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Sonntag, 19. November 2017 3

Gleichstellung

Regensburg feiert für mehr Toleranz

Hunderte feiern auf dem Haidplatz den Christopher-Street-Day. Bunt und schrill setzen sie ein Zeichen für Gleichberechtigung.
Von Daniel Steffen, MZ

Regensburg.Da zeigt sogar „Justitia“ Flagge. Derzeit ohne Schwert, dafür aber mit der Regenbogenfahne ausgestattet, stand das Denkmal am Haidplatz im Zeichen des 20. Christopher–Street–Days (CSD). Der lockte am Samstag bereits beim Auftakt mehrere Hundert Menschen an, die sich auf dem Haidplatz bereit für die Schwulen- und Lesbenparade durch die Altstadt machten. Laut und schrill warben die Teilnehmer für die gleichgeschlechtliche Ehe und erhoben ihre Stimme gegen Diskriminierungen von Schwulen und Lesben im Alltag.

Angefangen von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer über MdL Jürgen Mistol (Grüne) bis zu den Stadträten Horst Meierhofer (FDP), Tina Lorenz (Piraten), Richard Spieß (Linke) und Ludwig Artinger (Freie Wähler) nahmen viele Politiker parteienübergreifend an der Veranstaltung teil. Mit vereinter Stimme traten sie für die Rechte homosexueller Menschen ein.

„Irland zeigt uns den Weg auf“

„Die Party ist ein Zeichen an unsere Stadtgesellschaft“, sagte Maltz-Schwarzfischer, die zum ersten Mal die Schirmherrschaft über den CSD übernommen hatte. In Vertretung für OB Joachim Wolbergs, der sich derzeit im Urlaub befindet, nahm sie auf dem Haidplatz die Eröffnung vor. „Ausgerechnet das konservative Irland hat uns gezeigt, wie es geht“, sagte die Bürgermeisterin im Hinblick auf die Homo-Ehe, die auf der Grünen Insel jüngst möglich gemacht wurde.

Regensburg feiert für mehr Toleranz

Das Land habe in vorbildlicher Weise „alte Moralvorstellungen abschütteln“ können. Als „weiteres positives Beispiel“ nannte sie die USA, die per Gesetz ähnlich vorgegangen seien.

Nun sei es an Deutschland, die Gesetze „endlich der Lebenswirklichkeit anzupassen“, forderte Maltz-Schwarzfischer.

Richard Spieß (Linke) stimmt der Bürgermeisterin zu. Dass eine entsprechende Gesetzesnovelle zur Homo-Ehe in Deutschland noch nicht zustande gekommen ist, das schreibt er „einzig und allein der CDU/CSU“ zu.

Darüber hinaus beschleiche ihn das Gefühl, dass „in letzter Zeit die Anzahl homophoben Äußerungen zunimmt“. Dagegen müsse man sich als Gesellschaft aktiv wehren, sagte der Stadtrat. Dabei solle, so Spieß, „auch im Namen derer gesprochen werden“, die „ihre Stimme nicht mehr erheben können“. Damit meint er jene Menschen, die ihrer Homosexualität wegen Folter ertragen mussten oder getötet wurden. Horst Meierhofer sieht dies ähnlich. „Wir müssen darauf achten, wie andere Länder mit ihren Minderheiten umgehen“, forderte der ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete.

„Päpstlicher als der Papst“

Tina Lorenz (Piraten) griff das Thema Homosexualität und Kirche auf. Die Stadträtin argumentierte, dass auch Papst Franziskus sich dahingehend geäußert habe, warum er homosexuelle Menschen denn richten solle, wenn diese sich zu Gott bekennen. Ferner sei es in vielen kirchlichen Einrichtungen mittlerweile möglich, als Schwuler einen Arbeitsplatz zu bekommen. „Drei Bistümer aber machen da nicht mit: Passau, Eichstätt und Regensburg. Da sind wir päpstlicher als der Papst“, lautet ihr Vorwurf.

Regensburg feiert Christopher-Street-Day

Jürgen Mistol (Grüne) erweiterte die Wortbeiträge um das Thema Rechtsradikalismus. Mit Blick auf den aktuellen Brandanschlag in Neustadt an der Waldnaab warnte er vor gewaltbereiten Tätern. „Diese Menschen, die Anschläge gegen Flüchtlinge machen, schrecken auch nicht vor Gewalt gegen Schwule und Lesben zurück.“

Abschließend dankte er den Fest-Organisatoren um die Regensburger Schwulen- und Lesbeninitiative Resi: „Hinter dem CSD steckt eine Menge Arbeit. Ohne die Arbeit der Resi würde es keinen CSD in Regensburg geben“, sagte Mistol.

Die Resi ihrerseits hat einen guten Grund, das Fest Jahr für Jahr zu veranstalten. „Schwul-lesbisches Leben gehört nicht an der Rand, sondern in die Mitte der Gesellschaft“, machte Sprecher Wolfgang Klein deutlich. „Feiern wir heute das, was wir bisher erreichen konnten“, sagte er – und gab den Kurs für den CSD vor.

„Chantal Gpunkt“ in Aktion

Die Künstler und Zuschauer folgten seinen Worten und trugen ihren Teil zur guten Stimmung am Haidplatz bei. Bis in die späten Abendstunden wurde dort gefeiert.

Ein Show-Höhepunkt ereignete sich gegen 21 Uhr, als „Chantal Gpunkt“ das Publikum mit ihrer Travestie-Show in Beschlag nahm. In prunkvolle Roben gewandet, bezirzte sie die Zuschauer mit ihren humorvollen Darbietungen.

„Ich bin überwältigt, dass noch so viele Leute da sind“, freute sich Wolfgang Klein über den regen abendlichen Besuch. In Bezug auf die Resonanz sei der CSD „wesentlich besser gelaufen als in den vergangenen Jahren.“ Dies wohl auch, weil das Wetter so gut mitspielte. Abheben wolle man in Zukunft dennoch nicht.

Klein: „Ich bin froh, dass es bei unserem CSD so knuffig und familiär zugeht und das Ganze nicht kommerziell aufgezogen ist.“ Der neuen Stadtregierung stellte er ein gutes Zeugnis aus, zumal die Politiker „von selbst“ auf einen zukämen und dem CSD Unterstützung anböten. Dies sei in der 20-jährigen Geschichte des Fests „beileibe nicht immer so gewesen“.

Weiter wirkten am Samstag mit: die „iSi-Dancers“ vom VSV Straubing, die Tanzschule Bettina Schilke, Romy Politzki, Sofie’s Loft und Michael Ammon. Ab 22 Uhr setzte sich der CSD bei einer After-Party in der „Scala“ fort.

In den vergangenen Jahren trat auch Travestiekünstlerin Vladonna Grande beim CSD in Regensburg auf. Ein Porträt:

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