab dem Grundschulalter. Vorher können sie höchstens reinschnuppern. Foto: DKV

Regensburg.Kampfsportarten liegen im Trend, vor allem Karate genießt hohe Popularität. Der Donaustaufer Wolfgang Weigert, Präsident des Deutschen Karateverbands (DKV), sagt, beim Karatetraining gehe es um die Kampfkunst. Dies bedeute: „Wir verzichten auf die Trefferwirkung. Ich führe den Stoß aus, stoppe aber millimetergenau, ehe ich den Partner treffe – wir nennen ihn nicht Gegner. Das ist eine Kunst: Ich könnte es, aber ich darf es nicht!“ Der gegenseitige Respekt zweier Karateka, die miteinander „kämpfen“, steht bei allen Stößen und Schlägen an oberster Stelle.

Der Karateka beherrscht seinen Körper. Volle Konzentration ist unabdingbar. Um dies zu erreichen, wird regelmäßig trainiert. „Es macht aber auch nichts aus, wenn man mal aussetzt, vielleicht sogar ein paar Jahre. Ein Karateka ist gleich wieder drin“, sagt Weigert, der auch EU Beauftragter des europäischen Karateverbands ist. Auch geht es beim Training nicht vorrangig um schnelle Erfolge. „Man muss Ehrgeiz zeigen und es wollen. Der Durchbruch kommt manchmal erst viel später. „Unser Wahlspruch heißt: Wer andere besiegt, hat Kraft. Wer sich selbst besiegt, ist stark!“, erklärt Weigert die Karate-Philosophie. Auch eigne sich dieser Sport, der zu 95 Prozent als Breitensport ausgeübt wird, sehr gut auch für linkische und körperlich ungeschickte Menschen. „Es geht um die innere Einstellung“, ermuntert der DKV-Präsident mögliche Interessenten.

Verband garantiert soziale Preise

Gerade weil beim Karate auch die Konzentration, die Kontinuität und der Respekt vor anderen Menschen gelehrt werden, eignet sich dieser Sport besonders gut für Kinder. In Stadt und Landkreis Regensburg gibt es 29 staatlich anerkannte Karatevereine, die dem DKV angehören. „Nur staatlich anerkannte Vereine dürfen das Logo des Bundesinnenministeriums bei ihren Prüfungsurkunden verwenden. Damit ist höchster Standard zu sozialen Preisen ab zehn Euro – je nach Trainingsintensität und Trainingsstätte – garantiert“, erklärt Weigert. Die Prüfungen, die in diesen Vereinen abgenommen werden, unterliegen hohen Standards und sind international gültig (World Karate Federation, anerkannt vom IOC).

Kinderkarate wird in den staatlich anerkannten Karatevereinen erst ab dem Grundschulalter angeboten. Dies hat seinen Grund. An den 28 Regensburger Karatevereinen sind über 100 Übungsleiter beschäftigt. Um den Übungsleiterschein machen zu dürfen, muss der Bewerber den braunen Gürtel haben. Dies erfordert beim DKV-Prüfungssystem mit festgeschriebenen Wartezeiten drei bis fünf Jahre praktisches Training und sechs erfolgreiche, staatlich anerkannte Prüfungen. „Erst dann dürfen unsere Mitglieder nach 135 Ausbildungsstunden eine Prüfung zu diesem staatlich anerkannten Fachübungsleiterschein in Karate absolvieren“, erläutert Weigert die hohen Anforderungen, die ein Karatefachübungsleiter in DKV-Karatevereinen erfüllen muss. Damit ist klar, dass auch für das Kindertraining in den 28 Karate-Vereinen in Stadt und Landkreis Regensburg ein bestens ausgebildeter Trainer zur Stelle ist.

Das Kind muss sich konzentrieren

Doch warum sollen Kinder erst ab dem Grundschulalter Karatetraining erhalten? Professor Dr. Petra Jansen, Lehrstuhlinhabern für Sportwissenschaften der Universität Regensburg, begründet dies so: „Ab dem frühen Grundschulalter ist ein Training von Karate sinnvoll, da sich ab diesem Alter die Koordinationsfähigkeiten, die beim Karate besonders beansprucht werden, entwickeln. Darüber hinaus entwickeln sich im Grundschulalter auch die sogenannten exekutiven Funktionen stark, das Arbeitsgedächtnis, die Inhibition (Hemmung, Verzögerung, Verlangsamung einer Aktion) und die kognitive Flexibilität – alles kognitive Fähigkeiten, die beim Karate beansprucht und trainiert werden.“

Ihrer Meinung schließt sich Dr. Thomas Bäuml an, Leiter der medizinischen Kommission des Deutschen Karateverbands. Er sagt: „Ein karatespezifisches Training im Alter von drei Jahren ist in meinen Augen wenig sinnvoll beziehungsweise eigentlich nicht durchführbar. Ab dem frühen Grundschulalter sind Kinder in der Lage, aufgrund ihrer Koordinationsfähigkeiten ein eigentliches Karatetraining durchzuführen.“ Auch Dr. Katharina Damen-Zimmer vom Institut für Psychologie der Universität Regensburg hat eine dezidierte Meinung dazu: „Im Alter von drei Jahren zeigen Kinder große Bewegungsfreude und Bewegungsdrang. Für eine allgemeine motorische Förderung sind vielfältige Erfahrungen wichtig, bei denen auf spielerische Weise die Ausbildung von Gleichgewicht, Haltung und Koordination gefördert wird.“ Damit würden die Grundlagen für das Üben unterschiedlicher Sportarten gelegt. Das Erlernen und Beherrschen von Karatetechniken erfordere eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentration, sagt Damen-Zimmer.

Im Alter von drei Jahren sei die Konzentrationsspanne allerdings noch kurz. „Ein Karate-Training empfiehlt sich dann, wenn Kinder dieser Aufgabe gewachsen sind, etwa ab dem frühen Grundschulalter.“

Karate in Stadt und Kreis

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