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Bilanz

Nachtbus fährt nur dank Finanzspritze

750 Fahrgäste pro Abend: Laut RVV wird das Angebot zum Selbstläufer. Selbst finanzieren wird es sich aber wohl nicht.
Von Micha Matthes, MZ

Mehr als 3000 Fahrgäste stiegen an den ersten drei Wochenenden ein: Laut Angaben des RVV wird das Angebot zum „Selbstläufer“. Selbst finanzieren werden sich die neuen Nachtbuslinien aber wohl auch in Zukunft nicht. Foto: Steffen

Regensburg.Es ist eine ungemütliche Nacht in Regensburg. Seit Stunden regnet es an diesem Samstag. Dazu weht ein kühler Wind. Doch davon lassen sich die drei jungen Frauen und zwei jungen Männer am Bismarckplatz nicht unterkriegen. „Taxi? Zu teuer für uns – wir warten lieber noch die 15 Minuten auf den Nachtbus.“ Seit fast einem Monat rollen die fünf N-Linien des RVV nun an Wochenenden durch die Stadt. Und immer mehr Gäste steigen ein: Mehr als 3000 waren es in den ersten drei Wochen. Politiker, Verantwortliche von RVV und GFN, Initiativen, Jugendorganisationen und sogar Taxifahrer befürworten das Angebot sehr. Die Schattenseite bleibt aber die Finanzierung. Schon jetzt ist abzusehen: Ohne eine dicke jährliche Finanzspritze der Stadt wird der Betrieb wohl auch nach dem Testjahr nicht auskommen.

Noch im Januar hatte der RVV – nach eigenen Umfrageergebnissen – wenig Bedarf für ein erweitertes Angebot gesehen. Auch aus diesem Grund startete der – sogar im Koalitionsvertrag festgeschriebene – Testbetrieb mit viel Verspätung. Jetzt ist Dominik Soltic, Assistent des RVV-Betriebsleiters, von der Resonanz begeistert: „Schon am ersten Wochenende hatten wir knapp 1000 Fahrgäste. Und ohne dass wir verstärkt Werbung machen mussten, ist die Zahl in drei Wochen noch einmal um die Hälfte gestiegen. Das Angebot ist zum Selbstläufer geworden.“ Zwei Linien seien dabei besonders frequentiert: Die N6 mit dem Ziel Stadtwesten und die N8, die über den Uni-Campus nach Pentling fährt.

Viele Fragezeichen bei Finanzierung

„Die Herbstzeit ist sicher schon ein Peak“, sagt Soltic. „Im Winter werden die Fahrgastzahlen noch einmal steigen.“ Die Kapazität sei noch ausreichend. „Sollten die Busse zu voll werden, lassen wir Verstärkerfahrten mitlaufen oder setzen Gelenkbusse ein. Niemand soll nachts zurückbleiben.“ Dieser Mehraufwand würde jedoch auch Mehrkosten verursachen, die im Budget der Stadt bislang nicht vorgesehen sind. Überhaupt gibt es bei der Finanzierung noch einige Fragezeichen. Denn der Nachtbus fährt nicht kostendeckend. „Es reicht nicht. Die Linien werden vor allem von Studenten genutzt, die ohnehin Semestertickets haben“, sagt Soltic. „Wir gehen mit mehr Leistung rein, haben aber nicht höhere Einnahmen.“

Unsere Grafik bietet einen Überblick über die Nachtbus-Linien:

Für das Testjahr ist die Finanzierung durch die Stadt zwar gesichert. „Abschließend ist das Thema aber noch nicht geklärt“, sagt Soltic. „Nach dem Jahr müssen wir uns anschauen, wie sich die Fahrgastzahlen entwickelt haben und dann entscheiden, wie es weitergeht.“ Ungefähr 200 000 Euro müssten die Fahrgäste dem RVV in die Kassen spülen, damit das Angebot auf eigenen Beinen stehen kann.

Initiative will Landkreis einbeziehen

Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, gibt in diesem Punkt ein Stück weit Entwarnung: „Im Moment sieht es ja super aus. Das Angebot wird hervorragend angenommen. Wenn es so weitergeht, wird die Stadt wohl dabeibleiben.“ Die Entscheidung über eine längerfristige Finanzierung müsse 2017 der Stadtrat treffen. „Aber da wird man sich wohl nicht verschließen“, vermutet von Roenne-Styra.

Ludwig Simek von der Initiative Nachtbus für Regensburg ist derweil „einfach froh, dass das Angebot jetzt endlich da ist“. In Hinblick auf das Liniennetz seien die Erwartungen sogar übertroffen worden. „Die ersten Fahrten sind sehr gut verlaufen und wir haben viel positives Feedback dazu bekommen“, sagt er. „Wir hoffen nun, dass die Probephase reibungslos verläuft und der Testbetrieb dann in den Regelbetrieb überführt wird. Schön wäre es natürlich, wenn man das Angebot jetzt noch mit dem Landkreis verbinden würde.“

Dafür spricht sich auch der Stadtjugendring aus. Sollte die Testphase erfolgreich verlaufen, sei es wichtig, dass der Nachtbus auch im Landkreis an Fahrt aufnimmt, sagt der Vorsitzende Philipp Seitz. „Die Jugendlichen haben es durch die Nutzung des Angebots und durch ihr Verhalten in den Bussen nun selbst in der Hand, wie lange dieses für sie sehr gute Angebot Bestand haben wird.“

Die Verantwortlichen der landkreiseigenen Nahverkehrsgesellschaft GFN freuen sich ebenfalls, dass das Angebot so gut ankommt, sehen für den Landkreis derzeit aber noch keinen Handlungsbedarf. „Wir haben ja bereits nachts Verbindungen in den Landkreis – nur halt nicht bis morgens um 4.30 Uhr“, sagt Josef Weigl, Geschäftsführer der GFN. Derzeit fahren zehn Linien um 0 Uhr und 1.15 Uhr. „Als der erweiterte Betrieb für die Stadt eingeführt wurde, haben wir für den Landkreis entschieden, erst einmal abzuwarten“, sagt Weigl. „Wir werden uns mit dem Thema beschäftigen, wenn Ergebnisse aus dem Probejahr vorliegen.“

Einen Überblick über die Abfahrtszeiten der Busse bietet Mittelbayerische Maps:

Georg Stich leitet die Taxizentrale Regensburg, für die ungefähr 150 Taxis im Einsatz sind. Am Bahnhof habe es zuletzt an Wochenenden immer wieder große Staus gegeben. „Das hat sich mit den Nachtbussen verringert“, sagt Stich. „Das Angebot ist daher gar nicht so schlecht für uns: Es verbessert die Verfügbarkeit der Taxis. Und uns ist es natürlich wichtig, dass die Leute zügig nach Hause kommen.“ An Halloween hätten die Taxifahrer die Busse zum Teil sogar „schmerzlich vermisst“. „Da war wahnsinnig viel los und es gab Unmut – wobei hier auch viele flexible Fahrten in der Innenstadt gefragt waren, die Busse nicht übernehmen können“, sagt Stich.

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