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Nachtleben

Mit Plakaten gegen den Feier-Lärm

Partygänger gegen Altstadtbewohner: Der Konflikt ist nicht zu lösen. Die Bilanz von „Fair feiern“ fällt gespalten aus.
von Mario Geisenhanslüke, MZ

Regensburg ist eine lebendige Stadt, in der viel gefeiert wird und auch werden soll. Doch Bewohner klagen über Lärm. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Es war, es ist und es wird ein Thema in Regensburg bleiben: Feiern in der Altstadt – verbunden mit den bekannten Begleiterscheinungen: Lärm in der Nacht und den frühen Morgenstunden, Müll oder Partygänger, die vor Hauswände pinkeln. Während immer wieder Altstadtbewohner ihrem Ärger Luft machen, sehen die Verantwortlichen des Bündnisses „Fair feiern“ eine positive Entwicklung.

Mit „Party- Altstadt: Es reicht!“ war eine Zuschrift an unser Medienhaus jüngst überschrieben. Dort schildert ein Altstadtbewohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, weil er Konflikte mit Wirten in seiner Nachbarschaft fürchtet, wie „empfindlich gestört“ seine Nachruhe sei. Weiter sagt er: Von der Stadt und den Wirten werde nichts unternommen. Dem jedoch widersprechen die Stadt, die Regensburger Wirte und die Polizei vehement.

Beschwerden gehen zurück

Die Gastronomen Swen Bender (l.) und Sascha Almahmoud zeigen das neue Plakat. Foto: gi

Markus Reitmeier, Polizeihauptmeister bei der Polizeiinspektion Süd, sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Zahl der Einsätze aufgrund Ruhestörungen im Innenstadtbereich ist seit 2012 stark rückläufig.“ Auch die Körperverletzungsdelikte seien zurückgegangen. Zwar habe es von 2015 auf 2016 wieder einen leichten Anstieg gegeben. Aber die Anzahl der Straftaten liege noch deutlich unter dem Wert von 2012. Deshalb sagt Reitmeier: „Aus Sicht der PI Regensburg Süd ist das Aktionsbündnis „Fair Feiern“ als positiv zu werten.“

Weit weniger positiv sieht Helmut Knyrim das Ganze. Er wohnt seit 1977 in der Regensburger Altstadt und ist Sprecher der Bürgerinitiative „Bewohnbare Altstadt Regensburg“. Er sagt: „Es ist weder besser noch schlimmer geworden – aber noch immer viel zu laut. Viel zu viele Gruppen ziehen nachts lautstark durch die Stadt.“ Er selbst rufe die Polizei bei Ruhestörungen gar nicht mehr. Seine Begründung: „Es ist eigentlich ziemlich sinnlos, wenn ich anrufe, und 45 Minuten später kommt eine Streife vorbei. Dann sind die lange weg.“ Natürlich, so schränkt er ein, habe die Polizei auch oft wichtigere Dinge zu tun.

Kommentar

Es wäre so einfach

Manche Dinge sind eigentlich einfach. Erstens: Wenn ich in einer Stadt wie Regensburg in die Altstadt ziehe, weiß ich vorher, dass dort gefeiert wird –...

Auf der einen Seite viele junge Menschen, die feiern wollen. Auf der anderen Seite Bewohner in der Altstadt, die schlafen wollen. Dieser Konflikt ist in einer Stadt wie Regensburg wohl niemals zur Zufriedenheit aller zu lösen. Zumindest zu einer Verbesserung beitragen soll das Aktionsbündnis „Fair feiern“ – eine gemeinsame Initiative von Gastronomen, Bewohnern, Polizei und der Stadt. Seit 2008 versucht dieses Bündnis mit verschiedenen Aktionen – von bedruckten Aschenbechern bis zu Spots im Kino – die Feiernden zu sensibilisieren.

Drinnen laut, draußen leise

Die Stadt Regensburg wird in diesem Bündnis, das im kommenden Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert, von Dr. Wolfgang Schörnig, dem Rechtsreferenten der Stadt, vertreten. Er sagt: „Wir wollen viele Kneipen in der Altstadt. Wir wollen, dass die Bürger leben und schlafen können. Wir wollen eine lebendige Studentenstadt sein.“ Deshalb möchte das Fair-Feiern-Bündnis mit der neusten Aktion mal wieder das Bewusstsein der Feiernden schärfen. Schörnig und einige der führenden Gastronomen der Stadt stellten gestern ein neues Plakat vor. Auf ihm ist zu lesen: „Drinnen laut draußen leise – Feiern auf die faire Weise.“ Das Plakat soll ab sofort in vielen Bars, Discos und Clubs in der Altstadt hängen.

Warum gerade ein Plakat? Schörnig erklärt das so: „Wir wollen nicht immer die sein, die mit dem erhobenen Zeigefinger sagen, was man darf und was nicht. Wir wollen die Jugendlichen ansprechen.“ Deshalb sei das Motto gut. Auf Grund des regelmäßigen Generationenwechsel müsse man eine Aufforderung wie „Leute, seid beim Feiern fair und lasst die anderen leben“ immer wieder zurück ins Bewusstsein holen. Schörnig sagt: „Es tut doch keinem weh, wenn man einfach leise nach Hause geht.“

Dass solche Aktionen die Problematik nie ganz lösen werden, weiß Schörnig indes auch. „Wir werden die Leute, die nachts brüllen, an Wände pinkeln und Flaschen schmeißen, nicht umerziehen können“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch wenn er einen Wunsch frei hätte, würde er sich wünschen, dass die Erziehung der Kinder schon im Kindergarten damit beginne, dass man Rücksicht auf andere nimmt. Schörnig wird deutlich: „Ein 24-Jähriger, dem es Spaß macht, einen Briefkasten einzutreten? Das muss nicht sein. Da kann auch das Elternhaus viel bewegen.“

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