mz_logo

Stadtteile
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Einweihung

St. Klara wird zum Schmuckstück

In dem ehemaligen Regensburger Kloster ist eine inklusive Wohn- und Sozialeinrichtung entstanden – mit 38 Wohneinheiten.
Von Angelika Lukesch, MZ

Perfekt saniert: Auch der Innenhof des ehemaligen Klosters St. Klara ist behindertengerecht angelegt. Fotos: KJF

Regensburg.Mitten im Stadtzentrum ist eine Einrichtung entstanden, die in Regensburg ihresgleichen sucht. Die inklusive Wohn-und Sozialeinrichtung St. Klara in der Ostengasse, die von der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) im Sommer 2013 in Angriff genommen worden war, bietet Wohnungen für behinderte Menschen, für nicht behinderte Menschen, für Mütter mit Kindern und für die städtische Erziehungsberatungsstelle. Eine ganz bunte Mischung an unterschiedlichen Menschen ist hier eingezogen, beziehungsweise zieht hier noch ein und schafft dadurch einen Lebens-Ort, an dem Inklusion als etwas ganz Alltägliches gelebt wird.

„Die Mischung muss stimmen“, sagt der Direktor der katholischen Jugendfürsorge (KJF), Michael Eibl zur MZ. Der KJF sei es vor allem daran gelegen gewesen, ein innovatives Wohnkonzept umzusetzen, in dem Behinderte und Nichtbehinderte miteinander wohnen können und dies zudem mitten in der Stadt und nicht abseits in einem entfernt liegenden Wohngebiet.

12 Millionen Euro investiert

Als sozialer Träger der gesamten Einrichtung finanzierte die Katholische Jugendfürsorge das Projekt mit Kosten in Höhe von zwölf Millionen Euro. Dazu musste ein Kredit aufgenommen werden. Der Bezirk hilft ebenfalls mit (über die Pflegesätze), außerdem kommt Geld durch die Mieten der Bewohner und der Erziehungsberatungsstelle der Stadt Regensburg herein.

Entstanden sind 38 Wohneinheiten unterschiedlicher Größe. Ungefähr die Hälfte der Wohnungen ist komplett für Behinderte eingerichtet, mit verstellbaren Küchengeräten, Fensterbänken, die so hoch sind, dass ein Mensch im Rollstuhl aus dem Fenster schauen kann, zwei Aufzügen, kraftbetätigten Türen, breiten und bodengleichen Zugängen sowie speziellen Hilfen und Vorrichtungen für Rollstuhlfahrer. 20 Parkplätze sind ebenfalls vorhanden und überhaupt alle nur denkbaren nötigen Hilfsmittel, die das Zusammenleben von Behinderten und nicht Behinderten erleichtern. Auch der Klosterinnengarten ist barrierefrei gestaltet worden.

Einer der Bewohner in seinem Zimmer: Philipp Hielscher mit Bereichsleiterin Veronika Huber (rechts)

Inklusiv leben ist das Ziel

„Es geht darum, dass die Bewohner der Wohnungen nicht nur nebeneinander wohnen, sondern dass tatsächlich inklusiv gewohnt und gelebt wird“, sagt Eibl. Sechs Apartments sind als Mutter-Kind-Wohnungen gedacht, sie gehören zum Mutter-Kind-Haus der KJF. Begünstigt werden hier alleinstehende minderjährige Mütter mit Kleinkindern, die ansonsten keine Chance hätten, eine Wohnung zu bekommen.

Von den 38 Wohnungen im neuen Haus St. Klara sind, auch wenn sie im Moment noch fifty-fifty (Behinderte und Nichtbehinderte) aufgeteilt sind, sind nur drei nicht barrierefrei. So stehen bei der Vermietung der Wohnungen alle Möglichkeiten offen.

Wohnraum soll bezahlbar bleiben

Bei den Wohnungen für die Behinderten gibt es ein stationäres Wohnangebot (zwölf Apartments) und ein ambulant betreutes Wohnangebot (acht Apartments). Dem KJF-Direktor lag es auch besonders am Herzen, dass im ehemaligen Kloster St. Klara für das neue inklusive Wohnkonzept „bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum“ in bester Wohnlage geschaffen worden ist. Natürlich sei beim Umbau eines denkmalgeschützten Gebäudes wie dem ehemaligen Kloster St. Klara eine enge Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz nötig gewesen, berichtet Eibl. Zusammen mit Architekt Georg Kartini sei man sich jedoch in allem einig geworden.

Punkte, an denen Kompromisse notwendig waren, gab es genügend. So seien die Fenster im Kreuzgang original erhalten geblieben, jedoch mit Doppelglas verstärkt worden, erklärt der KJF-Direktor. „Das Denkmal des ehemaligen Klosters St. Klara wird gewürdigt und bietet dabei jedoch einen hohen Nutzwert“, sagt Eibl. Er freut sich besonders darüber, dass „es uns mit diesem Projekt gelungen ist, für Menschen mit Behinderungen im Herzen Regensburgs etwas Schönes anbieten zu können“.

Mittlerweile sind fast alle Wohnungen bezogen worden, auch die Erziehungsberatungsstelle ist bereits in Betrieb. Und angesichts der wunderschönen Wohnlage ist es kein Wunder, dass für die Wohnungen mittlerweile auch schon eine Warteliste angelegt worden ist.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht