mz_logo

Stadtteile
Donnerstag, 23. November 2017 10° 4

Ausstellung

Energie des Kreuzes sichtbar gemacht

Der Glas- und Fotokünstler Bernd M. Nestler zeigt in Regensburg eine besondere Darstellungen vom Kruzifix.
Von Susanne Wiedamann, MZ

  • Bernd M. Nestlers in einem Spezialverfahren entstandene Bilder auf Aluminiumtafeln können etliche Jahrzehnte bestehen. Foto: Wiedamann
  • Bernd M. Nestler Foto: privat

Kumpfmühl. Was einen sofort gefangen nimmt, ist diese enorme Farbigkeit der Bilder, dieses satte, himmlische Blau und diese changierenden Rot- und Purpurtöne, die manchmal vom gleißenden Licht bloßen Aluminiums gebrochen werden oder von reflektierendem Gelb. Bernd M. Nestlers Bilder fesseln den Betrachter, denn sie sind schön und gleichzeitig irritierend. Die Figuren, ein Kreuz oder ein Gekreuzigter, scheinen keine feste Form zu haben, zerfließen und schicken den Betrachter auf geistige Wanderschaft.

Schon bei der Vernissage in St. Wolfgang am Wochenende mit rund 80 Gästen trafen Nestlers Werke den Nerv. Mehrere Ausstellungsbesucher wollten die Arbeiten kaufen, erzählt der gebürtige Kumpfmühler. 13 Arbeiten im Format 70 mal 30 Zentimeter hat der im Raum München lebende Künstler auch zum Verkauf auf Tischen ausgebreitet – zugunsten der Pfarrgemeinde, für den Kindergarten und die Orgelsanierung. Die restlichen rund 30 Bilder sollen bis zur Karwoche in der Kirche hängen bleiben. Geheimnisvoll wirken sie, geradezu mystisch. Und auch die Herstellungsweise ist ein Geheimnis.

Malen mit der Kamera

Auf das Verfahren stieß Nestler zufällig, als er eine gute Methode suchte, um Glaskunst abzulichten. Er fotografierte mit einer digitalen Leica-Kamera und stellte irgendwann fest, dass er mit dieser „malen“ konnte. Dunkle Oberflächen schufen bei einer bestimmten Belichtung ein tiefes Blau. Helle Oberflächen reflektierten stark. Mit Aluminium als Trägerplatten und UV-gehärteten Farben erstellt Nestler Bilder von extrem hoher Lebensdauer. „Ich wollte beständige Kunstwerke schaffen“, beschreibt Nestler einen Ur- Traum der Künstler. Mehr als 17 000 Fotografien hat er gemacht. „Davon sind nur etwa 780 etwas geworden“, sagt Nestler, der seine Arbeiten immer wieder qualitativ auf den Prüfstand stellt.

Rosenkranz, Christusfigur, Herrgottswinkel und Kruzifix sind seine Motive, die durch seine Technik Verstärkung und Verfremdung zugleich erfahren. „Ich möchte die Energie, die in den Kreuzen durch das jahrzehntelange Beten drinnen steckt, wieder sichtbar machen. Diese Energie haben Künstler seit Jahrhunderten versucht, darzustellen.“ Durch die meisten Künste könne man das Göttliche nicht wiedergeben, meint Nestler. Durch die Malerei schon. Der Künstler ist selbst von seiner Technik begeistert. Das Blau künde vom Kosmos, dem Weltall. Das Göttliche werde im Licht dargestellt. „Die Auflösung der Christuskörper ist das, was das Spirituelle ausmacht. Der Körper löst sich in reflektierender Fläche auf. Da kann man sich reinträumen, reinbeten…“

Der Zufall und das Göttliche

Er habe versucht, etwas Neues in der Kunst zu machen – und es sei ihm gelungen. Nestler betont, dass er im Grund nichts konstruiert. Er inszeniert das Göttliche nicht, sondern es entsteht. „Ich mache klick – und das Bild ist da, in einer tausendstel Sekunde eingefangen. Dieses Bild wäre ohne meine Fotografie nicht da.“ Nestler war schon als Student fasziniert von Paul Klee und auch den Impressionisten und ihrer Farbigkeit. Aber diese Malerei habe nicht diese Tiefe.

„Der Begriff Zufall hat auch etwas Göttliches, wenn man denkt, dass ich 800 Fotos mache, und dann ist da genau eines dabei.“ Von seinen Arbeiten sei auch der Regensburger Verlag Schnell und Steiner begeistert, erzählt der Künstler. Der Verlag biete seine Bilder nun in seiner Verlagsgalerie zum Kauf an. Die Ausstellung „Lichtkreuze“ in St. Wolfgang ist noch bis Mitte April zu sehen.

Bernd M. Nestler

  • In Kumpfmühl aufgewachsen

    Der Künstler wurde 1960 in Regensburg geboren und wuchs in Kumpfmühl auf. Der Pfarrei St. Wolfgang ist er seit seiner Kindheit verbunden und hat das Pfarrheim durch mehrere Kunstwerke bereichert.

  • Assistent von Prof. Josef Oberberger Von 1985 bis 1989 war er Assistent von Prof. Josef Oberberger und arbeitete an der Entwicklung und Fertigstellung von 16 Fenstern für den Dom mit. Seither widmet er sich sakraler Kunst.

  • Zwei Ateliers im Raum München

    Bernd M. Nestler lebt im Raum München und hat zwei Ateliers, eines in der Hauptstadt, das zweite in Holzkirchen.

Weitere Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht