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Politik

Römerrastplatz: Fachleute verärgert

„Intransparent“ nennt der Architekturkreis Regensburg den Weg zum Entwurf. Der OB nimmt seinen Kulturreferenten in Schutz.
Von Julia Ried, MZ

Um den unvollendeten Europabrunnen plant die Stadt einen Informationsplatz zum Römischen Regensburg. Foto: Lex

Regensburg.Der Architekturkreis kritisiert, wie die Stadt die geplante Neugestaltung des Umfelds des nie fertiggebauten Europabrunnens am Ernst-Reuter-Platz angeht. Er und Kollegen hätten aus der Zeitung erfahren, dass ein Regensburger Architekt einen Entwurf erarbeitet habe, sagt Vorsitzender Andreas Eckl. „Wie es dazu kam, da fehlt die Transparenz.“

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs weist die Kritik zurück. Die Konzeption eines Rast- und Informationsplatzes zum Römischen Regensburg, auf deren Grundlage die Stadt Fördergelder beantrage, habe die Stadt nichts gekostet und diese werde dadurch nicht festgelegt. „Es gibt überhaupt keine Vergabe und keinen Auftrag.“

Dieser Eindruck war jedoch bei Mitgliedern des Architekturkreises entstanden.

„Projektentwurf“ steht im Beschluss

In dem Beschluss des Stadtrats, den dieser am Donnerstag gegen die Stimmen von ÖDP und der Linken fasste, heißt es wörtlich: „Das Kulturreferat hat für Verhandlungen zum Interreg-Programm Österreich-Bayern einen Projektentwurf für die künstlerische Gestaltung des Umfeldes des ehemaligen Europabrunnens auf der Basis der oben beschriebenen Planung erarbeiten lassen.“ Die Linke hatte Vorbehalte geäußert, weil die Planung für den Ernst-Reuter-Platz, auf dem das Kultur- und Kongresszentrum gebaut werden soll, nicht steht. Auch Benedikt Suttner von der ÖDP stört, dass die Stadt das Thema nun „ganz schnell vom Tisch“ haben wolle. „Das ist eine vertane Chance.“

„Das Kulturreferat hat für Verhandlungen zum Interreg-Programm Österreich-Bayern einen Projektentwurf für die künstlerische Gestaltung des Umfeldes des ehemaligen Europabrunnens auf der Basis der oben beschriebenen Planung erarbeiten lassen“

Text des Stadtratsbeschlusses

Der Architekturkreis verfolgte den Umgang mit dem Thema. „Wir hatten eine hitzige Diskussion darüber, dass das keine Art ist“, sagt Eckl. Bei einem so prominenten Platz sei „so eine Art Aktionismus“ falsch. „Wenn man ihn schon künstlerisch gestalten will, gehört aus unserer Sicht ein vernünftiger Wettbewerb veranstaltet.“

Wolbergs: Wettbewerb nicht nötig

Wolbergs sieht das anders. Für die in Joachim Peithners Konzeption vorgesehene künstlerisch zu gestaltende Stahlplatte, für die die Stadt eine Summe von 75 000 Euro veranschlagt, sei ein solcher Aufwand nicht notwendig. Für den gesamten Römerrastplatz – zwölf beleuchtete Fontänen und Steinquader als Sitzplätze schlägt Peithner vor – plant die Stadt mit 530 000 Euro, von denen bis zu 200 000 aus EU-Förderung kommen sollen. Mit Peithner habe die Stadt zusammengearbeitet, „dass wir überhaupt irgendeinen Entwurf haben“.

Am Ernst-Reuter-Platz soll ein „Römerrastplatz“ entstehen. Grafik: MZ-Grafik

Der Architekt sanierte die Römerlegionsmauer. Vor diesem Hintergrund habe Kulturreferent Klemens Unger den Fachmann gefragt, ob er eine Möglichkeit sehe, für ein Römer-Konzept zur Gestaltung des Brunnenumfelds einen Zuschuss zu bekommen. Der habe „unentgeltlich“ ein Konzept entworfen. Peithner selbst spricht nicht von einem Entwurf. In einem „Brainstorming“ mit Unger sei eine „Ideensammlung“ entstanden, sagt er. Zum weiteren Vorgehen erklärt Wolbergs: Komme eine Förderzusage, wolle die Stadt zwei Künstler einladen.

Der unvollendete Europabrunnen

  • Anfänge:

    Den Bau des Europabrunnens kündigte 1997 der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger an. Der 2002 begonnene Bau wurde wegen der angespannten Haushaltslage 2003 eingestellt.

  • Ideen:

    Der Vorschlag, auf der sechs mal neun Meter großen Brunnenstube eine Bodensprenkleranlage zu installieren, verschwand ebenso wieder in der Schublade wie die Idee von Bürgermeister Jürgen Huber, zwei Bäume zu pflanzen.

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