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Samstag, 23. September 2017 21° 1

Kundgebung

Mit dem Herzen am „Puls von Europa“

Mehrere Hundert Menschen sprachen sich vor dem Regensburger Alten Rathaus für das Miteinander der Nationen aus.
Von Daniel Steffen, MZ

Ein besucherstarkes Debüt hatte die Kundgebung „Pulse of Europa“ vor dem Regensburger Rathaus. Foto: Steffen

Regensburg.Jubelnd rissen sie die Hände hoch für ein weiterhin vereintes Europa und schwenkten – dem Brexit zum Trotz – die Fahne der Europäischen Union. Rund 400 Menschen haben am Sonntag ein Zeichen für das Miteinander in den noch 28 Mitgliedsstaaten gesetzt. Zur Kundgebung vor dem Alten Rathaus hatte die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ eingeladen, die im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main gegründet wurde. Sie möchte den europäischen Gedanken in der Bevölkerung wieder sichtbarer machen und hat auch in Regensburg viele Fürsprecher gefunden. Mehrere von ihnen meldeten sich am Sonntag mit Beiträgen zu Wort und schilderten ihre proeuropäische Sicht der Dinge.

Der 36-jährige kaufmännische Leiter Andreas Adam argumentierte (wie seine Vorredner) mit dem lang anhaltenden Frieden in Europa. „72 Jahre Frieden innerhalb der Europäischen Union ist für diesen Kontinent eine unfassbare Leistung“, sagte er. Er erinnerte daran, wie sich einst in wirtschaftlichen Krisenzeiten „manche Nationalstaaten über andere erhoben“ haben und zu welch gravierenden Folgen dies geführt habe. Darum dürften aktuelle Krisen nicht dazu führen, leichtfertig das Ende der EU zu fordern, verlangte Adam. „Hier muss man dagegenhalten. Wir dürfen den Populisten nicht das Feld überlassen. Dafür geht es um zu viel. Lasst uns den Rückwärtsgewandten entgegentreten“, sagte er unter Applaus.

„Europa ist alles, aber nicht Krieg“

Der 22-jährige Student Maurizio Hein indes betonte, wie großartig es sei, sich interkulturell zu begegnen. Nach seinem Abitur war er für ein Jahr lang in Paris – und heute widmet er sich an der Universität Regensburg den „deutsch-französischen Studien“.

In Frankreich habe er einen guten Freund kennengelernt und festgestellt, dass sowohl sein Großvater als auch der seines Freundes einst im Zweiten Weltkrieg gegeneinander gekämpft hatten. Jetzt betonte er: „Ein vereintes Europa ist alles, aber nicht Krieg.“

Die 22-jährige Studentin Carina Keller befürwortet ebenfalls ein vereintes Europa. „Wenn ich an Europa denke, dann denke ich an Freundschaft“, sagte sie. Carina Keller war für längere Zeit unter anderem in Frankreich und Irland.

„Wir teilen gemeinsame Werte“

Wie sie sagt, hat sie erst „im Ausland so richtig gemerkt, wie viele Werte man miteinander teilt“. Dies seien zum Beispiel Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. „Wir in Europa haben einen ähnlichen Weg, Probleme und Herausforderungen anzugehen“, argumentierte sie im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Krankenhausmanager Dr. Andreas Kestler sah die Veranstaltung gut in Regensburg aufgehoben. Er erinnerte an „das erste Europäische Parlament“, das sich im historischen Reichssaal versammelt habe. „Deshalb freut es sich umso mehr, dass die Pulse-of-Europe-Bewegung in Regensburg angekommen ist.“

Die lokalen Organisatoren betrachteten die Veranstaltung als rundum gelungen. „Da kann man auf Regensburg sehr stolz sein“, sagte Martin Hofer in Bezug auf die rege Beteiligung. Sinn der Kundgebungen sei nicht, allein für den Erhalt der EU, sondern auch für ihre Verbesserung einzutreten. Und: „Wir achten darauf, parteipolitisch unabhängig zu sein“, sagte Martin Hofer. Darum sei nicht beabsichtigt, Politiker in die Kundgebungen einzubinden. Weitere Kundgebungen am Regensburger Alten Rathaus finden am 23. und 30. April sowie am 7. Mai um jeweils 14 Uhr statt. Martin Hofer lädt dazu ein, sich daran mit Wortbeiträgen zu beteiligen.

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  • FH
    Franz Huber
    10.04.2017 16:39

    Es ist erfreulich, dass die Kundgebungen von „Pulse of Europe“ nun auch in der Universitätsstadt Regensburg mit ihrer weltoffenen, optimistischen Jugend, stattfinden. Hoffentlich erfahren die zukünftigen Kundgebungen durch Berichterstattung darüber einen noch stärkeren Zulauf in Regensburg und in ganz Europa. Es gilt öffentlich deutlich zu machen („Flagge zu zeigen“), dass die Mehrheit der Menschen in Europa die EU als Zukunftsprojekt für unverzichtbar halten und Frieden, Freiheit, Grundrechte und die Demokratie nicht selbstverständlich sind. Es ist zweifellos noch vieles verbesserungswürdig in der EU – keine Frage! Aber nur geschichtsvergessene „Nationalromantiker“ und egoistische „Krämerseelen“ versuchen rückwärtsgewandt, das Rad wieder zurück zu drehen, zum Schaden für die Zukunft der EU in einer globalen Welt. Was ist deren Ziel? Sollen wir in Europa wieder zurück auf die Bäume? In Gibraltar sitzen die „Monkeys“ schon auf dem Felsen! Alle Hoffnungen liegen nun bei der europäischen Jugend selbst und allen verantwortungsbewussten Europäern, die ihr eine gedeihliche Zukunft wünschen.

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