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Mittwoch, 16. August 2017 27° 3

Schutzhaus

Stadtrat entscheidet über Michlstift

Die Koalition ist für die neue Nutzung des Regensburger Pflegeheims zur Unterbringung schutzbedürftiger Jugendlicher.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Das Michlstift soll ein Heim für schutzbedürftige Menschen werden. Foto: Wiedamann

Regensburg.Mit Rückendeckung der Regierungskoalition werden Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer den Vorschlag, das Michlstift in ein Kinderschutzhaus umzufunktionieren, bald im Stadtrat zur Diskussion stellen. Am Montag hatten die beiden SPD-Politiker das Nutzungskonzept im Koalitionsausschuss diskutiert, am Dienstag stellten sie es der Presse vor. Die MZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Reaktionen gibt es auf das neue Nutzungskonzept?

Von den bisherigen Bewohnern des Pflegeheims St. Michael und ihren Angehörigen gebe es bislang keine Reaktionen, berichtete Wolbergs. Dafür werde er in sozialen Netzwerken mit Vorwürfen konfrontiert. Die Unterstellung, er verfolge wirtschaftliche Interessen, sei ja nun entkräftet, sagte Wolbergs. Er betonte, dass das Gebäude nicht der Stadt gehört, sondern Eigentum der Katholischen Bruderhausstiftung ist.

Wann wurde über die Nachnutzung nachgedacht?

Dem Vorwurf, dass er die Bewohner des Michlstifts wegen einer beabsichtigten neuen Nutzung ins Bürgerheim Kumpfmühl umsiedele, begegnete Wolbergs unter anderem damit, dass die Nachnutzung des Heims erstmalig in diesem Monat zum Thema geworden sei. Vor dem Hintergrund in diesem Jahr insgesamt 700 bis 1000 Flüchtlinge unterbringen zu müssen sowie voraussichtlich noch 80 weitere und damit insgesamt 121 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, habe er am 17. Juni die zuständigen Stellen zu einer Besprechung am 24. Juni ins Michlstift eingeladen. Maltz-Schwarzfischer habe dann das Konzept für ein Kinderschutzhaus vorgelegt, das für gut befunden worden sei.

Braucht es weniger Brandschutz für ein Kinderschutzhaus?

Die Schließung des Alten- und Pflegeheims St. Michael war unter anderem mit den aus Brandschutzgründen anfallenden Sanierungskosten begründet worden. Wie Wolbergs und die Bürgermeisterin ausführten, ist das Gebäude für immobile Pflegebedürftige nicht brandschutzgerecht und hätte in einer bestimmten Frist unter anderem mit einer Außentreppe nachgerüstet und saniert werden müssen. Bei der Rettung mobiler, nicht pflegebedürftiger Menschen werfe das Gebäude kein Problem auf.

Was ist mit den 15 Millionen Sanierungskosten?

OB Joachim Wolbergs und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer in der Pressekonferenz Foto: sw

Die 15 Millionen Euro für den Bauunterhalt werden wohl auch mit der neuen Nutzung anfallen, bestätigte Wolbergs. Allerdings gebe es bei der nun angedachten Nutzung keinen Zeitdruck. Die Entscheidung für die Verlegung der Pflegeheimbewohner sei getroffen worden, weil im Michlstift heutige Pflegestandards aus räumlichen Gründen nicht zu erreichen seien. Außerdem sei bei den rund 250 Leerständen in Regensburger Pflegeheimen die Zusammenlegung mit dem Bürgerheim sinnvoll. Welche Umbaukosten für das Kinderschutzhaus entstehen, sei noch nicht klar, sagte Maltz-Schwarzfischer. Dazu müsse erst eine detaillierte Planung stehen. Aber die neue Nutzung lasse sich baulich einfach und kostengünstig umsetzen.

Was kommt alles in das Kinderschutzhaus?

Die neue Einrichtung soll ein Schutzhaus für unterschiedliche Gruppen sein, betonte Maltz-Schwarzfischer. Nach den Grundüberlegungen soll das Haus zehn bis 20 Plätze für Kinder bereithalten, die vom Jugendamt in Obhut genommen werden. Fünf Plätze sind für das Betreute Jugendwohnen der Stadt vorgesehen, 65 Plätze für Nachfolgegruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, je fünf Plätze für eine Verselbständigungsgruppe und betreutes Einzelwohnen für jugendliche Flüchtlinge.

Wird das Schutzhaus ausschließlich Kinder beherbergen?

Nein, es sind auch Büros für die Jugendschutzstelle und den Kinderschutzbund angedacht, und Wohnraum für Alleinerziehende sowie Übergangswohnraum für zugewanderte EU-Familien aus Rumänien und Bulgarien, die sonst in prekären Verhältnissen leben würden. Außerdem soll es ein Zentrum für operative Flüchtlingsarbeit geben, in dem auch das bürgerliche Engagement eingebunden werden kann. Auch ein Flüchtlingscafé sei laut Wolbergs möglich.

Wann könnten die ersten Schutzsuchenden das Haus beziehen?

Laut OB Wolbergs könnte das Haus nach dem Umzug der Pflegeheimbewohner bereits im Herbst für die neue Nutzung zur Verfügung stehen. Wolbergs wird für die konkreten Planungen eine Projektgruppe unter Federführung von Jugendamtsleiter Günter Tischler und einem Techniker einsetzen. Dann muss als nächstes der Stadtrat entscheiden. „Ich hoffe sehr, dass der Stadtrat mitzieht“, sagte Wolbergs. Das Gebäude und die Lage seien für diese Nutzung ideal und mache eine gute Zusammenarbeit von Einheimischen und Flüchtlingen möglich.

Kommentar

Zukunft nicht zerreden

Die einen trauern noch über das Aus des Pflegeheims St. Michael, die anderen freuen sich über die neue Nutzung des Michlstifts als Kinderschutzhaus. Wer...

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