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Dienstag, 16. Januar 2018 7

Tiere

Mit DNA-Probe gegen Hundedreck

Mitarbeiter der Stadtbau Regensburg drohten mit einer ungewöhnlichen Maßnahme Tierhaltern, die den Kot nicht wegräumen.
Von Julia Ried, MZ

Dieser Aushang hing in Häusern der Stadtbau im Stadtnorden, etwa in diesen zwischen Argonnen- und Flandernstraße. Inzwischen hat ihn die städtische Wohnungsbaugesellschaft entfernt. Foto: Ried

Regensburg.Radio Essen hatte das schmutzige Thema heuer für seinen Aprilscherz aufgegriffen: Die Stadt überlege, eine DNA-Datenbank für Hunde anzulegen, verkündete der Sender am 1. April. So wolle sie das Problem mit dem Hundedreck in Straßen und Parks in den Griff bekommen. In Regensburg drohten in diesen Wochen Mitarbeiter der Stadtbau per Aushang in Häusern der Wohnungsgesellschaft mit DNA-Analysen des Hundekots – ein Aprilscherz war diese Botschaft nicht.

Stadtbau-Geschäftsführer Joachim Becker zufolge handelten sie ohne Absprache mit ihren Vorgesetzten. Doch sauer klingt er nicht: Immerhin seien die Grünflächen nun sauberer.

Plakat hing in 20 Häusern

Auf dem Papier mit Stadtbau-Logo, das in etwa 20 Häusern im Stadtnorden aushing, hieß es: „Liebe Hundebesitzer, wir fordern Sie auf, es zu unterlassen, dass Ihr Hund sein ,Geschäft‘ in unseren Grünanlagen hinterlässt. Sollte der Hundekot nicht weggemacht werden, sehen wir uns gezwungen, eine DNA-Probe zu machen, um den Verursacher zu finden.“

Becker unterstreicht: Die „sehr jungen, engagierten Mitarbeiter“ seien „nicht davon ausgegangen, das wirklich zu tun“. Das Problem, das sie zu der Aktion bewog, sei aber ein ernstes. Immer mehr Menschen ließen zwischen den Häusern den Dreck ihrer Hunde, aber auch ihren Müll liegen. „Wir stoßen da unsere Grenzen“, räumt er ein. Nutzer der Grünanlagen ekeln sich, sind verärgert wie Mutter Tanja Kasakow: „Meine Kleine hatte voriges Jahr im Sandkasten auf einmal Hundedreck in der Hand“, erzählt die 26-Jährige in dem kleinen Park der Stadtbau zwischen Argonnen- und Flandernstraße. Sie sieht die Hundehalter in der Pflicht: „Wenn sie einen Hund haben, sollen sie auch aufpassen.“

„Hausmeister können das wegmachen“

Doch es gibt Gassigeher, die finden: „Die Stadtbau hat doch Hausmeister, die können das wegmachen“, berichtet Becker. Ähnliche Ansprüche haben einige Bürger ans Gartenamt, wie Chef Hans Dietrich Krätschell sagt. Seine Leute müssten bei ihren Arbeiten in den Parks immer wieder tierischen „Tretminen“ ausweichen, für die in der Regel „wenige schwarze Schafe“ unter den Hundehaltern verantwortlich seien.

Der Zettel ist auch in der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Regensburger, . . .“ Thema. Ein Nutzer postete ein Foto davon. Dutzende kommentierten es, viele hielten den Aushang für einen Scherz.

„Bevor wir mit Gentests loslegen, warten wir aber erst noch ab, bis erste Präzedenzfälle von Gerichtsurteilen vorliegen, bei denen Hunde gegen Kot-Hinterlassenschaftstests, die ohne ihre Einverständnis gemacht wurden, wegen Verletzung ihrer Privatsphäre geklagt haben.“

Stadtsprecherin Kristina Klement

Tatsächlich hat sich ein Firmengründer aus Nordrhein-Westfalen ernsthaft auf den Aufbau von Hunde-DNA-Datenbanken spezialisiert. Weder Becker noch Krätschell fühlen sich davon angesprochen: „Ich möchte nicht aufhören, an die Einsicht der Menschen zu glauben“, sagt Becker. Auch Krätschell setzt „eher auf die Mündigkeit und Vernunft der Bürger“. Kurios findet Stadtsprecherin Kristina Klement das Geschäftsmodell: Eine solche Datenbank würde sicher jeder Steuerzahlen begrüßen, lautet ihr ironischer Kommentar.

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DNA-Analyse gegen Hundedreck

  • Konzept:

    Die in Burscheid ansässige Firma Mistkäfer bietet den Aufbau von Datenbanken für Hunde-DNA und Kotanalysen an.

  • Umsetzung:

    Die Firma registriert die Hunde durch Maulabstrich, analysiert die Kothaufen und gleicht schließlich die Daten ab.

  • Projekt:

    In einem Pilotprojekt testet die Jenaer Baugenossenschaft in ihren Wohnanlagen gerade die DNA-Analytik.

  • Nachfrage:

    Ansonsten ist noch keine Stadt oder Wohnungsgesellschaft Kunde, wie Firmengründer Dr. Andy Wende berichtet.

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