mz_logo

Stadtteile
Mittwoch, 7. Dezember 2016 12

Stadtgestaltung

Wasserspiele stehen auf der Kippe

Die Stadt Regensburg wollte den Dachauplatz schon 2015 umgestalten. Nun bringt der marode Brunnen das Projekt in Gefahr.
Von Julia Ried, MZ

Der Brunnen am Dachauplatz ist so marode, dass eine Neugestaltung wohl nur mit einem Neubau sinnvoll ist. Foto: Lex

Regensburg.Schon im Sommer 2015 sollte eigentlich alles so schön werden am Dachauplatz: Unter schattenspendenden Bäumen sollten die Regensburger Platz nehmen können, vor sich den plätschernden, von einem Künstler ansprechend gestalteten Brunnen. Damit sich die Gäste im Freien auch erfrischen könnten, ohne sich nach drinnen in die Markthalle zu begeben, hatte der Plan der Stadt zur Umgestaltung auch einen Kiosk vorgesehen.

Daraus wird wohl so bald nichts: Der Brunnen ist so marode, dass das ganze Projekt auf der Kippe steht. Dies ergab jetzt eine Nachfrage unserer Zeitung an den zuständigen Bürgermeister Jürgen Huber, auf die Oberbürgermeister Joachim Wolbergs antwortete. Die 43 Jahre alte Brunnenanlage sei „sowohl von der technischen Ausstattung als auch von ihrer Bausubstanz her so erneuerungsbedürftig, dass eine Neugestaltung aller Voraussicht nach nur mit einem Neubau sinnvoll ist“. Das habe die Bestandsaufnahme des Gartenamtes ergeben, das sich dazu bereits im September 2015 Unterstützung von einem Ingenieurbüro holte – eigentlich zur Vorbereitung des beschränkten Künstlerwettbewerbes.

Projekt wird neu aufgerollt

Mit acht Bäumen bepflanzte die Stadt den Platz 2015. Foto: Steffen

Die Einschätzung des Experten, der darauf hinwies, dass der Brunnen die neue EU-Wasserhygienerichtlinie erfüllen müsse, brachte der Stadt die Erkenntnis: „Das alles würde Kosten in einer Größenordnung von mehreren hunderttausend Euro nach sich ziehen“, sagte Wolbergs. Die Stadtverwaltung muss das im April 2015 vom Planungsausschuss beschlossene Projekt deshalb komplett neu aufrollen.

Eigentlich hätte es schon zum Bürgerfest im vergangenen Juli verwirklicht werden sollen. Mit archäologischen Funden aus der Römerzeit und dem Mittelalter begründete die Stadt noch im April 2015 eine erste Verzögerung.

Aktuell prüft sie Wolbergs zufolge das weitere Verfahren, „ehe dann zunächst von der Koalition und dann vom Stadtrat entschieden werden muss, was uns dieses Vorhaben wert ist“. Eigentlich wollte die Stadt für die zusätzlichen Bäume, die neuen Sitzgelegenheiten, den Kiosk und die Brunnenverschönerung rund 150 000 Euro ausgeben; das Regensburger Architekturbüro Wamsler Rohloff Wirzmüller hatte das Konzept entworfen. Einen neuen Zeitplan für seine Umsetzung gibt es Wolbergs zufolge noch nicht.

Es wird also wohl der Sommer kommen – und der Dachauplatz so bleiben, wie er seit Jahren ist. Seit dem Frühsommer 2015 sorgen acht japanische Schnurbäume für mehr Grün, auch Pflastersteine wurden ausgetauscht. Nur diesen Teil ihres Plans realisierte die Stadt. Damals sagte Hans-Dietrich Krätschell, Leiter des zuständigen Gartenamtes: „Wir hoffen darauf, dass die Arbeiten bis Frühjahr 2016 fertig sind.“

Dass der Ist-Zustand nicht reicht, finden etwa Mitarbeiter der Markthalle. Der zentrale Platz habe Potenzial, sagt Manuel Gabler, der hinter der Theke des Obst- und Saftstands steht. „Es fahren täglich so viele Autos hier ins Parkhaus. Aber die Leute gehen gleich weiter in die Altstadt und halten sich hier gar nicht auf.“

Platz könnte Magnet werden

Wäre der Dachauplatz attraktiver, könne er sich zum „Magneten“ entwickeln – davon würden dann auch die Geschäftsleute in der Markthalle profitieren. Auch Käseverkäuferin Daniela Wohlmuth vertritt diese Meinung. „Ich glaube schon, dass das ein Anziehungspunkt ist“, sagt sie. Abends sei der Platz, den sie „ein bisschen fad“ findet, schon jetzt frequentiert, das sieht sie von ihrem Stand aus.

Für Alexandra Wrzalik vom Gemüsestand dagegen hat eine hübsche Piazza auch Nachteile. „Ich glaube, man läuft Gefahr, dass das sehr vermüllt.“ Doch Handlungsbedarf sieht auch sie: „Die Fahrräder sind ein großes Problem.“ So zugeparkt damit sei der Platz oft, dass Bänke gar nicht genutzt werden könnten.

Die Meinung von Regensburgern

  • Anna Wimmer:

    Die Studentin aus Regensburg würde es ärgern, wenn die Umgestaltung des Dachauplatzes am Geld scheitern sollte. Die 21-Jährige bedauert: „Die Bäume hier sind total lieblos.“ Diese würde sie mit Sitzgelegenheiten aufpeppen. Ein Brunnen würde für sie die Sache perfekt machen.

  • Franz Pfeilschifter:

    „Sogar kurz vor Ostern herrscht hier eine kalte Atmosphäre“, sagt der Landwirt, der oft in Regensburg zu tun hat. Für den 60-Jährigen sollten immergrüne Pflanzen her, so bleibt der Platz auch im Winter einladend. Er hält es für wichtig, dass die Stadt in den Platz investiert.

  • Emmanuelle Kirzinger:

    „Der Platz ist zwar nicht einladend, aber es gibt in Regensburg sicherlich auch andere Prioritäten“, sagt die 30-Jährige aus Regensburg. Was die Ärztin verbessern würde? „Schöne Sitzplätze, die zum Verweilen einladen, würden dem Dachauplatz bestimmt guttun.“

  • Johannes Eckner:

    Der 24-Jährige findet es besonders traurig, dass der Platz im Moment so leblos ist. Da der Regensburger in der Markthalle am Dachauplatz arbeitet, weiß er genau, was ihn stört: „Der dreckige Brunnen muss unbedingt erneuert werden“, sagt er — trotz der Kosten.

Weitere Geschichten aus Regensburg lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht