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Literatur

Köstlbacher löst keine Fälle mehr

Paul Fenzl hat seinen Kommissar befördert und wendet sich anderen Themen zu. Er schreibt Mystery- und Science-Fiction-Romane.
Von Marion Lanzl, MZ

  • Regensburg ist in den sieben Köstlbacher-Krimis des Autors Paul Fenzl ein heimlicher Hauptdarsteller. Foto: Lanzl
  • Paul Fenzl mit seiner Frau Virginia Foto: Lanzl

Regensburg.Der Kommissar Köstlbacher hat in sieben Büchern, auf seine ganz spezielle, etwas eigenwillige Art und Weise, die Verbrechen in der Alten Münz, den Regensburger Biergärten und dem Villapark aufgeklärt. Nun lässt ihn sein Schöpfer, der Autor Paul Fenzl, zur Ruhe kommen und widmet sich neuen, spannenden Themen – eine Akte X in Bayern.

Wenn man die Köstlbacher Krimis, des Regensburger Schriftstellers Paul Fenzl, liest, dann hat man das Gefühl, man ist mit dabei. Als würde der urige Kommissar mit der sympathischen Psychomacke grad eben einem selbst, beim Kneitinger, einem seiner liebsten Plätze, am Stammtisch von seinem Fall erzählen. Die Sprache und der Stil der Krimis ist eigenwillig, markant, oberpfälzisch und mit angenehmen Lokalkolorit.

„Eine der Bedienungen im Kneitinger hat mir damals ihre Lebensgeschichte erzählt, daraus sind die Figuren für den Fall „Ausgebrannt“ entstanden“, erzählt Fenzl im Rückblick und fragt nach der jungen Frau. „Die is heut ned da“, informiert die Kollegin und stellt den Cappuccino auf den alten Holztisch im urigen Gastraum.

Viele reale Persönlichkeiten aus Regensburg fließen in die Geschichten Fenzls ein. Ob im Krimi „Tod einer Tanzschülerin“ im zweiten Fall „Villapark“ oder beim „Biergartenmörder“. Astrid Söll zum Beispiel ist eine zentrale Protagonistin in „Ausgebrannt“. Es geht um Industriespionage, Brandanschläge und den Mord an einer vietnamesischen Näherin.

Auch als Regensburg von einem schweren Brandanschlag auf die Ostdeutsche Galerie erschüttert wird, landet das Verbrechen, beim Kriminalhauptkommissar Köstlbacher auf dem Schreibtisch und er steht vor einer „Ermittlungssackgasse“. Der frischgebackene Oberbürgermeister Joachim Wolbergs schließt, auch im Buch, politische Motive nicht aus. Immerhin steht die Ostdeutsche Galerie doch irgendwie für Völkerverbindung. Oder war es doch schnöder Vandalismus? Dass gewisse Kreise, „dieses braune Gesockse“, wie sie der Köstlbacher nennt, mit blinder Zerstörungswut, im Falle der Galerie, auch ein politisches Zeichen setzen wollten, das traut der Köstlbacher diesen hirnlosen Glatzköpfen allerdings gar nicht zu. Wahrscheinlich war es doch blanker Vandalismus. „Aber dann kommt dem Köstlbacher noch eine weitere Idee...!“ lacht Fenzl verschmitzt.

Der Köstlbacher ist auch jetzt, nach seinem letzten Fall, nicht ganz aus der Welt, Fenzl lässt seine Figur nicht sterben. Lediglich befördert wird der Kriminalkommissar und damit hat er keine Fälle mehr zu lösen, sondern sitzt im Büro in der Bajuwarenstraße. Zeit für Fenzl, sich anderen Ideen, zu widmen, die schon lange in dem Spätberufenen, wie er sich selber nennt, schlummern.

Zwischen Hungertanz und Salsa

Beim monatlichen, volkstümlichen Tanzen im Leeren Beutel, hat Paul, vor ein paar Jahren, den stellvertretenden Bezirksheimatpfleger Hans Wax kennen gelernt. In dessen Bibliothek schlummerten drei Bände eines Gelehrten aus dem 19. Jahrhundert. Rund 1300 Sagen aus Bayern hatte der darin nieder geschrieben, Fenzl hat die Essenz, rund 30 pro Regierungsbezirk, mit viel Feingefühl heraus gefiltert. Mit akribischem Ansatz viele der heute unverständlichen, altbayrischen Wörter zusammen mit einem Sprachexperten der Uni ins gebräuchliche Deutsch übersetzt. Zusammen mit den Quellenangaben eine wahre Sisyphusarbeit. Letztendlich wurde ein 450 Seiten umfassendes Werk mit Sagen aus Bayern bei einem Münchner Verlag publiziert.

Auf einer Hütte bei Garmisch. hat sich Fenzl die Location für den „Lärm der Stille“ buchstäblich erarbeitet. Auch wenn er sich nicht als passionierten Bergwanderer sieht, die körperliche Recherche musste sein. „Dort oben, abseits des geräuschvollen Alltags, hörte ich auch meinen Tinnitus wieder, der geht sonst im allgemeinen Lärmpegel einfach unter!“, lacht der Schriftsteller.

