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Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Trend

Schlange zum Eis blockiert sogar Busse

Vor dem „Stenz“ in der Regensburger Gesandtenstraße stehen oft Dutzende an – deshalb gibt es nun einen Ansteh-Koordinierer.
Von Julia Ried, MZ

In dieser Schlange zum Eis stehen an schönen Tagen offenbar viele gern: Dieses Foto in der Gesandtenstraße entstand im April 2016.Foto: Aluz

Regensburg.Kaum nähern sich die Temperaturen der 20-Grad-Marke und die Sonne scheint, ist sie wieder da: Die Schlange vor der Eisdiele Stenz in der Gesandtenstraße. Die meist jungen Kunden stehen dann oft bis zum Bismarckplatz, die meisten wirken dabei nicht mal ungeduldig. Sich hier einzureihen gehört zum Sommer in Regensburg dazu, finden viele.

Andere nervt der Schlangen-Kult. Das ist auch am Montagmittag, als ein vergleichsweise kleines Grüppchen unter dem weißen Schild mit der blauen Aufschritt „Eis“ wartet, unüberhörbar. Einige müssen ausscheren aus der Schlange, als sich die Müllabfuhr durch Hupen ihren Weg durch die Straße bahnt. Und der Nachbar zwei Türen weiter, der Inhaber des veganen türkischen Imbisses, ist so verärgert, dass er ankündigt: „Wenn es nicht besser wird, verkauf ich auch Eis.“

Der Unterton von Cengiz Aluz, der bis zu diesem Winter in der Gesandtenstraße Obst und Gemüse verkaufte und hier nun auf gefüllte Fladenbrote und Kartoffelbällchen setzt, ist scherzhaft. Doch er beteuert, das mit dem Eis meine er ernst. „Für mich ist die Schlange ganz schlecht“, erzählt er. Sie verdecke die Tür zu seinem Laden, so dass Passanten weniger auf diesen aufmerksam würden. Das sei für ihn aber überlebenswichtig, schließlich sei sein Imbiss Çigköftem neu hier.

Die alteingesessene Nachbarin Roswitha Heß, die direkt neben dem Stenz ein Fachgeschäft für Zahnpflege führt, kommt mit der Schlange tatsächlich besser zurecht. Sicher herrsche vor ihrem Schaufenster oft „Gaudi“, Kinder schmierten ihr auf die Scheiben. Und doch sagt sie: „Ich störe mich nicht daran.“ Am Sonntag, wenn sie nebenan mit dem süßen Angebot besonders viel Geschäft machen, ist ihr Laden ohnehin zu. Ansonsten gelte: „Die Kunden kommen durch die Schlange. Manche kommen sogar herein und holen sich etwas.“

„Er will die Leute draußen haben“

Cengiz Aluz, der den türkischen Imbiss neben der Eisdiele betreibt, ist genervt von der Schlange zum Nachbarladen. Foto: Ried

Das hat Imbissbetreiber Cengiz Aluz noch nicht erlebt, sagt er. Was ihn besonders nervt: Das Personal im Stenz bediene „ganz langsam“, lasse die Leute probieren. „Da geht es schneller“, sagt er im Gespräch am Neupfarrplatz, wo er einen Gemüsestand hat, und deutet in Richtung der Eisdiele Gelini.Seinem Nachbarn in der Gesandtenstraße wirft er vor: „Der macht das extra so. Er will die Leute draußen stehen haben.“ Je länger die Schlange, desto angesagter sei das Eis – so rechne der Nachbar.

Stenz-Geschäftsführer Thomas Jupp bestreitet das. Zwar räumt er ein: „Für uns ist das ein Ritterschlag, dass die Leute für unser Eis so lange anstehen.“ Doch dass sie Bussen oder Nachbarn im Weg stünden, versuche er zu verhindern soweit eben möglich. „Wir haben extra Personal eingestellt, das die Schlange koordiniert.“ Außerdem stellt Jupp bei Andrang ein Schild auf, das die Kunden anhält, den Eingang zu Aluz’ Geschäft freizulassen. „Wir sind natürlich platztechnisch etwas eingeschränkt und vor der Tür ist auch relativ viel Verkehr“, fügt er hinzu.

