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Umwelt

Kein Aufatmen mit der Stadt-Luft

Deutliche Alarmsignale: 2014 war Regensburg Feinstaub-Spitzenreiter. Jetzt werden Stickstoffdioxid-Grenzwerte überschritten.

Stickoxide können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker. Foto: dpa

Regensburg.Mit der Autoflut kommt der Dreck in die Stadt. Regensburg leidet unter einer großen Verkehrslast und infolgedessen auch unter schlechter Luft. Zwei Werte sind für die Luftreinheit entscheidend: Feinstaub und Stickstoffdioxid. Die Alarmsignale sind deutlich: 2014 war die Feinstaubbelastung in keiner bayerischen Stadt so hoch wie in Regensburg. Und in den aktuellsten Zahlen des Landesamts für Umwelt (LfU) zeigt sich nun die Stickstoffdioxid-Belastung deutlich.

Beide Werte hat das Regensburger Umweltamt – laut eigenen Angaben – ständig im Blick. „Wir wissen, dass die Luftschadstoffe gesundheitsschädlich sein können und dass man gegensteuern muss“, sagt der Leiter des Umweltamts. Handlungsbedarf sieht Rudolf Gruber aber nicht nur bei der Kommune. „Der VW-Skandal zeigt, dass auch bundesweit etwas geschehen muss.“ Nichtsdestotrotz sei die Stadt in der Pflicht, weil die Werte vom lokalen Verkehr abhängig seien.

Der Grenzwert für Stickstoff-Dioxid liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Foto: dpa

Der Grenzwert für Stickstoff-Dioxid liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das Umweltbundesamt stellte im vergangenen Jahr an rund 60 Prozent aller in Straßennähe gelegenen Messstationen eine Überschreitung dieses Grenzwertes fest. In Bayern lagen Stationen in Augsburg (49 Mikrogramm), Nürnberg (48) und auch Regensburg (41) über dem Grenzwert. Der landesweit höchste Wert wurde in München (84) erzielt. Beim Stickstoffdioxid gebe es in Regensburg eine kontinuierliche Minderung des Wertes seit 2000, sagt Gruber. „Aber seit die Grenzwerte 2010 gesenkt wurden, sind wir immer unmittelbar an der Grenze von 40 mg dran: 2014 lagen wir mit 38 mg darunter, jetzt sind wir wieder darüber.“

Asthmatiker besonders gefährdet

Gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker. Sie können aber auch Herz- und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: Stickoxide sind giftig für Blätter und führen zur Überdüngung sowie Versauerung der Böden. Außerdem tragen die Stoffe zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei.

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Mit Umweltzonen und Fahrverboten kämpfen Städte gegen die Gefahr. Und 2014 konnten viele Regionen auch aufatmen. Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass der Grenzwert 2014 vielerorts an weniger Tagen überschritten wurde als 2013. Auch in München, Nürnberg und Passau war die Luft sauberer geworden. Für Regensburg galt das jedoch nicht. Mit 30 Überschreitungen lag die Domstadt 2014 an der Spitze der von Feinstaub geplagten Städte. 2015 hatte Regensburg laut LfU dann aber wieder nur elf Überschreitungstage.

„Regensburg ist trotzdem nur knapp unter dem Schwellenwert“, davon ist Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bund Naturschutz Regensburg, überzeugt. „Man hat jetzt ein Jahr Glück gehabt. Die Situation ist deshalb aber nicht gut.“ Aktuell gebe es keine Überschreitung, aber der Feinstaubwert könne wieder höher werden, sagt auch Rudolf Gruber. „Von Stickstoffdioxid war 2014 noch nicht die Rede – uns war aber immer klar, dass man auch hier genau hinschauen muss.“ Auch deshalb sei der Entschluss gefasst worden, eine Umweltzone einzuführen.

Städte wie Berlin oder Augsburg vertrauen schon lange auf die positive Wirkung von Umweltzonen. Nach jahrelangen Diskussionen hat der Stadtrat im Oktober 2014 eine Umweltzone für Regensburg auf den Weg gebracht. Foto: dpa

In Regensburg wurden schon 2011 die Schilder für eine Umweltzone angeschafft. Nach jahrelangen Diskussionen hatte der Stadtrat im Oktober vergangenen Jahres die Umweltzone auf den Weg gebracht. Jetzt muss der Freistaat die Maßnahme noch in die Fortschreibung des Luftreinhalteplans aufnehmen. Frühestens im Sommer könnte sie nun Realität werden. Die Maßnahme sei nur ein wichtiger Baustein von vielen, sagt Gruber. Auch die Verbesserung des ÖPNV und Förderprogramme im Bereich der E-Mobilität spielten eine entscheidende Rolle.

Bund: Umweltzone ist zu klein

Stickoxide können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Besonders gefährdet sind Asthmatiker. Foto: dpa

Es sei ein Bewusstsein für die Luftschadstoffe da, sagt Schoberer. „Aber das Problem ist so diffus, dass die Bereitschaft, sich als einzelner Bürger einzusetzen, sehr gering ist.“ Daher sollte es seitens der Stadt ordnungsrechtliche Schritte geben. Die Stadt müsse etwa die Brennstoffverordnung wieder einführen, fordert Schoberer. Gerade die Verbrennung von Kohle und Holz produziere sehr viel Feinstaub. Die Umweltzone ist aus Sicht des Bunds Naturschutz deutlich zu klein ausgefallen. „Das Problem ist, dass sie nur noch drei bis fünf Prozent der Pkw tangiert. Alle anderen haben schon die grüne Plakette“, sagt Schoberer. „Wenn es somit nur um die dreckigsten Stinker geht, könnte man die Zone ja problemlos ausweiten – ohne der Wirtschaft zu schaden.“

„Der Feinstaub sammelt sich im Körper über Jahrzehnte an. Durch giftige Partikel bedingte Herzkreislauferkrankungen treten dann oft erst bei älteren Menschen zutage“, sagt Schoberer.

Jeder Tag, den Regensburg noch länger auf die Zone warte, sei daher ein Tag zu viel. Die Umweltzone lohne sich in jedem Fall. „Es ist ja auch nicht so, dass der Verkehr in Regensburg in absehbarer Zeit abnehmen wird.“

Eine wesentliche Ursache für die Beeinträchtigung der Luftqualität durch Luftschadstoffe wie Stickstoffoxide oder Feinstaub seien verkehrsbedingte Emissionen, sagt eine Sprecherin des Landesamts für Umwelt. „Verkehrsbezogene Maßnahmen können daher grundsätzlich geeignet sein, die Schadstoffbelastung zu senken.“

Stuttgart hat ein Problem. Nun appelliert man zum Autoverzicht. Foto: dpa

Als erste deutsche Großstadt setzt Stuttgart künftig auf Feinstaub-Alarm. Seit dem 11. Januar wird die Bevölkerung dort über die Medien oder Infotafeln am Straßenrand informiert, wenn bei den Luftschadstoffen wie Feinstaub oder Stickstoff eine Überschreitung der Grenzwerte droht. Dann sollen Fahrer freiwillig aufs Auto verzichten und auf den Nahverkehr umsteigen.

Bei der MZ-Podiumsdiskussion im Rahmen der Themenwoche Verkehr wurde das Thema Luftverschmutzung in Regensburg von Experten und Lesern aufgegriffen. Zuhörer beklagten bei dem Gespräch im Verlagsgebäude am Montag etwa, dass die Luft in der Domstadt außergewöhnlich schlecht sei.

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