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Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Bauvorhaben

So soll die neue Synagoge aussehen

Für den Neubau hat die jüdische Gemeinde Regensburg das Berliner Büros Staab gewonnen. Der Planer stellt seinen Entwurf vor.
Von Heike Haala, MZ

  • So wird sich die Fassade der neuen Synagoge zum Brixener Hof hin öffnen. 2019 soll das Gebäude fertig sein. So soll die neue Synagoge aussehenSimulation: Staab Architekten, Berlin
  • Der Berliner Architekt Volker Staab Foto: dpa

Regensburg.Regensburg wird im Jahr 2019 um eine Attraktion reicher sein. Denn bis dahin sollen die neue Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum am Brixener Hof entstehen. Damit errichtet die jüdische Gemeinde auch ein Gebäude, das auf preisgekrönten Reißbrettern entworfen wurde: Kein geringeres als das Berliner Architekturbüro Staab hat die Planungen übernommen.

Ob passionierte Museumsgänger, Berufspolitiker oder Wies’n-Besucher – mit den Entwürfen dieser Architekten haben sie alle schon Bekanntschaft gemacht. Die Planer gelten unter Experten als wahre Tausendsassa in der Architekturszene. Auf der Homepage des Büros stapeln sich bekannte Bauprojekte und Auszeichnungen. So haben diese Architekten etwa den Plenarsaal des Bayerischen Landtags umgestaltet und das Neue Museum in Nürnberg sowie das Servicezentrum auf der Theresienwiese in München entworfen. Vor kurzem hat das Planungsbüro zudem den Zuschlag für das neue Bauhaus-Museum in Berlin erhalten, im Dezember war der Spatenstich für die Erweiterung und Sanierung des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main und 2016 wird das Medizinhistorische Museum in Ingolstadt vollendet, das nach den Plänen der Architekten errichtet wird.

Öffnung und Sicherheit

Jetzt erläutert Volker Staab seine Planungen für die neue Synagoge in Regensburg. Das Volumen des Gebetsraums auf dem engen Baugrundstück am Brixener Hof unterzubringen, war eine besondere Herausforderung für den Planer. Außerdem sah er sich noch wegen eines anderen Umstands in der Zwickmühle: Einerseits braucht eine Synagoge unbedingt einen Sicherheitsbereich, in dem die Besucher überprüft werden, andererseits soll sie sich für die Regensburger öffnen und deswegen nicht hermetisch abgeriegelt sein.

Die Lösung für diese Diskrepanz sah Staab schließlich in einem Hof, der sich zur Straße hin öffnet und an den er Räume für ein Café und eine Bibliothek angegliedert hat. Diesen Bereich können alle Regensburger nutzen, ohne kontrolliert zu werden. Erst daran schließt sich der Sicherheitsbereich an. In die Synagoge und die Gemeinderäume gelangen die Besucher über einen weiteren Hof.

Das Gemeindezentrum selbst wird sich in das städtebauliche Umfeld einfügen und die vorgegebene Dachlandschaft aufnehmen. Markantester Gebäudeteil nach innen und außen wird deswegen der Synagogenraum selbst sein. Im Osten des Baugrundstücks setzt er sich über die Achsen des Grundstücks hinweg und strebt etwas „verdreht“ über einem Gebäudesockel empor. Während der Rest der Fassade die Farbigkeit des Kalksteins am Dom aufnimmt, wird der Synagogenraum eine Metallhülle bekommen, die von vielen Lichtschlitzen durchbrochen ist.

Diese Lichtschlitze sorgen im Gebetsraum für gedämpftes Tageslicht und eine kontemplative Stimmung. Die Synagoge liegt im ersten Stock über dem Gemeinderaum. Dort wird es – wie in allen Synagogen – eine Frauenempore geben, den Gebetsbereich für die Männer, den Tora-Schrank in der Ostwand und die Bima, das Gebetspult, auf das die Tora-Rollen während der Verlesung gelegt werden.

Derzeit sind die Planer damit beschäftigt, dem Gebäude eine technische Infrastruktur anzupassen. Jetzt wird geklärt, wo die Strom- und Wasserleitungen verlaufen sollen oder wie der Brandschutz bewerkstelligt werden kann. Der nächste Schritt wird sein, das Baurecht zu erwirken. Ilse Danziger, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Regensburg, sagt, dass derzeit noch ein Teil des Entwurfs angepasst werden muss. Deswegen konnte der Stadtrat auch nicht wie geplant im Herbst 2015 über den Antrag abstimmen. Das soll im Frühjahr passieren. Die Zustimmung des Gestaltungsbeirats braucht das Architekturbüro nicht: Mit dem Gewinn des Wettbewerbs ist dieser Schritt hinfällig.

Auch wenn die Stadt Regensburg zwei Millionen Euro und die Bundesrepublik 3,3 Millionen Euro zum Bau dazugeben, klafft derzeit noch eine Finanzierungslücke von einer Million Euro. Auf den Bescheid einer weiteren Fördermöglichkeit durch den Freistaat Bayern wartet Danziger derzeit noch. Die Gemeinde baut nicht nur die Synagoge und das Gemeindezentrum neu, sie muss auch den denkmalgeschützten Altbau sanieren. Seine Statik ist verbesserungswürdig. Außerdem braucht er ein neues Dach, denn im alten ist Asbest verbaut.

Kosten von 6,5 Millionen Euro

Die Gesamtkosten für das Bauprojekt schätzt Dieter Weber, Vorsitzender des „Fördervereins Neue Regensburger Synagoge“, auf 6,5 Millionen Euro. Mit einer Sammelaktion will er Unternehmen und Privatpersonen für Spenden für den Synagogenbau gewinnen. Gegen kleinere Spenden gibt es einen Anstecker, gegen Spenden über 500 Euro einen symbolischen Baustein.

Für Danziger und Weber wäre es ein Traum, wenn sie den Eröffnungstermin im Jahr 2019 halten können. Denn dann jährt sich die Zerstörung der Regensburger Synagoge auf dem Neupfarrplatz zum 500. Mal. Am 12. Januar 1519 wurden die Juden aus Regensburg vertrieben. Erst 1912 weihte die jüdische Gemeinde der Stadt wieder eine Synagoge ein. Diese befand sich am Brixener Hof. In der so genannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 aber wurde diese von den Nazis abgebrannt, die Regensburger Juden später in einem Schandmarsch durch die Stadt getrieben. Seit dieser Zerstörung gibt es in Regensburg keine Synagoge mehr, dabei hat die jüdische Gemeinde inzwischen über 1000 Mitglieder.

Spenden für das Bauprojekt sind möglich unter dem Konto des Fördervereins Neue Regensburger Synagoge, Sparkasse Regensburg, IBAN DE12 7505 0000 0026 5954 39 .

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