Erfahren Sie in unserer Bildergalerie verblüffende Fakten über das Eis:

Verblüffende Fakten über Eis

Einer koordiniert die Schlange

Auf die Suche nach einem Schlangen-Koordinierer war Jupp nach einem Gespräch mit Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsservice gegangen. Sie hatten ihn auch wegen der Verkehrslage angesprochen, wie Stadtsprecherin Dagmar Obermeier-Kundel sagt. „Über den Kommunalen Ordnungsservice hat das Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr bereits mit dem Betreiber Kontakt aufgenommen und ihn mit der Situation konfrontiert, die auch dazu geführt hat, dass das Durchkommen des Altstadtbusses behindert worden ist.“

Auch die Kollegen von Stenz-Geschäftsführer Jupp haben ihre Strategien, um ihre Schlangen zu bändigen. Gelini-Geschäftsführerin Susanne Fuchs hält ihre Mitarbeiter da strikt zum zügigen Arbeiten an, weil sie findet: „Eine Schlange ist in Ordnung. Aber es gibt eine Grenze.“ Sie setze ihre Kräfte extra in Vier-Stunden-Schichten ein, „damit die Leute frisch und freundlich bleiben“.

Die Eistrends 2016

  • Eis des Jahres:

    Uniteis, der Verband der handwerklich arbeitenden Speiseeishersteller in Deutschland, hat auf der 56. Internationalen Speiseeismesse in Longarone das Eis des Jahres 2016 für den deutschen Markt vorgestellt: Pistazie. Die Geschmacksrichtung erfreue sich großer Beliebtheit, teilt Uniteis dazu mit, und werde am besten „in ihrer absoluten Reinheit“, das heißt einzeln und in der Waffel verzehrt. In Eisbecherkreationen tauche Pistazieneis eher selten auf, in der Waffel werde es gerne mit Schokoladen- oder Haselnusseis kombiniert.

  • Eistrends in diesem Jahr:

    Ob salzig, alkoholisch oder exotisch – erwachsene Eisesser schmecken gern besondere Noten in ihren Kugeln, das teilte heuer die Messe Stuttgart mit; sie veranstaltet die Eismesse „Gelatissimo“. „Das Spiel mit der Süße der klassischen Eissorten und einer fremden pikanten oder salzigen Note ist sehr angesagt“, heißt es in dem Überblick der Messeverantwortlichen über die Trends 2016. Neben immer exotischeren Eissorten stehen auch Neuauflagen der klassischen Sorten hoch im Kurs, vor allem bei Kindern.

Die Devise von Andy Espig, der in Stadtamhof die Pizzeria Marina und das Lokal Ciao führt und dessen Geschäftspartner Chef der Eisgalerie an der Brücke ist: „Wir versuchen, ein bisschen schneller zu arbeiten und sagen den Leuten in der Schlange auch, sie sollen sich vorher überlegen, was sie möchten. Man muss halt dann auf Extrawürste ein bisschen verzichten.“ An heißen Wochenenden komme es trotzdem zu einer langen Schlange. „Bei uns stehen sie teilweise über die ganze Brücke“, sagt Espig. Allerdings hat sein Team den Vorteil, dass die Schlange hier weder anderen Geschäftsleuten noch motorisiertem Verkehr im Weg steht. In Stadtamhof waren bis vor kurzem eher parkende Autos ein Problem für die Geschäftsleute und Anwohner.

Stenz-Chef Jupp will dagegen auch bei viel Zulauf nicht darauf verzichten, seine Kunden die eine oder andere Sorte testen zu lassen – gerade das mache seinen Laden aus, sagt er: „Das soll keine Massenabfertigung werden.“

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