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Justiz

Asylbewerber mit Pistole geschlagen

Ein Azubi schlug einen jungen Afghanen in Regensburg krankenhausreif. Der 21-Jährige muss für 14 Monate ins Gefängnis.
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Tatort: In der Albertstarße kam es zu der brutalen Attacke gegen den 18-jährigen Flüchtling aus Afghanistan. Foto: Lex

Regensburg.. Ein 21-jähriger Azubi soll einen 18-jährigen Asylbewerber beim Busbahnhof zunächst mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt haben. Dann bedrohte er ihn laut Anklage mit einer Schreckschusspistole, die einer echten täuschend ähnlich sah und schlug ihm dann die Waffe so heftig ins Gesicht, dass der junge Mann aus Afghanistan mit einem Jochbeinbruch und Riss-Quetsch-Wunden im Gesicht und an der Hand auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt werden musste.

Jetzt stand der 21-jährige Mann aus dem Landkreis wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vor dem Jugend-Schöffengericht.

Opfer litt Todesangst

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll sich der Vorfall so abgespielt haben: Der damals 20-jährige Angeklagte saß an einem Abend im März letzten Jahres mit seiner Ex-Lebensgefährtin auf einer Bank in der Nähe der Albertstraße, als der junge Asylbewerber mit vier Bekannten vorbei ging. Da soll der Azubi der Gruppe „Scheiß Ausländer“ und „Scheiß-Asylanten“ hinterher gerufen haben.

Dann holte er mit den Worten „Wartet kurz ihr Bastarde. Ich zeig Euch was!“ aus der Handtasche seiner Ex-Freundin die funktionsuntüchtige Pistole. Er schlug mit der Mündung voraus so wuchtig ins Gesicht des 18-Jährigen, dass der blutüberströmt zu Boden ging, so die Vorwürfe.

Der Geschädigte selbst hatte Todesangst und hielt die Waffe für echt. „Er hielt sie mir an mein Ohr und schoss“, erzählte er vor Gericht. „Ich wurde bewusstlos.“

Die Verletzungen heilten zwar. Doch der Flüchtling erlitt eine posttraumatische Belastungsstörung, hat heute noch Angst und Schlafstörungen.

„Ich habe falsch reagiert.“

Der Angeklagte

Der Angeklagte selbst gab den Schlag mit der Pistole zu und erklärte, er bereue die Tat: „Ich habe falsch reagiert.“ Er bestritt jedoch die ihm vorgeworfenen Beleidigungen. „Ich habe gar nichts gesagt und die Männer nur angeschaut. Einer hat sich wohl provoziert gefühlt und gefragt, ob ich ein Problem hab.“ Es sei zum Wortwechsel gekommen.

„Dann ist alles irgendwie eskaliert. Sie waren mehrere. Da hab ich Angst gekriegt, auch um meine Freundin, und hab die Waffe rausgeholt.“ Die Pistole will er vorher „gefunden“ haben. Da soll sein Kontrahent die Waffe weggedrückt und selbst zum Schlag ausgeholt haben, so der Angeklagte. „Da hab ich zugeschlagen.“

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Gericht glaubte nicht an Notwehr

Nach der Vernehmung zahlreicher Zeugen stand für das Gericht unter Vorsitz von Richter Wolfgang Schirmbeck fest, dass für den Angeklagten damals „keine Notwehrsituation“ bestand. Angst um die Freundin habe er sicher auch nicht gehabt. Denn er flüchtete nach seinem Schlag und ließ die junge Frau allein zurück.

Auch habe sich die Einlassung des Azubi, dass der Asylbewerber die Waffe „wegdrückte und selbst ausholte“ nicht bestätigt. „Ein konkreter Angriff des Geschädigten ergab sich aus keiner Zeugenaussage“, so Schirmbeck.

Allerdings ging das Gericht nicht davon aus, dass der Angeklagte gleich am Anfang ausländerfeindliche Parolen rief. „Aber durch seinen Ausruf und Blick fühlte sich die Gruppe angesprochen.

Der Geschädigte wollte die Sache klären.“ Da sei es zu einer Diskussion zwischen beiden Männern gekommen. Dabei seien wohl die Beleidigungen des Angeklagten gefallen, aus der Situation heraus. „Eine rechtsextreme Einstellung ist ihm nicht nachzuweisen.“

Allerdings waren ihm Gewalttaten nicht wesensfremd. Der Azubi ist bereits wegen Körperverletzung vorbestraft: Er verprügelte und verletzte einen Mann in der Altstadt durch Kniestöße in Gesicht und Bauch. Außerdem musste seine Lebensgefährtin und Mutter seiner zwei Kinder das Frauenhaus aufsuchen, weil er sie mehrfach, auch in Gegenwart der Kleinen, grün und blau schlug.

Ein Jahr und zwei Monate Jugendstrafe ohne Bewährung lautete schließlich das Urteil. Zugunsten des Angeklagten wertete das Gericht seine Entschuldigung und die Vereinbarung, ein Schmerzensgeldes in Höhe von 4000 Euro an den Geschädigten zu zahlen.

Zu seinen Lasten gingen indes sechs Vorstrafen und die enorme Brutalität der Tat.

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