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Gestaltung

Zwei Bäume sollen Brunnendeckel ersetzen

Künstler Friedl lief Sturm gegen die Vorlage und erhob Vorwürfe gegen Bürgermeister Huber. Der OB ändert die Tagesordnung.
Von Heike Haala, MZ

An der Stelle, an der der Europabrunnen geplant war, sollen nun zwei Bäume gepflanzt werden. Quelle: Stadt Regensburg

Regensburg.Seit 2003 hat sich am Brunnenschacht für den ehemals geplanten „Europabrunnen“ baulich nicht mehr viel getan. Am Dienstag sollte der Umweltausschuss eigentlich über sein weiteres Schicksal entscheiden. Auf Punkt 4 der Tagesordnung steht laut der Homepage der Stadt aber weiter die Vorlage für einen Beschluss, der für diese Stelle für zwei Bäume vorsieht. Laut MZ-Informationen ließ der Oberbürgermeister Joachim Wolbergs das Thema am Montagabend wieder von der Tagesordnung nehmen. Es bestehe noch Diskussionsbedarf.

Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne), der inhaltlich mit der Formulierung der Vorlage betraut war, erklärte zuvor auf Nachfrage der MZ: „Hier zwei Bäume zu pflanzen, ist eine einfache Lösung, die den Interessen vieler Bürger dieser Stadt dient.“ In seinen Augen kann hier ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen, immerhin sind dort auch Sitzbänke geplant. Zudem würden die beiden Bäume die Schwachstelle im Alleengürtel stärken. Huber verweist auch darauf, dass es schwer sei, ein paar Tupfen Grün in der Stadt unterzubringen, was ebenfalls für die Bäume spreche. 15 000 Euro der Kosten würden für die Pflanzen entfallen, der Rest wäre notwendig, um die „Ruine“ des Brunnens und des Bretterverschlags rückzubauen.

Jakob Friedl begehrt auf

Die derzeitige Situation mit der Holzabdeckung ist laut Vorlage „optisch und funktional unbefriedigend“. Ein Totalabriss der Brunnenstube wäre aber teuer. Deswegen sollen an dieser Stelle jetzt Bäume mit etwa 70 Zentimetern Stammumfang auf der Fläche von etwa 55 Quadratmetern gepflanzt werden. Die Kosten für die Maßnahme werden mit 70 000 Euro veranschlagt, die Mittel dafür könnten mit dem Nachtragshaushalt im Frühjahr 2015 bereitgestellt werden.

Das sind Pläne, gegen die der Regensburger Künstler Jakob Friedl aufbegehrt. Er hatte den Brunnendeckel in den Jahren 2009 und 2010 für einige Projekte genutzt. Per E-Mail und Facebook kündigt er den „Showdown mit Luftballons“ an. Er wollte die Ausschusssitzung besuchen. Für jede Partei wollte er einen Luftballon dabei haben.

So sieht der Brunnenschacht jetzt aus. Foto: Haala

Außerdem hatte Friedl im Sinn, dass sich möglichst viele Gleichgesinnte finden, die ihn begleiten. Er erhob zudem Vorwürfe gegen Huber. Der würde das Brunnenbecken „schleifen“ wollen. „Das ist eine 180-Grad-Drehung, genau das Gegenteil, was Huber mit seinen Anträgen als Stadtrat der Grünen gefordert hat“, sagt Friedl.

2011 hatte Huber in einem Antrag an den Stadtrat gefordert, den Brunnendeckel zu einer „Experimentierplattform“ umzugestalten, 2013, dass dort „performative und situative Kunst“ am Stadteingang der Maximilianstraße entstehen soll.

Huber verteidigt sich

Huber wehrt sich gegen die Anfeindungen Friedls: „Ich orientiere mich nur an der aktuellen Situation“, verteidigt er die Ausschussvorlage. Als er die Anträge stellte, sei die Sache von der damaligen Stadtregierung unter den Teppich gekehrt worden. Aber jetzt wäre mit den Planungen für das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) eine Lösung geschaffen worden. Mit dem RKK werde es auch einen Wettbewerb für Kunst am Bau geben. „Da werden wir doch keinen losgelösten, kleinen Wettbewerb nebenan veranstalten“, sagt Huber. Im Übrigen stehe die Fläche mit den zwei Bäumen genauso für performative Künstler zur Verfügung, die ein Konzept beim Kulturreferat genehmigt bekommen, wie jedes andere Pflaster der Stadt auch.

Der Grund dafür, dass die beiden Bäume gepflanzt werden könnten, geht auf das Jahr 2013 zurück. Damals wurde klar, dass der Platz nicht – wie eigentlich geplant – für das RKK gebraucht wird. Deswegen brachte der damalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) den Vorschlag für ein Wasserspiel, eine so genannte „Bodensprenkelanlage“, als Lösung ins Spiel. Auch damals lief Friedl Sturm gegen die Pläne.

Schaidingers Versprechen

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein imposanter Glaskubus entstehen: der Europabrunnen. Doch seit 2003 tut sich baulich nichts mehr an dieser Stelle. Zuvor hatte die Stadt 714 000 Euro für einen Plan und 300 000 Euro für die Brunnenanlage investiert. Mit dem Brunnen sollte die Auszeichnung der Stadt mit dem Europapreis gewürdigt werden.

Der Entwurf zum Europabrunnen

Das hatte Schaidinger 1997 dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Benno Zierer versprochen. Der Europapreis ist die höchste Auszeichnung, die der Europarat zu vergeben hat. „Ich möchte nicht, dass die Auszeichnung mit dem Europapreis in Vergessenheit gerät“, sagte Zierer 2013 im MZ-Gespräch, als die Idee mit der Bodensprenkelanlage aufkam. Wenn der Brunnen etwas kleiner ausfalle als bisher geplant, mache ihm das nicht viel aus, aber „mickrig“, das soll der Brunnen nun Bitteschön auch nicht werden. Als Zierer nun am Montag hörte, dass an dieser Stelle inzwischen zwei Bäume im Gespräch sind, war er überrascht. Mit diesen Planungen sei er ganz und gar nicht einverstanden, sagte er im MZ-Gespräch.

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