Dort oben fand er den sprichwörtlichen Lärm der Stille, in dem auch die Freiheit wieder eine Stimme bekommt. Es sind die Stimmen von fünf Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Für die Hamburger Werbefachfrau ist Freiheit ihr unabhängiges Leben, für die dunkelhäutige Sopranistin ist es der Wert ihrer Stimme, die ihr die Welt eröffnet. Für Gisela, die Bedienung aus Berchtesgaden, wäre es die große Freiheit, wenn sie in eben diesem sogenannten Lokal in Hamburg arbeiten könnte. Die Wege dieser Frauen kreuzen sich mit einer Syrerin, deren Vorstellung von Freiheit ist, nach ihren Erfahrungen im Krieg, ganz anderer Natur. „Vielleicht gibt es den „Lärm der Stille“ als E-Book, aber vielleicht findet sich auch noch ein passender Verlag.“, erzählt Paul Fenzl.

Mysteriöses unter der Ruine

Als Fan der alten „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“-Filme, die bis Ende der 90er Jahre ausgestrahlt wurden und damit einen wahren Hype auslösten und seither als Begründer des Mysterygenres in seiner heutigen Form, gelten, hat Paul nun Science-Fiction-Elemente in seinem Politthriller „Schwarz“ hinein geschrieben. Das Schwarz bezieht sich hier aber nicht etwa auf eine Partei, nein es ist der Name der Operation, die die Forschungseinheit stoppen soll.

Das Zentrum des Geschehens liegt bei Fenzls mystischer Story aber nicht etwa in der Area 51 in Amerika, sondern mitten in Bayern. Tief unter einer fiktiven Schlossruine forschen Wissenschaftler am Phänomen Zeit. Ziel ist es, die menschliche Restlaufzeit für die bemannte Raumfahrt zu beherrschen oder zumindest zu umgehen, denn manche Galaxien liegen weiter weg als ein Menschenleben zählt. Bakterien machen das ganze zum Pulverfass, die weltweit für Phänomene sorgen. Ungeplante Zwischenfälle, der Anfang einer globalen Katastrophe. Sicher beeinflusst hat Fenzl dabei sein Schwiegersohn, ein Astro-Physiker mit gewissem Insider Wissen. Menschliche Körper einfrieren um später wieder zu erwecken, oder sagen wir besser aufzutauen? All sowas ist nicht nur Fiction sondern durchaus experimentelle Gegenwart. „Ähnliche Informationen lese ich oft auch in meiner Mittelbayerischen. Wir sind näher an dieser Zukunft als uns bewusst ist!“

Die Zukunft für Bücher liegt im 21. Jahrhundert natürlich auch im Internet. Das neue Werk wird diesmal, in Selbstvermarktung, als Book on Demand, als E-Book, auf den gängigen Portalen, für nicht mal einen Euro, zu bekommen sein. Fenzl schnauft schwer: „Die Vorlaufzeit der Verlage sind sehr lange und ich wollte den Lesern eine neue und extrem preisgünstige und schnelle Art, des Zugangs, zu den Geschichten, schaffen. Aber eine Vorlaufzeit von mehreren Wochen scheint auch hier Usus.“

Die nächste Science-Fiction-Story brodelt derweil schon in Fenzls Fantasie. Dabei spielen die alten Kelten eine Rolle, die nachweislich nach dem Einschlag eines Meteoriten Schwerter aus härterem Stahl fertigten als zuvor. „Das ist wissenschaftlich belegt“, so Fenzl, der gerade in der Recherche steckt. Darüber hinaus wird im Oktober auch ein neuer Krimi herauskommen. Der dann wieder als Buch beim lokalen Gietl-Verlag erscheinen wird. Allerdings ein ganz neues Format, das diesmal den anscheinlichen Suizid eines Münchner Staatsanwalts aufklärt. Wie immer bei Fenzl, nahe an reellen Ereignissen und mit spannenden Charakteren.

Noch viele Geschichten hat der ehemalige Grund- und Hauptschullehrer im Kopf, strickt sie aus aktuellen Geschehnissen, in seinem Haus am Rand von Regensburg. Bayerische Krimis, unheimliche Fälle fürs „FBI“ und, ganz aktuell, Liebesgeschichten mit einer guten Portion Erotik gehen ebenso gut zusammen wie Traditionstänze und heißer Salsa. Beides tanzt Paul Fenzl gern mit seiner Frau Virginia, einer rassigen Schönheit mit Cherokee Wurzeln. 2018 ist dann sogar eine Reise in Fidel Castros karibisches Salsaparadies mit den Kubaboarischen, der bayrisch-kubanischen Combo, geplant. Mit Lederhosen und Wadlstrümpf auf dem Inselstaat zwischen dem Golf von Mexiko, dem Atlantik und der Karibik, wird sicher inspirierend und ergibt neuen Stoff, für Geschichten und Krimis - unter karibischer Sonne aber mit bayerischem Hüftschwung.

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